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Umgang mit Aggressionen

Liebe Leserinnen und Leser!

In Mediationsverfahren geht es um die Be- und Verarbeitung von Konflikten. Und wenn zwei sich streiten, dann kann es mitunter „hoch hergehen“. Die Rede ist von Aggressionen, die durchaus zu Eskalationen führen können. Als Mediator muss ich mich also intensiv mit dem Thema Aggressionen auseinandersetzen.

AgressionenDabei sind Aggressionen zunächst einmal lediglich Ausdruck von starken - manchmal auch unterdrückten - Energien.

Brechen Aggressionen aus einem Menschen hinaus, gleicht dies einem Schrei nach Veränderung. Der Mensch kommt mit einer bestimmten Situation nicht mehr klar und zeigt durch Aggressionen, dass es so einfach nicht mehr geht. Allerdings zeigt der Mensch dies nur durch sein aggressives Verhalten, aber sagt häufig nicht wirklich, worum es genau geht. Die eigentliche Äußerung erfolgt durch hitzige Vorwürfe, heftige Angriffe oder aber eiskalte Abweisung. Auf der anderen Seite lösen diese Aggressionen Angst, Hilflosigkeit oder auch Wut aus. Nahezu jeder Mensch fühlt sich von Aggressionen bedroht, da diese bei Eskalation in der Regel mit psychischen und manchmal auch physischen Verletzungen und Ohnmacht verbunden sind.

 

Aggressionen und Moral

Bei aggressivem Verhalten wird häufig gesagt, dass die „Gefühle mit jemandem durchgehen“. Es ist richtig, dass Aggressionen durch emotionales Verhalten geäußert wird. Allerdings wird dies häufig vom Umfeld abhängig gemacht. Im Berufsalltag scheuen wir uns, Gefühle zu zeigen und zu äußern. Ärger und Wut unterliegen in diesem Kontext einer moralischen Wertung. Wer im Beruf den Kopf verliert und Aggressionen zeigt, hat sich „nicht mehr unter Kontrolle“.

In der Mediation werden Aggressionen zunächst völlig wertfrei betrachtet. Sie sind weder böse, noch gut und müssen auch nicht unbedingt vollumfänglich ausgelebt werden. Im Mediationsverfahren werden Aggressionen als solche wahrgenommen, finden Beachtung und werden als Mangel von Bedürfnissen betrachtet. In der Regel hat sich dieser Zustand nämlich schon über einen längeren Zeitraum auf- oder angestaut, sodass die Konfliktbearbeitung den sprichwörtlichen Tropfen darstellt, der das Fass zum Überlaufen bringt.

 

Hinter den Kulissen der Aggressionen

Um richtig mit Aggressionen umgehen zu können, muss man zu deren Wurzeln vordringen. Oft stecken hinter Aggressionen alte Wunden. Wurde beispielsweise ein Mensch bereits als Kind häufig von einem Angehörigen enttäuscht, verfestigen sich seelische Schmerzen und Verunsicherung. Findet später eine ähnlich gelagerte Enttäuschung im Berufsalltag statt, können sich Arbeitskollegen das aggressive Verhalten oftmals nicht erklären. Das Verhalten wird als unangemessen eingeschätzt, nicht verstanden und abgelehnt. Die nicht verstandene Wut gründet aber auf alten Wunden und Narben, die durch Berührung aufreißen und den „Notstand“ ausrufen. Aus Eigenschutz wird dann der Angriff als Maßnahme zur Verteidigung gewählt. Menschen, die aus alten Wunden und Narben heraus aggressiv agieren, merken dann nicht, wie verletzend und verwirrend ihr Verhalten eigentlich sein kann.

Aggressives Verhalten kann jedoch auch ganz subtil geäußert werden. Aggressive Menschen, die Konfrontationen fürchten, weichen diesen aus. Sie reagieren nicht auf Kontaktversuche, erscheinen einfach nicht zu Terminen oder nutzen bestrafendes Schweigen und Ignoranz als passiv-aggressive Ausdrucksweise. In diesen Fällen wird Aggression also nicht aktiv ausgedrückt, kann aber dennoch zu Irritationen, Traurigkeit, Ärger und Unsicherheit bei Mitmenschen führen.

 

Aggressionen in der Mediation

Umgang mit AgressionenAggressionen sind für Mediatoren eine Art Alarmglocke. Damit richtig darauf reagiert werden kann, dürfen aggressive Medianden nicht für ihre emotionale Haltung verurteilt werden. Ein Mediationsverfahren ist ja gerade dazu da, dass stets vernünftig, professionell und kompetent wirkenden Menschen auch mal Gelegenheit und Raum verliehen wird, ihre Energien zu verwenden und Rollen zu verlassen. Im Mediationsverfahren darf sich jeder auch einmal „Luft machen“. Denn wenn sich Medianden wütend und verärgert zeigen, demonstrieren sie damit gleichzeitig auch ihr Bedürfnis nach Sicherheit und Empathie.

In meiner Rolle als Mediator ist es natürlich wichtig, dass ich mir bewusst bin, welche Gründe hinter aggressivem Verhalten stecken könnten. Über Aggressionen als erlerntes Verhalten hinaus gehören angestaute Mängel in Bezug auf Bedürfnisse, Überlastung, Überreizung und Überforderung zu den typischen Gründen für aggressives Verhalten. Aber auch das Aufreißen alter Wunden oder die Fürsorge für einen anderweitig angegriffenen Menschen können zu aggressivem Verhalten führen.

 

In der Ruhe liegt die Kraft

Wenn ich es als Mediator (und auch als Mensch) mit aggressivem Verhalten zu tun bekomme, besinne ich mich auf meine Fähigkeiten. Genauer: ich bleibe ruhig und besonnen! Es kann jedem helfen, im Umgang mit aggressiven Menschen ruhig zu bleiben, sich selbstbewusst zu präsentieren und keine eigenen Emotionen hochkochen zu lassen. Auf Provokationen oder gar Beschimpfungen sollte man nicht eingehen. Auf der anderen Seite sollten ein unsicherer oder ängstlicher Eindruck sowie eine arrogante und herablassende Haltung nebst nicht durchsetzbaren Drohungen vermieden werden, um nicht noch Öl ins Feuer zu gießen. Belehrungen und Widersprüche sind bei einem Ausbruch von Aggressionen fehl am Platz, da sie in dieser Phase ihr Ziel kaum erreichen. Im Gegenteil könnten sie das aggressive Verhalten noch bestärken.

Im Mediationsverfahren versuche ich immer, die Aggressionen auf ein erträgliches Maß zu bringen, damit die dadurch freigesetzte Energie positiv genutzt werden kann. Hierzu gehört es manchmal auch, beruhigend auf einen Menschen einzugehen sowie auf einer sachlichen und neutralen Ebene Grenzen zu setzen. Wird aggressivem Verhalten ruhig und konstant begegnet, ermöglicht es dem Gegenüber, aus der aggressiven Situation zu gehen und sich wieder zu sammeln. Erst dann kann dem aggressiven Gegenüber klar gemacht werden, dass seine Gefühle und Bedürfnisse ernst genommen werden. Nun sollte einer gemeinsamen Lösungsfindung nichts mehr im Weg stehen.

 

Bis zum nächsten Mal und bleiben Sie gesund!

Ihr Frank Hartung

Familienmediation – besser mit oder ohne Kinder?
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