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Warum Querdenker gar nicht quer denken

Liebe Leserinnen und Leser!

In der Corona Pandemie vergeht kaum eine Woche, in der nicht über Querdenker berichtet wird. Gemeint sind damit Menschen, die sich der im Frühjahr 2020 von Michael Ballweg gegründeten „Freiheits-Initiative“ oder „Freiheits-Bewegung“ angeschlossen haben und durch Demonstrationen, Autokorsos und andere Protest-Aktionen auf sich aufmerksam machen. Ihren Ursprung hat die Querdenker-Bewegung in Stuttgart, wobei sich mittlerweile knapp 70 Ableger über Deutschland verteilen.

Durch verschiedene Proteste äußert die Querdenker-Bewegung ihren Unmut über die staatlich verordneten Corona-Maßnahmen. Ihr Manifest formuliert das Ziel der uneingeschränkten Wiederherstellung aller Grundrechte. Weiter weist das Manifest darauf hin, dass die Querdenker überparteilich (nicht unparteilich, sondern direkt mal überparteilich) agieren und keine Meinung ausschließen. Zu den friedlichen Demonstranten, die eigentlich nur auf die Bedeutung der Grundrechte hinweisen wollten, gesellen sich jetzt mitunter Impfgegner, Staatsskeptiker, Esoteriker, Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme. Ob sich manch einer davon die Corona-Krise für eigene Zwecke zunutze machen möchte, sei einmal dahingestellt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Die Querdenker-Bewegung wird wahrscheinlich nicht grundlos seit Wochen vom Verfassungsschutz beobachtet.

Fest steht, dass Querdenker mittlerweile keinen besonders guten Ruf im Großteil der Gesellschaft mehr genießen. Dies, zumal auf Demonstrationen kaum Abstandsregeln eingehalten werden können und einige Beteiligte statt FFP2 Masken lieber Alu-Hüte tragen. Aus Sicht des Infektionsschutzes stellen derartige Verfahrens- und Verhaltensweisen ein gesundheitliches Risiko für uns alle dar. Ja, richtig gelesen – für uns alle! Denn nicht ohne Grund sollen wir ausnahmslos alle unsere Kontakte beschränken, um nicht noch mehr Menschen mit dem Virus anzustecken. Und all dies geschieht unter dem Leitgedanken des „Querdenkens“, was in dieser Form einfach nicht stimmt. Das Querdenken ist nämlich nur eine völlig harmlose, laterale und kreative Denkmethode, die schon seit Ewigkeiten zur Ideenfindung und Konfliktlösung eingesetzt wird.

 

Querdenken als Kreativitätstechnik

Querdenken ist eine andere Bezeichnung für laterales (vom Lateinischen „latus“ für „Seite“) Denken. Diese Denkmethode wird auch bei Mediationsverfahren als Kreativitätstechnik eingesetzt, um Ideen zu finden und Konflikte zu lösen. Aber auch im allgemeinen Sprachgebrauch wird „um die Ecke denken“ genutzt, um kreative Lösungen für ein Problem zu finden.

Eingeführt wurde die Bezeichnung des Querdenkens oder des parallelen Denkens schon im Jahr 1967 vom britischen Wissenschaftler Edward de Bono, dem wir auch die bekannten sechs „Denk-Hüte“ als probates Werkzeug für individuelle Gruppendiskussionen verdanken. Beschrieben wird mit Querdenken nämlich nur die Fähigkeit, systematisch die unterschiedlichen Denkperspektiven und Wahrnehmungen einnehmen zu können.

 

Denken in alle Richtungen

QuerdenkerIm Gegensatz zum auf eingeübten Denkmustern basierenden vertikalen Denken – also dem Schritt für Schritt-Denken – werden Informationen beim Querdenken selektiv verwendet und subjektiv beurteilt. Querdenken erfolgt intuitiv, nicht analytisch. Erlaubt und erwünscht sind Assoziationen und Gedankensprünge. Dabei gibt es kein richtig oder falsch und auch kein Ja oder Nein. Selbst nicht durchführbare Ideen und Lösungen werden als Schritt betrachtet, das Problem besser zu verstehen und der Lösung vielleicht einen Schritt näher zu kommen.

Querdenken setzt sogar noch eins drauf: Es dürfen dabei ruhig konventionelle Denkweisen infrage gestellt werden. Es wird ganz bewusst nach der unwahrscheinlichsten Problemlösung gesucht und sowohl die Ausgangssituation als auch die Rahmenbedingungen bleiben völlig frei. Sie werden nicht als unveränderlich und starr hingenommen. Dies alles bedarf ein wenig Übung.

Laterales oder queres Denken wird bei kreativen Prozessen und deshalb auch gerne in Mediationsverfahren eingesetzt. Dies auch in dem Wissen, das laterales Denken nicht unbedingt zu einer in der Praxis umsetzbaren Lösung für das Problem oder den Konflikt führt. Hier geht es darum, neue Sichtweisen zu eröffnen und die Medianden anzuregen, sich in den jeweils anderen hineinzuversetzen. Durch den Perspektivwechsel lässt es sich leichter über den Tellerrand hinausblicken. Bei betrieblichen Problemen wird Querdenken auch in der Management-Etage genutzt, um innovative und unkonventionelle Lösungswege zu finden. 

 

Laterales, lineares oder vertikales Denken – Hauptsache denken!

Querdenken bedeutet demnach, mal ganz bewusst um die Ecke zu denken. Bisherige Regeln und Prinzipien werden bei dieser Denkweise neu geordnet. Das Denken erfolgt ohne vorgeschriebene Muster, darf unlogisch und anders sein. Durch den Mut zur Experimentierfreudigkeit ohne mentale Schranken wird der Weg zu innovativen Ideen und Lösungen geebnet. Mehr Flexibilität geht nicht. Die Ergebnisse des Querdenkens werden jedoch nicht einfach mir nichts, dir nichts umgesetzt. Sie dienen erst einmal der Inspiration, um Wege zu finden, die auch praxistauglich sind. Denn: Denken heißt nicht automatisch Machen!

Letztendlich ist Querdenken eine wirklich tolle Kreativitätstechnik – nicht mehr und nicht weniger. Wie diese Titulierung zu einer Gruppierung passen soll, die – ohne nach links, rechts, oben, unten und insbesondere zur Seite zu gucken – trotz Corona Pandemie und scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste den Weg zurück zu den Grundrechten beschreiten will, erschließt sich mir nicht. Würden die Querdenker wirklich querdenken, so müssten sie doch kreative Lösungsansätze für das Problem vortragen können, oder?

 

Denken Sie mal darüber nach – gerne auch quer!

Bis zum nächsten Mal! Bleiben Sie gesund und zuversichtlich!

Ihr Frank Hartung

Familienmediation in Pandemie-Zeiten
Vorteile der Wirtschaftsmediation

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