In einer Mediation sagt ein Beteiligter etwas, und der Mediator denkt unwillkürlich: Das kann ich verstehen. Wenig später schildert die andere Seite ihre Sicht – und plötzlich erscheint dieselbe Situation in einem anderen Licht. Vielleicht irritiert eine Aussage, vielleicht wirkt eine Erklärung besonders nachvollziehbar, vielleicht entsteht sogar Sympathie oder Ablehnung. Auch ein Mediator nimmt wahr, empfindet und bewertet.
Professionelle Haltung kann deshalb kaum bedeuten, während einer Mediation keine eigenen Gedanken oder Reaktionen zu haben. Entscheidend ist vielmehr, sie wahrzunehmen und damit so umzugehen, dass sie nicht unbemerkt zum Maßstab für die Beteiligten werden. Die Haltung des Mediators zeigt sich damit nicht nur darin, wie er nach außen auftritt. Sie zeigt sich auch darin, wie er mit dem umgeht, was während einer Mediation in ihm selbst geschieht.