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Verstehen ist nicht gleich Verständnis

Bei kleinen Alltagskonflikten fragen wir unsere Mitmenschen sehr oft, „ob sie uns denn nicht richtig verstanden haben“. Auf der anderen Seite werden wir häufig um Verständnis für die Situation, Ansicht oder Weltanschauung eines anderen Menschen gebeten. Und eigentlich hoffen wir alle nur auf gegenseitiges Verständnis, Empathie und Einfühlungsvermögen. Zwar haben Verstehen und Verständnis viel gemeinsam, aber das Wissen um die Unterschiede und Abgrenzungen könnten der „Knackpunkt“ sein, ein wenig friedlicher und verständnisvoller miteinander umzugehen.

Nach der Definition handelt es sich beim Verständnis um das Resultat eines Verstehens. In der Schule stellen die Lehrkräfte den Schülern beispielsweise Verständnisfragen, um zu überprüfen, ob alle den vermittelten Lerninhalt verstanden und verinnerlicht haben. Im Alltag verwenden wir Verständnis und Verstehen jedoch oft synonym, obwohl beide Begriffe vom Grundsatz her eine andere Bedeutung haben. Jemanden zu verstehen bedeutet nicht automatisch, auch Verständnis für ein Handeln zu haben. Genauso kann man für einen anderen Verständnis haben, ohne ihn zu verstehen.

 

Verstehen ist Wahrnehmung

Etwas zu verstehen führt zur Wahrnehmung. Mitgeteilte Worte, Körpersprache und Mimik des Gesprächspartners sowie andere Sinneseindrücke führen zum Wissen, wie etwas oder auch jemand „funktioniert“ oder „tickt“. Wir haben etwas verstanden, wenn wir bei Menschen oder Gegenständen die Zusammenhänge aus Ursache und Wirkung erkannt haben. Ein Beispiel: Uns wird die Bedienung einer Maschine erklärt. Nach dem Gespräch wissen wir, wie wir diese Maschine bedienen können. Wir haben die Abläufe also verstanden, was im Übrigen auch für theoretische Sachverhalte wie etwa mathematische Probleme gilt. Haben wir etwas nicht verstanden, fragen wir noch einmal nach. Dies geschieht im Idealfall so lange, bis wir wirklich alles verstanden und gelernt haben.

Verstehen ist also die Basis für das Lernen und die Kommunikation. Haben wir das Gefühl, von anderen Menschen nicht verstanden zu werden, kann es zu Konfliktsituationen kommen. Im schlimmsten Fall kann durch einen solchen Konflikt Abneigung oder sogar Hass entstehen. Deshalb ist es im zwischenmenschlichen Bereich so wichtig, Gedanken und Motive der anderen Menschen nicht nur zu kennen, sondern durch Nachfragen und Zuhören zu überprüfen, ob wir diese auch richtig verstanden haben.

 

Verständnis ist mehr als Verstehen

Verständnis zu haben bedeutet, dass wir im alltäglichen Miteinander emotional nachvollziehen können, warum ein anderer in einer bestimmten Situation auf seine besondere Weise reagiert und handelt. Wenn ein Freund beispielsweise eine neue Partnerin oder einen neuen Partner hat, haben wir Verständnis dafür, dass der Freund gerne mehr Zeit in seine frische Beziehung investieren möchte, statt am Wochenende auf Partys zu gehen.

Beim Verständnis geht es demnach um mehr als nur um das reine Verstehen von Ursache und Wirkung. Erst dann, wenn wir uns in die Ansichten und Gefühle von anderen Menschen versetzen können, gelangen wir zu einem Verständnis.

 

Verständnis ohne Verstehen

Wir können jedoch auch Verständnis für ein Handeln eines anderen Menschen entwickeln, ohne die Ansichten und Gedanken desjenigen detailliert zu verstehen. Es ist sogar sehr wichtig für die eigene Entwicklung, Verständnis für andere Menschen aufbringen zu können. Für positive zwischenmenschliche Kontakte ist Verständnis für andere notwendig. Wer die Hintergründe einer Situation erfragt und herausfindet, welche Emotionen für den jeweiligen Menschen damit verbunden sind, der ist auch in der Lage, Verständnis zu entwickeln. Dafür muss eine Bereitschaft bestehen, auch Dinge, Ansichten, Meinungen und Gefühle zu akzeptieren und hinzunehmen, die man selbst nicht versteht.

 

Verständnis ist nicht gleich einverstanden sein

Für etwas oder jemanden Verständnis zu haben bedeutet nicht zwingend, immer einer Meinung zu sein. Die eigene Meinung ist nicht wichtig für Verstehen und Verständnis. Ganz im Gegenteil kann die eigene Meinung den Lernprozess sogar stören. Verständnis für das Verhalten eines anderen zu entwickeln setzt voraus, eine andere Perspektive zu betrachten und sich dafür von der eigenen Meinung (und Denkweise) zu lösen. Dadurch wird ermöglicht, auch auf emotionaler Ebene die Denkweise und das Handeln eines anderen nachvollziehen zu können – auch wenn man es selbst nicht in Ordnung findet, moralische Bedenken hat oder schlicht anders handeln würde. Verständnis sollte also nicht mit Einverständnis verwechselt werden.

 

 Verstehen vs. Verständnis

 

Besser verstehen und Verständnis füreinander entwickeln

Wenn wir über eine Aussage oder ein Handeln eines anderen Menschen irritiert oder vielleicht auch etwas verärgert sind, sollten wir uns auf das Gelernte berufen. Manchmal fehlt es uns an Akzeptanz, dass unser Gegenüber vielleicht bereits ganz andere Erfahrungen gemacht hat und einem eigenen Wertesystem folgt, das sich vom eigenen unterscheidet.

Menschen sind Individuen mit den unterschiedlichsten Charaktereigenschaften, die alle in irgendeiner Weise von Erfahrungen geprägt sind. Für jeden sind also andere Aspekte wichtig. Worauf man selbst gesteigerten Wert legt ist für den anderen vielleicht völlig belanglos. Wir wünschen uns alle, verstanden zu werden. Man muss kein gegenseitiges Verständnis für Meinungen oder Verhalten entwickeln. Aber man muss erkennen, was den anderen bewegt und beschäftigt.

Deshalb bin ich auch der Meinung, dass wir uns ruhig etwas mehr Mühe geben könnten, unser Gegenüber zu verstehen. Auf der anderen Seite können wir uns auch mehr Mühe geben, dass unser Gegenüber uns richtig versteht. In der Kommunikation mit anderen lässt sich ein Gespür dafür entwickeln, wie wir uns verständlich mitteilen. Manchmal muss man dann eben noch einmal erläutern und erklären; aber das ist es allemal wert. Unverständliche Kommunikationen führen nämlich früher oder später zum Konflikt – und davon haben wir in der Welt wohl mehr als genug!

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