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Ist Moral eigentlich überall gleich?

Liebe Leserinnen und Leser!

Noch immer grassiert die Corona-Pandemie. Wir alle halten uns fast durchgehend in den eigenen vier Wänden auf. Das öffentliche Leben ist stark eingeschränkt und vielen von uns „qualmt“ schon der Kopf vom vielen Nachdenken. Gefühlt schwankt man tagtäglich zwischen absoluter Fassungslosigkeit über die auf der ganzen Welt herrschenden Situation und Demut, dass es uns im Verhältnis zu anderen Menschen doch noch gut geht. Emotional werden wir im Moment nahezu durchgeschüttelt.

WertmaßstäbeNatürlich schleichen sich dabei auch moralische Gedanken ein. Wir fragen uns oft, ob unser Verhalten richtig, gut, gerecht und fair ist, oder?

  • Ist es richtig, dass ich das Kind aktuell viel Fernsehen lasse?
  • War es gut, dass ich wegen dem Virus die Einladung abgesagt habe?
  • Fühlen sich andere von mir fair und gerecht behandelt, oder habe ich vielleicht doch etwas falsch gemacht?

Letztendlich darf ich Sie beruhigen:
In der Regel haben Menschen ein gutes Gespür dafür, ob das eigene Verhalten mit den geltenden Moralvorstellungen in Einklang ist.

Andere Länder, andere Sitten?

Interessant ist, dass sich das Moralempfinden überall auf unserem Planeten ähnelt. Forscher der Universität Oxford haben eine Studie durchgeführt und ausgewertet, bei der die Moralvorstellungen von rund 60 Ethnien verglichen wurden. Dabei wurden u.a. Mitglieder schottischer Clans, afrikanischer Massai, philippinischer Ifugao und nordamerikanischer Hopi befragt. Wem gilt eine besondere Fürsorge? Wem wird wann geholfen? Wer erhält eine Belohnung und wer eine Bestrafung? Nach welchem Schema werden begehrte Waren und Güter verteilt?

Die Wissenschaftler sind zu dem Ergebnis gelangt, dass sich fast alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft in ihren moralischen Grundsätzen ähneln. Ein schöner Gedanke, oder? In allen Regionen der Welt heißen Menschen Handlungen gut, die einer gegenseitigen Unterstützung dienen.

Überall gleich – family first!

Auf der ganzen Welt gibt es Menschen, die altruistische Fürsorge leisten und anderen helfen, ohne selbst daraus einen Vorteil zu ziehen. Dies gilt insbesondere dann, wenn es sich um Mitglieder der Familie handelt. Wir springen als Babysitter ein und übernehmen die Versorgung der älteren Verwandten, was für viele eine Selbstverständlichkeit darstellt. Der Familiensinn ist der am meisten verbreitete moralische Grundsatz, der sogar im Tierreich praktiziert wird.

Die Biologie erklärt dieses Phänomen der Tierwelt übrigens völlig emotionslos so, dass die innerfamiliäre Hilfe dazu dient, den Fortbestand der eigenen Gene zu sichern. Bei uns Menschen spielen dann doch noch ein paar Gefühle und unser ausgeprägtes Sozialverhalten eine Rolle. Wir lieben unsere Familienmitglieder, sind ihnen dankbar und möchten, dass sie gesund und glücklich sind. Ist einer unserer Lieben von uns gegangen, tragen wir als geistiges Erbe durch unsere Erinnerungen und Erzählungen dazu bei, dass er nicht in Vergessenheit gerät.

Gruppendynamik sorgt für Zusammenhalt

Aber nicht nur innerhalb der Familie haben Menschen auf der ganzen Welt die gleichen Vorstellungen von Moral. Wir schließen uns alle gerne Gruppen an und verbinden uns gemeinsam mit Kollegen, Nachbarn, Bekannten und Freunden. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl wird durch Traditionen und Rituale bestärkt. Im Sport tragen wir gleiche T-Shirts, zu Feierlichkeiten wird Kuchen gebacken und auf der Weihnachtsfeier in der Firma werden Wichtelgeschenke verteilt.

Derartige Brauchtümer werden überall auf der Welt gehegt und gepflegt. Die Menschen aus der jeweiligen Gruppe werden bevorzugt behandelt und im Falle von Konflikten wird erwartet, dass wir für sie Partei ergreifen und Unterstützung leisten.

Wie du mir, so ich dir

Natürlich finden wir auf vielen Fleckchen der Welt auch Menschen, die sich auf Kosten anderer durchschnorren und die Sache mit der Moral nicht so eng sehen. Der Großteil der Menschen aber lebt aber nach dem moralischen Grundsatz, Geben und Nehmen in einen harmonischen Einklang zu bringen.

