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Bleibt alles anders?

Liebe Leserinnen und Leser!

In dieser seltsam aufwühlenden und zermürbenden Pandemie-Zeit haben wir alle viel Zeit zum Nachdenken. Seit mehr als einem Jahr haben wir das Gefühl, dass alles irgendwie „anders“ ist und viele wünschen sich ihr altes Leben zurück. Menschen sind von Natur aus so gestrickt, dass sie Veränderungen zunächst einmal vorsichtig betrachten und sich vielleicht sogar ein wenig davor fürchten. Haben wir uns mit der Veränderung etwas mehr beschäftigt, siegt jedoch die Neugier und wir wagen den Schritt in die Ungewissheit.

Fraglich ist dennoch, ob wir alle unser altes Leben zurückbekommen und vor allem: ob wir das auch wirklich wollen. Denn in vielen Bereichen unseres Lebens; insbesondere der Arbeit, wird immer mehr Flexibilität gefordert. Stetige Veränderungen in der Arbeitswelt fordern uns heraus und führen dazu, dass wir uns persönlich weiterentwickeln.

 

Klingt doch gar nicht so übel, oder?

Der deutsche Musiker Herbert Grönemeyer, der mit seinen Songtexten schon immer ein feines Gespür für den Nerv der Zeit bewiesen hat, fragte bereits bei Veröffentlichung seines zehnten Albums im Jahr 1998 „Bleibt alles anders“. Grönemeyer beschreibt zutreffend das menschliche Paradoxon, dass Veränderungen einerseits herbeigesehnt und andererseits befürchtet werden. Zumindest was die Berufstätigkeit betrifft, wird uns gar nichts anderes übrig bleiben.

Arbeit 4.0 erwartet uns

Arbeitsbedingungen und Arbeitsformen werden in Zukunft ganz anders aussehen. Geprägt durch Digitalisierung arbeiten Menschen immer unabhängiger von Zeit und Ort. Dank der globalen Vernetzung und Automatisierung fallen einige Berufe ganz weg und neue Betätigungsfelder kommen hinzu. Dass dies - zumindest in einigen Teilbereichen – schon ganz gut funktionieren kann, zeigen während der Pandemie unzählige Mitarbeiter im Homeoffice oder Schüler, die im Distanzunterricht per Video lernen.

 

Alles eine Frage der Perspektive

An dieser Stelle könnte man sich die menschliche Entwicklungsgeschichte zu Gemüte führen und mit Erstaunen feststellen, wie wandlungsfähig unsere Spezies doch eigentlich ist. Die Fähigkeit zur Weiterentwicklung wurde uns also schon in die Wiege gelegt. Um zu verstehen, warum so viele Menschen trotzdem Angst vor Veränderungen haben, muss man etwas tiefer blicken:

Angst vor NeuemAngst vor Veränderungen hat einen Namen: Methatesiophobie oder auch Neophobie (Furcht vor Neuem). Wir fühlen uns in unserem routinierten Alltag mit all den lieb gewonnenen Gewohnheiten wohl. Die Herausforderungen unserer Arbeit meistern wir, unseren Partner kennen wir bis ins kleinste Detail und zu Hause ist alles wie immer. Wir haben uns selbst etwas aufgebaut und geschaffen, worin wir es uns gemütlich machen. Und plötzlich sollen wir unsere Komfortzone verlassen, was wir mit Argwohn und Zweifeln ängstlich beäugen.

Wir befürchten bei jeder Veränderung, dass wir nicht genau wissen, was uns erwartet und worauf wir uns einlassen. Für die Veränderung müssen wir ein Stück weit unsere Sicherheit aufgeben. Irgendwo zwischen Grundschule und Arbeitsvertrag haben wir etwas von unserer wagemutigen bis draufgängerischen Neugier verloren.

Und dann kommt so eine Virus-Pandemie oder Arbeit 4.0 als Auswirkung der industriellen Revolution und wirft alles durcheinander?

Gründe für unsere Befürchtungen sind sehr häufig Erfahrungen, die wir bereits gemacht haben. In jedem Leben gibt es Höhen, Tiefen und Wendepunkte, die wir schon alle durchlebt haben. Hat jemand mit einer Veränderung schon schlechte Erfahrungen gemacht, speichert unser Gehirn sie als solche ab. Veränderungen können jedoch auch an unserem Selbstbewusstsein kratzen. Wer beispielsweise jahrelang in seinem Job wunderbar klar gekommen ist, könnte sich bei einem neuen Jobprofil wieder wie ein Lehrling fühlen. Letztendlich ist es auch der Kontrollverlust, den wir bei Veränderungen scheuen. Wir haben schlicht nicht unter Kontrolle, was gerade mit uns geschieht.

