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7 Minuten Lesezeit (1379 Worte)

Der Umgang mit dem „Ich“

Liebe Leserinnen und Leser!
Es gibt unendlich viele Bücher und Ratgeber über das „Miteinander“, also darüber, wie wir beispielsweise Konflikte in Beziehungen vermeiden und generell besser mit anderen Menschen umgehen können. Nur wenige denken aber einmal darüber nach, wie man eigentlich mit sich selbst umgeht. Manchmal behandeln wir uns gut und an anderen Tagen vernachlässigen wir vielleicht unsere Bedürfnisse – all das tun wir aber, ohne überhaupt eine Sekunde darüber nachzudenken. Ich bin der Meinung, das ist nicht richtig. Denn wenn wir mit dem eigenen „Ich“ schon so unbewusst umgehen, haben wir aller Wahrscheinlichkeit auch keine vernünftige Basis, um mit anderen Menschen gut umzugehen.
Deshalb möchte ich Ihnen heute ans Herz legen, wie und warum Sie sich selbst mehr um Ihr „Ich“ kümmern sollten.


Das „Ich“ kennen- und schätzen lernen


Wer sich selbst kennt und seinen Charakter richtig einzuschätzen weiß, der findet in der Regel auch ein paar Punkte, die vielleicht nicht ganz so gut zu den eigenen Wertvorstellungen passen. Und allein schon der Logik nach kann an Dingen nur gearbeitet werden, die bekannt sind. Es kann sich demnach für die Persönlichkeitsentwicklung nur lohnen, sich mit sich selbst zu beschäftigen.
Zum Umgang mit sich selbst gehört das Nachdenken, wie wir auf Dinge und Situationen reagieren oder was wir gerne tun bzw. lieber lassen. Wann üben Sie Selbstkritik aus und welche Reaktion folgt auf einen Fehler? Sind Sie in der Lage, sich selbst nach einer Rüge oder einem Rüffel wieder aufzubauen? Es geht darum, welche Botschaften wir uns selbst in unseren Gedanken mitteilen, wie wir uns trösten, aufbauen und für uns sorgen.
In der menschlichen Natur ist es nämlich weit verbreitet, dass man sich selbst am schlechtesten behandelt. Egoismus ist schließlich verpönt und die Nächstenliebe gehört spätestens seit dem Bibel-Zeitalter zu den zehn Geboten. Deshalb sind wir – und zwar völlig unbewusst - zu Wildfremden oder sogar Menschen, die wir gar nicht leiden können, netter als zu uns selbst. Wir haben es so gelernt, es wurde uns so als Höflichkeit anerzogen und wenn man darüber nachdenkt, ist das schon ein wenig verrückt, oder?
Egoismus ist eigentlich gar nicht so schlimm. Es kommt nämlich darauf an, wie ausgeprägt dieses Streben ist. An sich selbst zu denken, sich etwas Gutes zu tun und sich selbst dadurch zu stärken, kann sich doch auch nur positiv auf unser Umfeld auswirken. Und das waren ganz schön viele „selbst“ in einem Satz!

 

Eine Prise Egoismus und ganz viel Selbstliebe

Die Art, wie wir uns selbst behandeln, zeigt sich schon am frühen Morgen. Denken Sie mal darüber nach, was Ihnen nach dem Aufwachen als Erstes durch den Kopf geht. Wahrscheinlich gehen Sie gedanklich schon die Termine des Tages durch, planen alle organisatorischen Abläufe und überlegen, was Sie noch einkaufen müssen. Sie treiben sich vielleicht selbst an, weil sie schon spät dran sind, so viel zu tun ist, und haben bis dato keinen einzigen Gedanken an sich selbst „verschwendet“.
Eigentlich dürfen wir uns gar nicht wundern, warum sich viele Menschen schon am Morgen gestresst fühlen. Ganz anders würde der Start in den Tag wohl aussehen, wenn wir uns morgens erst einmal selbst wahrnehmen und mit etwas positiver Energie für den Tag motivieren würden.
Der liebevolle Umgang mit sich selbst sollte dann auch beim ersten Blick in den Spiegel nicht aufhören. Statt die Augen zu verdrehen, weil die Frisur aussieht wie nach einem Ringkampf mit einem Bären, sollte hier milde Nachsicht geübt werden. In zahlreichen Psychologie-Ratgebern heißt es doch immer, dass man sich zur Stärkung des Selbstbewusstseins selbst im Spiegel zulächeln soll. Unter uns: Bei den ersten Malen kommt man sich dabei wirklich dämlich vor, nach ein paar Tagen wird das lächelnde Gesicht im Spiegel zur lieb gewonnenen Routine und etwa nach zwei Wochen macht sich zögerlich etwas Vorfreude breit. Kurzum: Es wirkt - wirklich!
Hintergrund ist die persönliche Herangehensweise, die sich nach und nach auf die eigene Wahrnehmung auswirkt. Zuerst müssen wir uns bemühen, ein freundliches Gesicht zu machen. Später sind wir einfach freundlich zu uns selbst – und das ist gut so!