Wir wechseln uns ab und gleichen unser gedankliches Punktekonto vor dem Hintergrund der Fairness und Gerechtigkeit immer wieder aus. Wir vertrauen unserem Gegenüber, halten uns an Absprachen, begleichen unsere Schulden und sind dankbar, wenn jemand etwas für uns getan hat. Darüber hinaus versuchen wir, Fehler zu verzeihen und sprechen eine ehrliche Entschuldigung aus, wenn wir uns danebenbenommen oder falsch verhalten haben. Inwiefern und ob wir uns falsch verhalten haben, ist dann meist wieder eine Frage der Moral.

Lasst uns alle mutig sein!

Was Mut mit Moral zu tun hat, ergibt sich nicht auf den ersten Blick. Doch überall auf der Welt braucht es Menschen, die vorangehen und die anderen führen. Wir lassen uns gerne von Menschen inspirieren und begeistern, die Neues wagen. Von ihrer Motivation lassen wir uns mitreißen; um im Corona-Zeitalter nicht von Ansteckung sprechen zu müssen.

Diese mutigen Menschen, die für andere Risiken eingehen und die dafür notwendige Willensstärke und Durchsetzungskraft mitbringen, gelten überall auf der Welt als bewundernswert. In einigen Völkern werden sie sogar als Helden verehrt. Nicht umsonst heißt es auch in vielen Märchen und Geschichten am Ende „... und die Moral von der Geschicht'...“. Vorreiter und Helden nehmen eine moralische Vorbildfunktion ein, die unsere Entwicklung prägt.

Wir sind alle Herden- und Regeltiere

Auch wenn sie manchmal nervig sind – das Leben braucht Regeln und ein Großteil der Bevölkerung hält sich auch daran! Damit in Beruf, Privatleben und Alltag potenzielle Konflikte nicht in Tumulten ausarten und das Recht des Stärkeren Gültigkeit hat, müssen wir uns von Vorschriften und Regeln führen lassen.

Als Kinder müssen wir auf die Eltern hören und später ist es dann vielleicht der Vorgesetzte, der uns die zu bewältigenden Aufgaben überreicht. Aus moralischer Sicht zollen wir Älteren unseren Respekt und bewahren nahezu immer die Etikette.

Hier ist es wichtig, den schmalen Grat zur absoluten Gehorsamkeit nicht zu überschreiten. Wir dürfen uns einem vernünftigen Regelwerk beugen und sollten friedfertig und loyal mit anderen Menschen umgehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir alles ohne zu hinterfragen einfach hinnehmen müssen. Hier entscheidet letztendlich das „wie“, denn konstruktive Kritik hat noch niemandem geschadet. Ganz im Gegenteil können Diskussionen ganz wunderbar dazu genutzt werden, neue Wege zu ebnen und andere Sichtweisen zu betrachten.

Eins für dich – eins für mich

Schon im Kindergarten haben wir unsere Süßigkeiten gerecht mit unseren Freunden geteilt. Und schließlich fallen Bonbons und Schokolade auch unter die begehrten Güter, die im Erwachsenenalter leider häufig zu Konflikten führen.

Fairness gehört zu den Moralvorstellungen, die überall auf der Welt schon in jungen Jahren vermittelt werden. Wir haben gelernt, dass Teilen mehr Sinn macht als Kämpfen. Wir versuchen, uns fair zu verhalten. Knackpunkt dabei ist jedoch der individuelle Gerechtigkeitssinn, der viel Platz für Interpretation zulässt. Gerechtigkeit ist immer eine Ansichtssache und sollte nie nur nach Sympathie entschieden werden. Wenn wir jedoch immer Verhandlungsbereitschaft zeigen und bereit sind, Kompromisse einzugehen, kommen wir den weltweit verbreiteten moralischen Grundsätzen schon sehr nahe.

Um Konflikten um begehrte Güter schon im Vorhinein aus dem Weg zu gehen, müssen Privatsphäre, Privateigentum und natürlich die schon im Grundgesetz verankerte Würde des Menschen immer anerkannt und unangetastet bleiben. Was nicht mir gehört, darf ich nicht verteilen, stehlen, verletzen oder ungefragt benutzen. Wer jedoch nett fragt, kann im schlimmsten Fall auch nur einen freundlichen Korb bekommen.

In diesem Sinne: Bleiben Sie moralisch – und natürlich gesund!

Ihr

Frank Hartung

Umgang mit Kindeswohlgefährdungen in der Mediation
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