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Wann ist eine Mediation sinnvoll

Oft erscheinen uns Konflikte als „nicht lösbar“. Sie arten sowohl beruflich als auch privat in Streitigkeiten aus, bei dem niemand mehr einlenken und einen Kompromiss eingehen will. In vielen solcher Fälle kann eine Mediation helfen, eine Lösung zu finden. Um nachvollziehen zu können, wann eine Mediation als sinnvoll erscheint, muss zunächst das Prinzip der Mediation verstanden werden:

Wann ist eine Mediation sinnvoll?

Das Verfahren der Mediation kann als effektive Unterstützung auf dem Weg zu einer Konfliktlösung betrachtet werden. Der Unterschied zum typischen Streitgespräch zwischen zwei Parteien ist die Einschaltung eines Dritten bei der Mediation - nämlich des Mediators. Der Mediator zeichnet sich durch seine Unabhängigkeit und Allparteilichkeit aus. Mediatoren sind keine Schiedsrichter, die der einen oder anderen Partei Recht geben, sondern versuchen zu vermitteln und leiten die Parteien – die in der Mediation übrigens Medianden genannt werden – dabei an, am Konflikt zu arbeiten und so selbst eine Konfliktlösung zu finden, mit der alle Seiten zufrieden sind. Der Mediator ist also eher ein Verfahrensleiter, der mit Unterstützung erlernter Kommunikationstechniken den Medianden den Weg zum Zuhören, Hinterfragen, Betrachten, Umdenken, Einlenken und nicht zuletzt zur gemeinsamen Lösungsfindung weist.

Nur selten unterbreiten Mediatoren selbst einen Vorschlag, wie der Konflikt gelöst werden kann. Im Gegenteil gibt er den Medianden eher den sprichwörtlichen „Schubs“ in die richtige Richtung. Allerdings kommt es hierbei auch auf die individuelle Mediationsart an, was beispielsweise auch das Führen von Einzelgesprächen mit den Medianden vor der eigentlichen Mediation betrifft. Als Grundsatz der Mediation gilt jedoch, dass die beteiligten Medianden selbst für den Inhalt der Mediationsverhandlungen und der Konfliktlösung verantwortlich sind, wobei der Mediator „nur“ begleitend und unterstützend eingreift.


Der Mediator verleiht den Mediationsgesprächen eine Struktur und hinterfragt die Interessen und Bedürfnisse der Medianden, um den Kern des Konflikts zu erarbeiten. Dabei ist eine Mediation immer vertraulich. Nach § 4 Mediationsgesetz gilt dies für den Mediator und auch die Medianden, damit den Mediationsteilnehmern in einem potenziell doch noch folgenden Prozess keinerlei Nachteile entstehen können. Die mit einer Mediation verbundene Verschwiegenheit und Diskretion wird im Übrigen als großer Vorteil dieses Konfliktlösungsverfahrens betrachtet. Im Gegensatz zu zahlreichen Gerichtsverhandlungen bleibt der Inhalt der Mediation der Öffentlichkeit verborgen.

Ziele einer Mediation

Sinn und Zweck einer Mediation ist eine außergerichtliche Konfliktlösung, die auf Basis eines gemeinsamen Austausches sowie der Beleuchtung von Hintergründen erarbeitet wird. Durch die Mediation sollen die bisher zerstrittenen Medianden dazu bewegt werden, wieder miteinander zu sprechen, damit eine für beide Parteien zufriedenstellende Konfliktlösung in erreichbare Nähe rückt. Am Ende der Mediation und der damit verbundenen Lösung des Konflikts treffen die Medianden eine verbindliche und für die Zukunft gültige Vereinbarung. In der Mediation geht es im Gegensatz zum Gerichtsprozess nicht um die Ermittlung des „Schuldigen“, sondern um eine positive Konfliktlösung.

Ziele einer MediationDurch die Mediationsgespräche kristallisieren sich nach und nach die Hintergründe des Konflikts heraus, was für eine Lösung meist unumgänglich ist. Durch die zielgerichtete Kommunikation entwickeln die Medianden ein besseres Verständnis füreinander und können sich in die Lage des anderen hineinversetzen. Es gilt, das Verhältnis zwischen den Medianden auch für die Zukunft nachhaltig zu verbessern.

Eine Mediation grenzt sich sowohl von Schiedsverfahren und Gerichtsprozessen als auch von psychotherapeutischen Gesprächen ab. Hauptziel einer Mediation ist in erster Linie immer die für die Zukunft ausgerichtete Konfliktlösung. In den meisten Mediationen spielt daher die Vergangenheit eine nur untergeordnete Rolle.

Im Fokus – der Mediator

Der professionelle Mediator ist allparteilich. Im Gegensatz zu „neutral“ bedeutet allparteilich, dass er unter bestimmten Voraussetzungen Partei ergreifen darf. Ein guter Mediator urteilt jedoch nie über die Interessen und Bedürfnisse der Medianden, sondern schreitet nur dann ein, wenn eine Partei in ihrem Selbstbewusstsein, ihrem Mut oder ihrem Machtgefälle der anderen unterlegen ist. In diesem Fall stellt der Mediator das harmonische Gleichgewicht zwischen den Medianden wieder her und unterbindet Ausuferungen.

Mediatoren sind von Natur aus neugierig, offen und verfügen über die Fähigkeit der Wertschätzung.  Im Rahmen der Mediationsausbildung sind sie in den unterschiedlichsten Kommunikationstechniken ausgebildet, agieren flexibel und reagieren tolerant.

