Geschäftspartner treffen gemeinsam Entscheidungen, investieren Geld, übernehmen Verantwortung und verfolgen wirtschaftliche Ziele. Solange die Zusammenarbeit funktioniert, können unterschiedliche Sichtweisen dabei durchaus hilfreich sein. Schwierig wird es, wenn aus unterschiedlichen Vorstellungen ein Konflikt entsteht und Entscheidungen zunehmend davon bestimmt werden, wer sich gegenüber dem anderen durchsetzt.
Vielleicht geht es zunächst um eine Investition, die Verteilung von Aufgaben oder die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens. Mit der Zeit kommen enttäuschte Erwartungen und Misstrauen hinzu. Gespräche werden schwieriger, Entscheidungen bleiben liegen oder jede Handlung des anderen wird kritisch betrachtet. Mediation zwischen Geschäftspartnern bietet die Möglichkeit, die verschiedenen Ebenen eines solchen Konflikts gemeinsam zu betrachten und zu klären, wie es weitergehen soll.

Worum geht es bei Konflikten zwischen Geschäftspartnern?
Geschäftliche Konflikte können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Partner können andere Vorstellungen davon entwickeln, wie ein Unternehmen geführt werden soll, welche Investitionen notwendig sind, wie Gewinne verwendet werden oder wer welche Verantwortung trägt. Auch Arbeitsbelastung, unterschiedliche Risikobereitschaft oder die Frage, wer welchen Beitrag zum gemeinsamen Unternehmen leistet, können zum Streit führen.
Dabei bleibt es nicht immer bei der wirtschaftlichen Sachfrage. Wer über Jahre gemeinsam ein Unternehmen aufgebaut oder ein Projekt entwickelt hat, verbindet damit häufig auch persönliche Erwartungen. Der Eindruck, nicht ausreichend beteiligt, anerkannt oder informiert zu werden, kann deshalb genauso bedeutsam werden wie die ursprüngliche wirtschaftliche Meinungsverschiedenheit. Mediation zwischen Geschäftspartnern ist ein Bereich der Wirtschaftsmediation.
Wenn unterschiedliche Vorstellungen zum Konflikt werden
Nicht jede Meinungsverschiedenheit zwischen Geschäftspartnern ist ein Problem. Unterschiedliche Einschätzungen gehören zu unternehmerischen Entscheidungen dazu. Ein Konflikt kann jedoch entstehen, wenn Entscheidungen immer schwieriger werden oder die Beteiligten beginnen, das Verhalten des anderen grundsätzlich infrage zu stellen.
Aus „Wir bewerten diese Investition unterschiedlich“ wird dann vielleicht „Du blockierst jede Entwicklung“. Aus einer Diskussion über Arbeitsaufgaben wird der Vorwurf, der andere engagiere sich nicht ausreichend. Und hinter einem Streit über eine Auszahlung kann irgendwann die grundsätzliche Frage stehen, ob die Interessen beider Partner überhaupt noch miteinander vereinbar sind. Dann reicht es häufig nicht, nur über die letzte strittige Entscheidung zu sprechen. Wie sich ein solcher Konflikt entwickeln kann, zeige ich anhand einer Mediation zwischen zwei Geschäftsführern im Beitrag Wirtschaftsmediation am Beispiel einer Autowerkstatt.
Typische Konflikte zwischen Geschäftspartnern
Anlässe für eine Mediation können beispielsweise unterschiedliche Vorstellungen über Investitionen und Finanzierung, Gewinnverwendung, Aufgaben und Verantwortlichkeiten, strategische Entscheidungen oder die zukünftige Entwicklung eines Unternehmens sein. Auch der Eintritt oder Austritt eines Geschäftspartners, eine Unternehmensnachfolge oder Veränderungen in der persönlichen Lebenssituation können bisherige Vereinbarungen und Erwartungen infrage stellen.
Manchmal liegt der eigentliche Konflikt aber weniger in einer einzelnen Entscheidung als in der Art, wie Entscheidungen zustande kommen. Ein Partner hat möglicherweise den Eindruck, regelmäßig vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Der andere empfindet notwendige Entscheidungen als ständig blockiert. Je länger solche Erfahrungen bestehen, desto schwieriger kann es werden, Sachfragen unabhängig von der belasteten Beziehung zu besprechen.
Sachliche und persönliche Ebene lassen sich nicht immer trennen
Gerade bei langjährigen Geschäftspartnerschaften greifen wirtschaftliche und persönliche Beziehungen häufig ineinander. Vielleicht kennen sich die Partner schon lange, haben gemeinsam Risiken getragen und schwierige Phasen bewältigt. In Familienunternehmen können zusätzlich familiäre Beziehungen und Erwartungen eine Rolle spielen.
Das bedeutet nicht, dass in einer Wirtschaftsmediation aus jedem geschäftlichen Streit ein persönliches Gespräch werden muss. Es kann aber notwendig sein zu verstehen, weshalb eine bestimmte Entscheidung für einen Beteiligten weit mehr bedeutet als die reine wirtschaftliche Frage vermuten lässt. Erst wenn diese unterschiedlichen Ebenen sichtbar werden, lässt sich häufig genauer bestimmen, was tatsächlich geklärt werden muss.
Muss das gemeinsame Unternehmen erhalten bleiben?
Nein. Ziel einer Mediation ist nicht automatisch, eine Geschäftspartnerschaft zu retten. Die Beteiligten können zu dem Ergebnis kommen, dass sie weiterhin gemeinsam arbeiten möchten und dafür neue Vereinbarungen benötigen. Ebenso kann deutlich werden, dass eine Trennung sinnvoller ist.