Unterschieden werden muss dabei sicherlich, ob es sich um eine freiwillige oder unfreiwillige Veränderung handelt. Suchen wir uns beispielsweise einen neuen Job, weil uns die alte Arbeit nicht mehr erfüllt, gehen wir diese Veränderung positiv und mit viel Motivation an. Wir bewerben uns, bereiten uns auf den neuen Job vor und kündigen die alte Arbeit. Das ist zunächst aufregend, aber nach ein paar Wochen tritt bereits eine Gewöhnung ein. Handelt es sich jedoch um unfreiwillige Veränderungen wie etwa eine Trennung vom Partner, blicken wir ängstlich in die Zukunft. Ein weiteres Beispiel par excellence für unfreiwillige Veränderungen ist das Coronavirus: Keiner hat drum gebeten, alle müssen sich damit auseinandersetzen und jeder hofft, dass es möglichst schnell vorbei ist!

Bei unfreiwilligen Veränderungen helfen keine Maßnahmen wie Ignoranz, Verweigerung oder gar Widerstand. Das Problem selbst geht davon einfach nicht weg. Hier kann nur ein Perspektivwechsel weiterhelfen, der Akzeptanz voraussetzt. Kann die Veränderung erst einmal akzeptiert werden, steht auch dem Erkunden von Möglichkeiten nichts mehr im Weg. Schließlich steckt in jeder Krise zugleich auch eine Chance.

 

Wir sind lernfähig – alle!

Wer sich vor Veränderungen fürchtet, dem kann es helfen, die Herausforderungen Schritt für Schritt zu meistern. Hilfreich ist es, die Dinge möglichst früh anzugehen. Probleme werden mit der Zeit nicht kleiner, sonder eher gravierender. Leider regeln sich viele Dinge nicht von allein. Wer zum Beispiel jetzt schon weiß, dass der Arbeitgeber in einem halben Jahr eine Digitalisierungsmaßnahme einführt, der kann sich jetzt schon informieren, üben und vorbereiten.

Sinnvoll ist es, Veränderungen zunächst einmal positiv zu betrachten. Sie fordern uns und helfen uns beim Wachsen. Verbesserungen sind stetige und andauernde Prozesse; keine einmaligen Ereignisse. Wer proaktiv handelt, hat anderen etwas voraus. Ein erfolgreiches Unternehmen wartet auch nicht darauf, dass die Corona-Krise endlich vorbei ist, sondern bietet beispielsweise vermehrt online seine Dienstleistungen und Produkte an. Gerade die Pandemie hat viele neue Geschäftsmodelle hervorgebracht, um die Krise aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt überleben zu können. Veränderung kann demnach auch Verbesserung bedeuten.

 

Mediativer Ansatz bei Angst vor Veränderung

Bei Mediationsverfahren treffe ich immer wieder auf Menschen, die sich vor Veränderungen fürchten. Diesen empfehle ich, die Furcht nicht zu ignorieren, klein zu reden oder aus falschem Stolz so zu tun, als wäre sie nicht vorhanden. Um Ängste zu überwinden, muss man sich diesen stellen. Hier sind wir wieder beim Thema Akzeptanz.

Hat sich ein Mensch seine Angst selbst eingestanden, kann er besser darüber sprechen. Es können die Befürchtungen erörtert werden, die mit anstehenden Veränderungen einhergehen. Schon hier bietet sich viel Potenzial für das Finden von Perspektiven, was das Angstgefühl ein wenig nimmt. Bewältigt werden kann Furcht insbesondere dann, wenn das Worst-Case-Szenario bewusst vor Augen geführt wird. Was geschieht im schlimmsten Fall, wenn im neuen Job wirklich alles schief läuft? Werden diese Gedanken detailliert durchgespielt, nimmt dies der Angst den Schrecken, da gleichzeitig auch Plan-B, Plan-C ... in erreichbare Nähe rücken.

Bei Furcht vor Veränderungen sollte nie von Anfang an ein Scheitern vorausgesetzt werden. Wer denkt, dass er eine Veränderung nicht stemmen kann, verstärkt seine Ängste nur. Hier muss am Selbstbewusstsein gearbeitet werden, um positiv in die Zukunft zu blicken. Wer an sich selbst und seine Fähigkeiten glaubt, der kann sich auf seine Stärken besinnen. Optimismus kann hier definitiv helfen.

 

Georg Christoph Lichtenberg sagte ganz passend dazu:

Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“

Also packen wir es an!

 

Bleiben Sie gesund und zuversichtlich!

Ihr Frank Hartung

Familienmediation in Pandemie-Zeiten

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