Mediationsblog

Der Mediationsblog: Wissenswertes über Mediation und Streitbeilegung

In unserem Mediationsblog finden Sie Informationen und Neuigkeiten rund um die Themen Mediation und alternative Streitbeilegung.
5 Minuten Lesezeit (923 Worte)

Humor in der Mediation

Einen traurigen Menschen versuchen wir häufig durch einen Witz wieder zum Lachen zu bringen und dadurch etwas aufzuheitern. Und auch Sprichwörter wie „Lachen ist gesund!“ oder „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ haben sicherlich ihre Daseinsberechtigung. Ein kleiner Scherz kann die Stimmung auflockern und manchmal ist es genau das, was meine Medianden bei ihren Blockaden auf dem Weg zur Konfliktlösung brauchen. Dennoch bin ich vorsichtig, wenn ich mit Kollegen über Humor in der Mediation diskutiere. Denn ich bin der Ansicht, dass Humor zwar ganz gezielt in der Mediation eingesetzt werden darf; dies aber von einer guten Portion Fingerspitzengefühl abhängig ist. Schließlich ist es auch hier wie in vielen anderen Bereichen des Lebens: Was der eine mag, stößt beim anderen vielleicht auf Ablehnung und was für den einen zu wenig ist, überschreitet das Maß des anderen womöglich um das Vielfaches. Also, wie viel Humor verträgt die Mediation?

Humor in der MediationHumor ändert die Perspektive

Wenn jemand ein bierernstes Gespräch mit einem kleinen Scherz „anreichert“, nimmt dies der Diskussion nicht unbedingt die Ernsthaftigkeit. Ein verhaltenes Lachen oder kleines Schmunzeln bei den Gesprächspartnern gleicht jedoch die Emotionen ein wenig aus und trägt zu einer optimistischeren Sichtweise bei. Das Gespräch fühlt sich gleich etwas leichter an und die Stimmung wirkt freundlicher. Diesen Effekt kann sich der Mediator auch in der Mediation als Intervention zunutze machen, bei der es um die Wahrung von Interessen, Prinzipien, Anerkennung und viele andere ernsthafte Themen geht.

Lachen kann Blockaden im Gehirn auflösen, was Medianden wieder aufnahmebereit macht, um die Perspektiven des jeweils anderen zu betrachten und zu durchdenken. Und „Morgen lachen wir darüber!“, heißt es doch immer so schön, was doch auch irgendwie das Ziel ist, oder? Mit feinfühlig eingesetztem Humor, nachdem man sich ein wenig kennengelernt hat und einzuschätzen weiß, lassen sich Blockaden etwas einfacher überwinden und zum Perspektivwechsel ermuntern. Dies gelingt jedoch nur, wenn schon ein wenig Vertrauen aufgebaut werden konnte und – ganz wichtig! – der Zeitpunkt passt.

Passender und unangemessener Humor

In einer Mediation soll das Vertrauen zwischen Mediator und Medianden aufgebaut werden. Der Mediator zeigt den Medianden, dass er sie und ihre Anliegen ernst nimmt. Und dass die Anliegen der Medianden für diese selbst von großer Bedeutung sind, zeigt allein die Tatsache, dass daraus ein Konflikt entstanden ist. In der Anfangsphase sind die Medianden in der Regel noch sehr nervös und angespannt. Wenn zu Beginn überhaupt Humor eingesetzt werden sollte, dann nur wohldosiert als kleine lustige Anekdote aus dem allgemeinen Leben und auch nur, um die Atmosphäre etwas zu entspannen. Schließlich muss der Mediator seine Medianden erst einmal kennenlernen und ein Gefühl für sie entwickeln, wie die Medianden generell auf Humor reagieren.

Geht es in der Mediation dann um den eigentlichen Konflikt, sind humoristische Einlagen fehl am Platz. In dieser Mediationsphase sind die Medianden dabei, sich für die Mediation zu öffnen und ihre Probleme zu schildern. Dies erfordert viel Vertrauen und Konzentration. Allerdings kommt es bei diesen Schilderungen nicht selten zu einer Art Situationskomik, die alle Anwesenden zum Lachen bringt, was auch völlig in Ordnung ist.