Auch dann können wichtige Fragen offen sein: Wer übernimmt welche Aufgaben oder Geschäftsbereiche? Wie werden laufende Projekte behandelt? Welche Übergangsregelungen sind notwendig? Und welche wirtschaftlichen oder rechtlichen Fragen müssen zusätzlich geklärt werden? Eine Mediation kann einen Rahmen bieten, solche Themen miteinander zu besprechen. Ob und unter welchen Bedingungen die Zusammenarbeit fortgesetzt wird, entscheiden die Geschäftspartner selbst.
Welche Rolle spielen Verträge und rechtliche Fragen?
Bei Konflikten zwischen Geschäftspartnern können Gesellschaftsverträge, Kooperationsvereinbarungen, Beteiligungsverhältnisse, Haftungsfragen oder andere rechtliche Regelungen von erheblicher Bedeutung sein. Mediation setzt diese Regelungen nicht außer Kraft und ersetzt keine erforderliche rechtliche Beratung.
Der Mediator entscheidet nicht, welche Rechtsposition zutreffend ist oder welche Ansprüche einer Seite zustehen. Wenn rechtliche Fragen für eine mögliche Vereinbarung wichtig sind, können die Beteiligten sich unabhängig beraten lassen. Gerade bei wirtschaftlich weitreichenden Entscheidungen kann es sinnvoll sein, eine entwickelte Vereinbarung vor ihrem Abschluss rechtlich oder steuerlich prüfen zu lassen.
Was geschieht mit vertraulichen Unternehmensinformationen?
In einem Konflikt zwischen Geschäftspartnern können sensible Informationen eine Rolle spielen – etwa zu Finanzen, Kunden, Verträgen oder geplanten unternehmerischen Entscheidungen. Deshalb sollte bereits zu Beginn einer Mediation geklärt werden, wie mit Informationen aus dem Verfahren umgegangen wird. Für den Mediator und die in die Durchführung des Mediationsverfahrens eingebundenen Personen gelten die gesetzlichen Regelungen zur Verschwiegenheit. Darüber hinaus kann zwischen den Beteiligten vereinbart werden, wie sie selbst mit Informationen aus der Mediation umgehen.
Was ist bei unterschiedlichen Machtverhältnissen?
Auch Geschäftspartner verfügen nicht immer über dieselben Einflussmöglichkeiten. Beteiligungsquoten, finanzielle Möglichkeiten, besondere Kenntnisse, Kundenbeziehungen oder unterschiedliche Funktionen im Unternehmen können die Verhandlungsposition beeinflussen. Solche Unterschiede verschwinden durch eine Mediation nicht. Entscheidend ist, ob die Beteiligten ihre Interessen im Verfahren tatsächlich vertreten und eigenverantwortliche Entscheidungen treffen können. Die Aufgabe des Mediators besteht darin, das Verfahren so zu gestalten, dass solche Unterschiede sichtbar werden und berücksichtigt werden können.
Wie läuft eine Mediation zwischen Geschäftspartnern ab?
Zu Beginn wird geklärt, wer am Konflikt beteiligt ist, welche Themen besprochen werden sollen und welche Rahmenbedingungen notwendig sind. Anschließend stellen die Beteiligten ihre jeweilige Sicht auf den Konflikt dar. Dabei kann deutlich werden, dass hinter einer scheinbar einzelnen Streitfrage mehrere Themen stehen.
Diese Themen werden geordnet und die Interessen und Erwartungen der Geschäftspartner genauer betrachtet. Darauf aufbauend können unterschiedliche Möglichkeiten für die weitere Zusammenarbeit oder – wenn dies gewünscht ist – für eine Trennung entwickelt und geprüft werden. Wie eine Mediation grundsätzlich aufgebaut ist, erläutere ich ausführlicher unter Ablauf einer Mediation.
Wann kann Mediation zwischen Geschäftspartnern sinnvoll sein?
Mediation kann in Betracht kommen, wenn Geschäftspartner wichtige Fragen nicht mehr allein miteinander klären können, aber bereit sind, gemeinsam an dem Konflikt zu arbeiten. Das kann zu einem frühen Zeitpunkt der Fall sein, wenn sich erste Schwierigkeiten bei Entscheidungen zeigen, ebenso wie bei einem bereits länger bestehenden Konflikt.
Mediation ist jedoch nicht für jede Situation der richtige Weg. Wenn ausschließlich eine verbindliche rechtliche Entscheidung benötigt wird, notwendige unternehmerische Entscheidungen nicht getroffen werden oder ein Beteiligter nicht bereit oder in der Lage ist, eigenverantwortlich zu verhandeln, können andere Verfahren erforderlich sein.
Ob eine Mediation für Ihren konkreten Konflikt geeignet sein kann, hängt von den Beteiligten, den strittigen Fragen und den wirtschaftlichen sowie rechtlichen Rahmenbedingungen ab. Ein erstes Gespräch kann helfen, diese Situation einzuschätzen. Wenn Sie einen Konflikt mit einem Geschäftspartner besprechen möchten, können Sie Kontakt mit mir aufnehmen.
Eine Geschäftspartnerschaft muss nicht um jeden Preis fortgesetzt werden. Entscheidend kann sein, wieder gemeinsam entscheiden zu können – darüber, wie die Zusammenarbeit weitergeht oder wie sie beendet werden soll.
