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Familienmediation in Pandemie-Zeiten

Liebe Leserinnen und Leser!

Es steht außer Frage, dass die Coronavirus-Pandemie unser komplettes Leben seit mehr als einem Jahr quasi auf den Kopf stellt. Viele von uns arbeiten im Homeoffice, die Kinder lernen per Video-Konferenz und unser gesellschaftliches Leben beschränkt sich auf einen ganz kleinen Kreis. Dadurch, dass wir alle gefühlt ewig schon „aufeinander hocken“, ist es schwer, sich gegenseitig nicht auf den Nerv zu gehen. Die extremen Veränderungen in Berufs- und Privatleben sowie der Stress lassen uns unsere Partner und Kinder auf eine ganz andere Art und Weise kennenlernen. Nicht immer verläuft das aber harmonisch. Manchmal entdecken wir an unserem Gegenüber etwas, was uns gar nicht in den Kram passt.

Wenn seit Wochen Ehepartner und Kinder rund um die Uhr zu Hause sind, entsteht sehr leicht Frust. Die zusätzliche Belastung durch Heimarbeit und Kinderbetreuung verursacht Stress. Die Angst vor Arbeitslosigkeit und Einkommensverlusten bereitet durchgehend Sorgen. Was wir bislang ignorieren konnten, nagt jetzt förmlich an uns. Mit den Dingen, denen wir dermalen durch arbeitsbedingte Abwesenheit, Hobbys und Sport entkommen konnten, müssen wir uns nun auseinandersetzen. Was dabei auf der Strecke bleibt, ist häufig die Beziehung zum Partner. Denn die Scheidungsrate steigt – und zwar kontinuierlich!

Schon im vergangenen Jahr haben zahlreiche Paare aufgegeben. Sie konnten ihre Konflikte nicht mehr lösen oder bewältigen und warten auf einen Termin beim Scheidungsanwalt. Das ist sehr schade und ich bin der Meinung, dass viele Trennungen und Ehescheidungen vermieden werden könnten, wenn man sich auf das Wichtige besinnt. Und wenn Paare alleine nicht mehr klar kommen, so muss sich heute niemand schämen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Und um Hilfe und Unterstützung kann es eben auch im Mediationsverfahren gehen.

 

Mediation vor oder nach der Trennung?

FamilienmediationBei Mediationsverfahren geht es in erster Linie um die Etablierung einer guten Kommunikation und um eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Konfliktbewältigung. In der Mediation begegnen sich die Medianden mit Respekt, ohne sich gegenseitig die Schuld für etwas zuzuschieben.

Die Besonderheit des Verfahrens ist die Ausrichtung der Verhaltens- und Verfahrensweise für die Zukunft. Zwar werden Sachverhalte aus der Vergangenheit, die ja in der Regel zu einer Trennung führen, aufgearbeitet, aber der Fokus liegt deutlich auf der Frage: „Wie können wir es besser machen?“. Und genau deshalb haben Mediationen schon einige geplante Ehescheidungen abgewendet.

Sind Kinder vorhanden, wird eine Trennung kompliziert. Soll wirklich eine Trennung vollzogen und eine Scheidung eingereicht werden, lässt sich im Mediationsverfahren eine vernünftige Lösung für die Zukunft finden, um den Kindern nicht zu schaden. Denn Kinder, so wissen wir alle, tragen keine Schuld am Zerwürfnis der Eltern. Hier gilt es, mit den besten Absichten zu agieren und Regelungen zu vereinbaren, die allen Ansprüchen gerecht werden. Durch die Mediation kann zu diesem Zweck die Anspannung etwas aus der Situation genommen werden, was die Kommunikation erleichtert.

Vorteilhaft wirkt sich bei Konflikten zwischen Partnern aus, dass Mediatoren unparteiisch sind und auch nicht urteilen, was etwas den Druck nehmen kann. Ganz im Gegenteil fördert das Mediationsverfahren einen Neuanfang und dies völlig unabhängig davon, ob die Partnerschaft bestehen bleibt oder nicht. Denn auch eine Trennung kann einen Neuanfang darstellen.

 

Scheidungsmediation oder direkt Scheidungsverfahren?