Wenn die Mediationsgespräche allerdings schon so weit fortgeschritten sind, dass die Medianden gemeinsam nach Lösungsoptionen suchen, darf durchaus gelacht werden. Da dies die wohl kreativste Phase der Mediation darstellt, in der gedankliche Abenteuer und verrückte Gedanken zugelassen werden, liegt Humor hier auch nahe und entwickelt sich völlig natürlich. Jetzt müssten alle Anwesenden diesen Humor auch einzuschätzen und zu schätzen wissen. Ist die eigentliche Konfliktlösung gefunden worden und steht kurz vor der Vereinbarung, nimmt die Spannung unter den Medianden wieder etwas zu. Jetzt geht es darum, konkrete Regelungen zu vereinbaren, die auch Pflichten, Aufgaben und Zugeständnisse beinhalten können. An dieser Stelle muss mit Humor wieder vorsichtig umgegangen werden.

Humor als Intervention

Manchmal muss der Mediator seine Medianden bei der Konfliktbewältigung unterstützen. Schön ist es, wenn der Mediator dies auf eine humorvolle Art und Weise tun kann. Mit Fragen wie „Wissen Sie, wie man ein Nilpferd verspeist?“ und der auf Ratlosigkeit folgenden Antwort „In kleinen Stücken!“ kann den Medianden mit einem Zwinkern der Weg in die stufenweise Verarbeitung des Konflikts geebnet werden.

In den mittleren Mediationsphasen kann der Mediator durchaus humorvoll übertreiben oder sogar ein wenig provozieren, damit er eingefahrene Denkmuster aufbrechen kann. Dies geschieht in Kombination mit den klassischen Mediationswerkzeugen wie etwa dem Umdeuten oder Spiegeln, um den Medianden unnötige Ängste zu nehmen und die Gespräche zu entschärfen. Wenn alle miteinander lachen können, fühlt sich der Einzelne auch nicht mehr fehlerhaft oder fehl am Platz.

Regeln für die humorvolle Mediation

Das Verständnis für und von Humor ist immer individuell zu betrachten. Was der eine lustig findet, könnte der andere als persönlichen Angriff werten. In der Mediation ist Humor jedoch ein probates Werkzeug für eine lockere und angenehme Atmosphäre. Mit wohldosiert eingesetzten Scherzen, lustigen Erzählungen und einer Prise Situationskomik kann auch interveniert werden, um Medianden vielleicht ein wenig in die richtige Richtung zu stupsen.

Letztendlich sollte jeder Mediator seine Fähigkeiten in Bezug auf Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis nutzen, aber folgende Regelungen nicht außer Acht lassen:

  • Die Kompetenz und Seriosität des Mediators darf durch eingesetzten Humor niemals in Mitleidenschaft gezogen werden
  • Mit Humor sollte in der Mediation immer sensibel und mit Feingefühl gearbeitet werden
  • Humor bedeutet nicht Albernheit; niemals darf sich ein Mediand dadurch beleidigt oder verhöhnt fühlen
  • Medianden sollten sich nie über den jeweils anderen lustig machen; Humor darf in der Mediation nicht auf Kosten anderer Beteiligter geschehen
  • Über das eigentliche Konfliktthema sollten keine Witze gemacht werden

Werden diese Ratschläge beherzigt und hat der Mediator ein gutes Gespür für humorvolle Menschen, kann eine Mediation streckenweise sogar lustig sein und bleibt als ein angenehmes Erlebnis in guter Erinnerung.

Was Wünsche mit Wundern zu tun haben

Ähnliche Beiträge

© 2019 Frank Hartung » Ihr Mediator bei Konflikten in Familie, Erbschaft, Beruf, Wirtschaft, Nachbarschaft und Schule «   🏠 06844 Dessau-Roßlau, Albrechtstraße 116    ☎ 0340 530 952 03