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Wunschdenken: Mediation als Schulfach

Liebe Leserinnen und Leser,

in den Nachrichten hören wir von Messerstechereien unter Teenagern, Prügelattacken gegen Lehrer und schonungslose Gewalt gegen Mobbingopfer. Das Aggressionspotenzial an deutschen Schulen ist hoch und wächst immer weiter, wobei sowohl Täter als auch Opfer erschreckender Weise immer jünger werden. Nicht nur in sogenannten „Brennpunkten“ wird unter Schülern geprügelt, geschimpft, gespottet und geschlagen, sondern auch in ansonsten als ruhig geltenden Vororten und Wohngegenden. Die Anwendung körperlicher Gewalt und sprachlicher Verrohung ist dabei ein Indiz dafür, dass die jüngere Generation nicht mehr in der Lage ist, Konflikte vernünftig zu lösen. Schuld trägt hieran auch der Cyberspace, der Kinder und Jugendliche virtuell abstumpfen lässt. Beleidigungen werden heute kaum noch als solche wahrgenommen, sondern gelten als „normal“.

Als Mediator, der im Übrigen auch Schulmediation anbietet, würde ich mir wünschen, dass es Schulfächer oder zumindest mehr Kursangebote geben würde, die unserer Jugend hilft, ihre Mankos in den kommunikativen Fähigkeiten wieder ausgleichen.

Warum Mediation Schülern gut tut

Mediation in der SchuleDie Schulmediation hat die Aufgabe, Konflikte zwischen Schülern, Lehrern, Eltern, Erziehungsberechtigten und der Schulleitung zu lösen. Mediatoren machen sich bei der Mediation mit Schülern insbesondere ein ganz einfaches Werkzeug zunutze: Zuhören! So einfach dies klingt, umso erstaunlicher ist die beruhigende Wirkung des Zuhörens auf wütende Kinder und Jugendliche.

In unseren Schulen wird den Schülern Englisch, Mathe, Geschichte und Deutsch beigebracht. Den richtigen Umgang mit Konflikten lernen sie jedoch eher nicht. Bei einer Schulmediation gehen Mediatoren in die Schulen und räumen den Schülern Raum und Zeit ein, über ihre Probleme, Sorgen und Auseinandersetzungen zu sprechen. Mediatoren schenken ihnen dabei etwas Wichtiges: Zeit! Und Zeit ist ansonsten im Alltag eher knapp bemessen.

Mediation ermöglicht Schülern innerhalb der Schule einen geschützten Platz, in dem sich alle – ob groß, ob klein – sicher bewegen und begegnen können. In der Schulmediation kann niemand etwas Falsches sagen, es gibt keine Noten und keiner hat eine schlechte Bewertung zu befürchten. Bei den Mediationsgesprächen kommen Schüler zu Wort und können frei reden. In der Schulmediation fragen die Mediatoren nach den Hintergründen des Konflikts. Alle Teilnehmer der Schulmediation hören aufmerksam zu, was bei vielen schon als wohltuend empfunden wird. Die Schüler können von ihren Problemen erzählen, ihre Gefühle erklären und ihre Interessen darlegen. Kurzum: sie können sich alles von der Seele reden und es wird ihnen zugehört!

Völlig „gechillt“ läuft’s einfach besser

Schon durch das Zuhören entspannen sich auch aufgebrachte Schüler, sodass sie schnell in der Lage sind, über den Tellerrand hinaus zu schauen und andere Perspektiven zu betrachten. Sie lernen ihr Gegenüber auf eine natürlich-harmonische Weise besser kennen und schätzen. Dadurch finden die Beteiligten oftmals ganz allein eine kreative Lösung.

Mediation verschafft Kompetenzen

Die Schulmediation vermittelt Schülern Konfliktlösungsfähigkeiten, von denen sie ihr ganzes Leben lang profitieren. Sie erlernen effektives Zuhören und üben sich in Einfühlungsvermögen. Der Unterricht wird weniger durch Streitigkeiten gestört, wovon wiederum das Lehrpersonal und die Schülergemeinschaft profitieren. Insgesamt können sich Schulmediationen positiv auf das gesamte Schulklima auswirken; ganz egal, ob auf dem Pausenhof oder in der Klasse.

Schüler schenken Mediatoren schnell Vertrauen, weil sie keine Lehrer sind und die jeweiligen Schüler auch nicht verurteilen oder bewerten. Mit einer Schulmediation lassen sich alle typischen Konfliktbereiche abdecken, so auch Konflikte zwischen Schülern, Lehrern, der Schulleitung sowie Eltern und Erziehungsberechtigten. Bei einem Konflikt zwischen Schüler und Lehrer nimmt der Mediator beispielsweise häufig das „Ungleichgewicht“ aus dem Gespräch heraus, was entkrampfend wirkt und zu Einsicht oder auch Kompromissen anregt.

Kleine Schritte führen zur Lösung

Kinder und Jugendliche denken anders, sodass sich Mediatoren erst einmal in die noch jungen Medianden hineinversetzen müssen. Bei vielen Schülern bestehen Unsicherheiten, wie mit Konflikten umgegangen werden sollte. Dies beruht auch darauf, dass in unseren Schulen heute Schüler aller Nationalitäten, Religionen, Familiengefügen und Erziehungsstilen aufeinander treffen. 

Wenn Schüler jedoch Gelegenheit erhalten, ihre Geschichten ganz in Ruhe erzählen zu dürfen, klären sich Denkweisen oftmals auf. Es bedarf lediglich etwas Zeit, um Gedanken zu ordnen und zu sortieren. Sie registrieren, dass ihnen Gespräche dabei helfen, Alternativen zur Gewalt und verbalen Entgleisung zu finden. Im Endeffekt werden sie durch die Mediation nur dabei unterstützt, Konfliktkompetenz zu entwickeln.

SchulmediationSchülerische Streitschlichtung – ein kleiner Schritt in die richtige Richtung

Natürlich leidet der Schulalltag unter dem allgemein verbreiteten Konfrontationskurs von Schülern. Aus diesem Grund haben sich an vielen Schulen bereits Streitschlichter etabliert. Häufig wird diese Position von entsprechend geschulten Schülern eingenommen, die gut zuhören und argumentieren können. Sie engagieren sich für ein friedliches Miteinander und schreiten dann ein, wenn Eskalationen drohen.

Die Idee, Mediation aktiv auch an Schulen einzusetzen, stammt im Übrigen aus den USA. Dort werden schon lange Schüler zu „Peer Mediators“ ausgebildet, um anderen Schülern bei Problemen zur Seite stehen zu können. Hiervon können wir uns in Deutschland ausnahmsweise, wie ich finde, ein Scheibchen abschneiden.

Bis zum nächsten Mal!

Euer Frank

Unabhängigkeit, Neutralität und Allparteilichkeit ...

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