Grundvoraussetzungen für ein Mediationsverfahren

Damit eine Mediation Erfolg verspricht, sollten folgende Voraussetzungen erfüllt werden können:

  • Die Parteien nehmen freiwillig an der Mediation teil.
  • Die Parteien sind damit einverstanden, dass der Inhalt der Mediation der Verschwiegenheit unterliegt.
  • Die Parteien sind verhandlungsbereit.
  • Die Parteien sind sich darüber bewusst und auch gewillt, eigenverantwortlich und gemeinsam eine Konfliktlösung herbeizuführen.
  • Die Parteien akzeptieren den Mediator in der Funktion als allparteilicher, strukturierender und anleitender Dritter.

Darüber hinaus sollte eine selbstverständliche Grundhaltung vorhanden sein, die den Respekt vor anderen, ein gewisses Maß an Menschlichkeit und die Einsatzbereitschaft für eigene und auch fremde Interessen, beinhaltet. Können alle Voraussetzungen erfüllt werden, ist eine Mediation als sinnvolles Mittel zur Konfliktlösung zu betrachten.

Mediationsvoraussetzungen erfüllt - so geht es weiter

Fast alle Mediationsarten lassen sich in ihrem Ablauf in fünf Phasen einteilen, die dem Verfahren die notwendige Struktur verleihen:

  1. Klärung des Auftrags: In der Startphase besprechen die Teilnehmer das Vorgehen und schließen eine Mediationsvereinbarung. Der Mediator bespricht mit den Medianden das Mediationsverfahren und informiert sie über seine Funktion und seine Aufgaben.
  2. Sammlung von Themen: In dieser Phase erhalten die Medianden Gelegenheit, ihre Interessen, Bedürfnisse und Anliegen darzulegen, damit der Mediator die für die Mediation zutreffenden Konfliktfelder und Themen sammeln kann.
  3. Analyse von Interessen, Positionen, Sichtweisen und Hintergründen: In der dritten Phase der Mediation „arbeitet“ der Mediator die Probleme ab. Die Medianden erklären ihre Sichtweisen und Wahrnehmungen, tauschen sich aus und gehen auf Bedürfnisse sowie Wünsche ein. Durch die Gespräche wird der Konflikt hinterleuchtet und der erste Schritt in Richtung einer sinnvollen und für alle Parteien gerechten Lösung gemacht.
  4. Kreative Lösungsfindung: In der vierten Mediationsphase wird beim Brainstorming nach verschiedenen Lösungsmöglichkeiten gesucht, die im Anschluss diskutiert und ausgewertet werden. Der Mediator bremst in dieser Phase vorschnelle Konfliktlösungen aus und hinterfragt, welche Lösungsmodelle realistisch sind.
  5. Mediationsabschluss und Vereinbarung: Am Ende der Mediation werden die Mediationsergebnisse inklusive der gefundenen Konfliktlösung sowie das mit den Medianden vereinbarte weitere Vorgehen schriftlich dokumentiert. In manchen Fällen wird die Mediationsvereinbarung später auch notariell beurkundet.

Wann Mediation sinnvoll ist.Ist die Mediation jetzt sinnvoll oder nicht?

Eine Mediation kann bei den unterschiedlichsten privaten oder beruflichen Konflikten zu einer erfolgreichen Konfliktlösung führen. Im privaten Umfeld lassen sich durch eine Mediation oft Auseinandersetzungen zwischen Nachbarn oder in Erbschaftsangelegenheiten beilegen. Die Mediation hilft dabei, zwischenmenschliche Beziehungen wieder zu verbessern und belastende Konflikte zu bereinigen.

Aber auch im Berufsleben spielt die Mediation heute eine große Rolle. Sie wird beispielsweise von zahlreichen Unternehmen eingesetzt, um innerbetriebliche Konflikte wie beispielsweise Mobbing zu lösen. Zusätzlich kann eine Mediation auch zwischen Geschäftspartnern Sinn machen, wenn allen an der Fortführung der geschäftlichen Verbindung gelegen ist.

Sinn macht eine Mediation also, wenn

  • alle eine einvernehmliche Regelung anstreben
  • kein unausgleichbares Machtgefälle zwischen den Parteien besteht
  • auch in Zukunft die private/geschäftliche Beziehung fortbestehen soll
  • alle eigenverantwortlich am Konflikt arbeiten wollen
  • es um die Konfliktlösung, nicht um das „Recht haben“ geht
  • sich der Konflikt vor der Mediation in einer Sackgasse befunden hat
  • ein teuer und lang andauernder Rechtsstreit vermieden werden soll

Nicht sinnvoll erscheint eine Mediation, wenn es einer Partei nur darum geht, Recht zu haben und gewinnen zu wollen. Der Mediator ist kein Richter. Er leitet die Medianden lediglich an, begleitet sie und löst niemals den Konflikt für sie. Das müssen die Medianden schlicht selbst tun. Wenn also der Wille bei allen Beteiligten zu einer außergerichtlichen Konfliktlösung vorhanden ist, ist die Mediation auch ein entsprechender Weg dorthin!

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© 2019 Frank Hartung » Ihr Mediator bei Konflikten in Familie, Erbschaft, Beruf, Wirtschaft, Nachbarschaft und Schule «   🏠 06844 Dessau-Roßlau, Albrechtstraße 116    ☎ 0340 530 952 03