 

Umgang mit mir 

 

Wir steuern, wie wir fühlen

Die Art und Weise, wie wir uns selbst behandeln, nimmt Einfluss auf unsere Gefühlswelt. Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl sind mit sich selbst nicht im Reinen und nörgeln oft an sich herum. Selbst wenn sie etwas Tolles erschaffen oder erreicht haben, stellen sie ihr Licht in den Schatten und spielen ihre Leistungen herunter. Warum? Gesellschaftlich wird Stolz oft verpönt betrachtet und mit Angeberei verglichen. Dabei sollte wirklich jeder auch einmal stolz darauf sein dürfen, was er bewirkt und erreicht hat. Denn das trägt zur inneren Zufriedenheit bei.

Hinterfragen kann jeder seine Gefühlswelt. Fragen Sie sich doch mal …

  • Was sagen Sie über sich selbst? Wie stellen Sie sich dar?
  • Wie reagieren Sie auf Lob oder Tadel?
  • Wie fühlen Sie sich am Ende des Tages, wenn alle Aufgaben erledigt sind?
  • Wie denken Sie über sich, wenn Ihnen ein Fehler passiert ist?
  • Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an etwas gescheitert sind?
  • Was denken Sie über Ihr Spiegelbild oder Fotos von Ihnen?
  • Was würden Sie sagen, wenn Sie sich selbst beschreiben müssten?

Gehen Sie diese Fragen einmal durch, antworten Sie ehrlich und spüren, was das in Ihnen auslöst. So können Sie einen ganz guten Eindruck davon bekommen, wie Sie mit sich selbst umgehen. In vielen Fällen wird die Antwort nicht besonders nett ausfallen, richtig?

 

Viele gute Gründe für ein wenig „Ich-Pflege“

IchBevor wir nett zu anderen sein können, sollten wir erst einmal mit uns selbst anfangen. Je netter und freundlicher wir mit uns selbst umgehen, desto höher fällt unsere Lebensqualität aus. Der Effekt ist vergleichbar mit dem, wenn Mitmenschen besonders freundlich zu uns sind. Es tut schlicht und ergreifend gut.
Wir fühlen uns besser, wenn wir gut mit uns selbst umgehen. Wer nett zu sich selbst ist, baut sein Selbstbewusstsein auf und steigert sein Selbstwertgefühl. Dadurch trauen wir uns mehr zu und schreiten mutig sowie motiviert durchs Leben. Behandeln wir uns gut, verleiht uns das Kraft und Energie. Schimpfen wir mit uns oder fechten innere Kämpfe aus, rauben wir uns diese Energie.
Wenn wir gut für uns sorgen und uns selbst aufbauen, dann machen uns auch Misserfolge deutlich weniger aus. Von diesem neuen „Ich-Gefühl“ profitieren letztendlich auch andere, da wir mit der neuen Einstellung auch netter zu anderen Menschen sein können. Letztendlich merken wir an unserem Lächeln oder Lachen, dass wir es geschafft haben, an unserer inneren Einstellung zu arbeiten.

 

To-Do für das Ich 2.0

Wer sich jahrelang selbst vernachlässigt hat, der kann sich nicht plötzlich über Nacht neu erfinden. Ein wenig Arbeit bedeutet es schon, sein „Ich“ nachhaltig zu pflegen. Jeder Mensch sollte sich selbst „Wert“ sein, ein paar Minuten des Tages sich selbst zu widmen. Wenige Minuten reichen in der Regel aus, um eine kurze Analyse der Gefühls- und Gedankenwelt durchzuführen. Finden wir beim „Ego-Check“ etwas, was nicht richtig passt, lässt es sich mit etwas Geduld recht gut korrigieren.
Wichtig ist, sich selbst zu kennen und zu verstehen. Wenn wir Beziehungen eingehen oder Freundschaften schließen, möchten wir den jeweils anderen auch richtig kennenlernen. Wir wenden Zeit und Energie für das Kennenlernen auf, weil wir eine gemeinsame Basis suchen und Nähe schaffen möchten. Wir lernen die Stärken und auch die Schwächen unseres Gegenübers kennen, damit wir sein Verhalten einschätzen und damit umgehen können. Nichts anderes gilt für uns selbst.
Wer sich regelmäßig selbst hinterfragt und darauf achtet, sich selbst gut zu behandeln, tut dies später automatisch. Hilfreich ist es, sich zu fragen, wie mit einem lieben Menschen oder Freund umgegangen wird. Denn genau so sollte jeder sich selbst behandeln – wie einen richtig guten Freund!
Und wie bei einem guten Freund sollten wir etwas nachsichtiger und weniger streng mit uns sein. Wir müssen uns nicht bei jedem kleinen Fehler in Grund und Boden schämen, beschimpfen und hadern. Statt uns selbst kleinzumachen, sollten wir uns lieber motivieren, beim nächsten Mal eine Glanzleistung hinzulegen. Vor allem müssen wir endlich aufhören, unsere eigene ideelle Messlatte so hoch zu hängen, dass wir sie niemals erreichen können! Sonst können wir es uns selbst nie recht machen und bleiben in Frust und Stress. Fehler sind schließlich dazu da, damit wir daraus lernen.


Also, um es ganz zeitgemäß mal auf den Punkt zu bringen: Chillen Sie mal!


Bis zum nächsten Mal und bleiben Sie wohlauf!
Ihr Frank Hartung

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