Vor deutschen Familiengerichten herrscht Anwaltszwang. Das bedeutet, dass auch bei einer einverständlichen Scheidung ein Rechtsanwalt beauftragt werden muss. Trotzdem bietet die Scheidungsmediation im Vorhinein viele Vorteile, um das Gerichtsverfahren in seinen Abläufen zu vereinfachen – insbesondere in Pandemie-Zeiten. Denn auch Anwälte, Gerichte und Behörden sind an die Vorgaben des Infektionsschutzes gebunden.

Durch die Mediation lassen sich alle Details und Scheidungsfolgen planen und vorbereiten. Die Themen können frei identifiziert und diskutiert werden. All dies geschieht in einem sicheren und vertraulichen Rahmen. Auf Wunsch können auch Fachkompetenzen aus den Bereichen Finanzen, Steuern, Sorgerecht und Erziehung zu Rate gezogen werden, ohne dass ein öffentlicher Gerichtssaal dafür betreten werden muss. Das Brainstorming in der Mediation bietet sich zur Problemlösung in den Bereichen Vermögensausgleich, Unterhalt, Sorgerecht, Aufenthaltsrecht und Haftungsfragen an.  Können im Mediationsverfahren Einigungen erzielt werden, wird das Scheidungsverfahren vor Gericht deutlich unkomplizierter. Dann nämlich kann dem Gericht ein Mediationsvertrag vorgelegt werden, der die Bearbeitung von Folgesachen vorwegnimmt.

Statt sich vor Gericht über die Scheidung und Scheidungsfolgen zu streiten, was mit nicht unerheblichem Kosten- und Zeitaufwand verbunden ist, ebnet die Mediation den Weg zu einem „guten Ende“ und neuen Anfang. Die Kostenfrage ist gerade während und nach der Corona-Pandemie ein wichtiges Kriterium, da viele Menschen auch wirtschaftlich unter der Situation leiden. Darüber hinaus ermöglicht die Scheidungsmediation eine individuelle Zeitplanung, da sich lediglich die Medianden und der Mediator auf Termine und Verhandlungsorte einigen müssen. Zwar finden Verhandlungen in Familiensachen vor Gericht in nicht-öffentlichen Sitzungen statt, aber dennoch ist es vielen Menschen unangenehm, ihre meist emotionalen Eheerfahrungen vor Justizangestellten, Richtern und weiteren „Fremden“ auszubreiten. Durch die Mediation können alle Beteiligtem dem Stress weitestgehend entgehen.

 

Idealfall, oder – ein Wunschgedanke!

Krise in der BeziehungEine Beziehung während der Corona-Pandemie zu führen ist nicht immer einfach. Die Auswirkungen des Virusgeschehens auf das Miteinander sind massiv und können auch nicht immer wegdiskutiert werden. Beim Schreiben dieser Zeilen kommt mir dennoch immer wieder - wie in einer Laufschrift - das traditionelle Gelübde „in guten wie in schlechten Zeiten“ in den Sinn. Schließlich ist dies ein Versprechen, das sich viele Paare irgendwann einmal gegeben haben. Vielleicht sollten wir uns ab und an einfach mal wieder daran erinnern. Vielleicht hilft das beim Zusammenraufen, beim gemeinsamen Durchstehen, bei Kompromissen oder auch beim Durchatmen, bevor etwas gesagt wird, was man hinterher bereut.

Und wenn es kriselt oder rappelt – in derart außergewöhnlichen Situationen darf man um Hilfe bitten.

Ob Eheberatung, Paartherapie oder aber Mediation – der Weg ist das Ziel! Und wenn ich als Mediator auch nur einem Paar dabei helfen kann, eine Trennung zu verhindern und eine Beziehung zu erhalten, dann macht mich das unglaublich froh. Gleiches gilt aber auch dann, wenn ich mit einer Mediation dazu beitragen kann, dass ein unkompliziert und ruhig ablaufendes Scheidungsverfahren ohne fiesen Rosenkrieg die Folge ist. Hinter beiden Konstellationen verbirgt sich nämlich das Potenzial für einen Neuanfang – und der lässt doch positiv in die Zukunft blicken, oder?

Also, halten Sie zusammen und bleiben Sie gesund!

 

Bis zum nächsten Mal.

Ihr, Frank Hartung

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