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Verhandlungsatmosphäre in der Mediation - wichtig oder überbewertet?

Liebe Leserinnen und Leser!

Ein Mediationsverfahren unterscheidet sich in vielen Dingen von einem Gerichtsverfahren; u.a. auch in Bezug auf die Atmosphäre. Während bei einer Gerichtsverhandlung strikte Regularien gelten und allein schon der Gerichtssaal ein wenig furchteinflößend wirken kann, geht es bei der einen oder anderen einer Mediation sogar ganz gemütlich zu. Ich finde, die Atmosphäre in der Mediation wird häufig unterschätzt. Dies, zumal sie den Erfolg eines Mediationsverfahrens entscheidend beeinflussen kann.

 

Wohlgefühl fördert Verhandlungsbereitschaft

Verhandlungsatmosphäre in der MediationBei einem strukturieren Verfahren wie der Mediation obliegt es dem Mediator, eine adäquate Verhandlungsatmosphäre zu kreieren. Zunächst mache ich mir in dieser Funktion also Gedanken über den Ort, an dem das Mediationsverfahren stattfinden soll. Wichtig ist, dass der Verhandlungsort für jeden gleich gut erreichbar ausgewählt wird. Niemand soll sich wegen des Aufwandes der Anreise bevorzugt oder benachteiligt fühlen.
Generell bevorzuge ich bei der Wahl des Mediationsortes neutrales Terrain, um niemanden in die "Höhle des Löwen" schicken zu müssen. Bewährt haben sich dabei Räumlichkeiten mit einem freundlichen und ruhigen Ambiente mit der Möglichkeit, dass sich alle bequem an einen Tisch setzen können. Im Idealfall können dabei alle Sichtkontakt halten, ohne sich den Hals verrenken zu müssen. Natürlich sorge ich dann auch dafür, dass das erforderliche Equipment wie Flipcharts, Schreibmaterial und auch Getränke zur Erfrischung bereitstehen. Denn erst einmal geht darum, eine Atmosphäre zum Wohlfühlen zu schaffen, in dem sich alle Beteiligten entspannen können.

 

Haltung des Mediators trägt zur Atmosphäre bei

Neben dem äußeren Rahmen und dem idealen Setting kommt es auch auf die Haltung des Mediators an. In meinem Blogbeitrag zur Haltung des Mediators gehe ich darauf ein, wie auch der Mediator selbst eine offene, respektvolle und vertrauensvolle Atmosphäre fördern kann.

In vielen Arbeitsbereichen synchronisieren sich Mitarbeiter in Teams, um optimal zusammenarbeiten zu können. Dies geschieht auf natürliche Art und fast schon automatisch durch ein wenig Anpassungsgeschick. Ähnlich ist es beim Mediator und seinen Medianden: Eine vertrauensvolle Atmosphäre bedarf auch hier einer Synchronisation. Einleitende Gespräche sollten deshalb nicht so viel Potenzial für Widerstand oder Abneigung bieten, also eher Smalltalk beinhalten. So lassen sich oft Themen finden, die Gemeinsamkeiten beinhalten, über die man sich weiter unterhalten kann. Durch diese unverfänglichen Unterhaltungen lassen sich Verbindungen herstellen, die wiederum der Atmosphäre dienen.

Dass die Atmosphäre im Mediationsverfahren von zahlreichen Einflüssen abhängig ist, ist dank der notwendigen Interaktionen zwischen allen Beteiligten ganz klar. Die Medianden müssen dem Mediationsverfahren und auch dem Mediator vertrauen. Diese positiv-vertrauensvolle Atmosphäre fällt in der Fachliteratur unter die mediative Allianz, die einen großen Anteil am Erfolg eines Mediationsverfahrens ausmacht. Denn erst dann, wenn sich alle Beteiligten wohl und gut aufgehoben fühlen, können sie sich öffnen und sind in der Lage, ihre Interessen und Konflikte zu bearbeiten. Dies, weil sie sich wertgeschätzt, wahrgenommen und angenommen fühlen.

 

Atmosphären sind variabel

Eine gute Atmosphäre ist ein prima Start in ein Mediationsverfahren. Im Laufe der Mediation kann sich diese Atmosphäre aber auch plötzlich oder schleichend verändern. Die Gespräche können hitzig und laut werden - das Verhalten zwischen den Medianden entsprechend angespannt und frostig. Auf der anderen Seite kann die Stimmung aber auch versöhnlich und kreativ sein. In nahezu jeder Mediation gehören Stimmungswechsel zur nachhaltigen Konfliktbearbeitung dazu.

Wichtig ist dann, dass der Mediator die aktuell herrschende Atmosphäre in den korrekten Kontext einzuordnen weiß und die damit verbundene Dynamik flexibel nutzt. Die Energie aus einer verärgerten Atmosphäre kann beispielsweise gezielt umgewandelt werden, um die Konfliktarbeit nach vorne zu treiben. Kommt es zum Beispiel in der Mediation zu einem aufbrausenden Streit, nimmt der Mediator beide Medianden aus der Situation heraus, zeigt Verständnis und beruhigt alle Beteiligten durch eine kleine Pause. Nach der Pause normalisiert sich die Situation wieder und der Mediator kann den Medianden noch einmal deutlich machen, dass solch emotionale Reaktionen in der Konfliktbearbeitung völlig normal sind und als Ventil genutzt werden können. Denn dann fühlen sich Medianden abgeholt, verstanden und können die Mediation mit einer guten Energie fortsetzen.

Die atmosphärischen Zustände in der Mediation bieten demnach vielfältige Chancen zur Optimierung des Verfahrens und sollten deshalb niemals unterschätzt werden.

 

Bis zum nächsten Mal und bleiben Sie zuversichtlich!

Ihr Frank Hartung

Familienmediation – besser mit oder ohne Kinder?

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