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Der Mediationsblog: Wissenswertes über Mediation und Streitbeilegung

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Was hat Mediation mit Psychologie zu tun?

Die Mediation ist ein Verfahren der außergerichtlichen Konfliktbeilegung, bei der durch den Mediator Kommunikationstechniken angewandt werden, die ursprünglich aus der Psychologie stammen.

Auseinandersetzungen und Streitigkeiten erschaffen häufig einen psychischen Ausnahmezustand. Die „Schuld“ der Konfliktpartei sowie die eigenen Verluste und Kosten werden dramatisiert, der eigene Beitrag zur Streitigkeit wird bagatellisiert oder einfach legitimiert. Die Konfliktparteien sind außer sich. Die Durchsetzung ihrer Konfliktposition sowie die Vergeltung von Unrecht überwiegen. Gelingt es dem Mediator, diese mentalen Sperren wieder aufzuheben und wichtige Anliegen wieder verfügbar zu machen, relativiert sich die Bedeutung der Auseinandersetzung und der Blick wird für das Erwägen von Lösungsoptionen eröffnet. Derartige Win-Win-Situationen werden nur durch eine Transzendierung des Konflikts ermöglicht, wofür es unterschiedliche strategische und psychologische Mittel gibt.

Transzendierung von Konflikten

Mit Transzendierung eines aktuellen Konflikts ist gemeint, dass über den eigentlichen Konfliktgrund hinaus nachgedacht, erwogen, gehandelt oder geplant wird. Dafür müssen sich die Medianden bewusst machen, welche eigene Anliegen ihnen wichtig sind. Zu diesen Anliegen gehört alles, was für ein positives Selbstbild und Leben als wichtig betrachtet wird, wie beispielsweise wirtschaftlicher Wohlstand, Bildung, Liebe oder Anerkennung. Hierin unterscheiden sich die Menschen; auch in ihrer Kultur. In der Psychologie wird dieses Verfahren der Bewusstmachung mit Selbstaufmerksamkeit beschrieben.

Durch diese durch den Mediator herbeigeführte Selbstaufmerksamkeit kann die mentale Einengung im Konflikt überwunden werden. Die Konfliktparteien gewinnen einen neuen Blick auf die Konfliktsituation und können sich darauf einlassen. Sie sind in der Lage, zu überschauen, was sie alles wegen des Konflikts versäumen. Sie stellen sich selbst die Frage, welches Bild sie von sich in dieser Konfliktsituation vermitteln. Vielleicht erschrecken sie sich sogar ein wenig, weil sie so nicht von anderen gesehen oder wahrgenommen werden möchten. Viel lieber möchten sie in deren Augen gut dastehen. Automatisch gelangen sie zu der Frage, wie ein produktiver Austausch mit dem Konfliktgegner aussehen könnte.

Psychologische Perspektivwechsel in der MedoationPsychologische Perspektivwechsel und Einbeziehung von Dritten

Die Mediation macht einen Perspektivwechsel von der Realität des negativen Austauschs zum positiven Austausch möglich. So mögen beispielsweise Nachbarn aus einem geringen Grund in Feindschaft leben und sich gegenseitig das Leben schwer machen. Sie werden in den positiven Austausch geführt, der beispielsweise die Möglichkeiten einer guten Nachbarschaft beinhaltet: Blumen gießen während des Urlaubs, Austausch von Obst und Gemüse aus den Gärten oder auch andere nachbarschaftliche Hilfestellungen.

Von vielen Konflikten sind Dritte betroffen. Unter Scheidungskonflikten leiden zum Beispiel Kinder und Großeltern. In der Mediation werden die Medianden dazu angeleitet, den Konflikt mit den Augen dieser Dritten zu betrachten und sich auch deren Anliegen bewusst zu machen; was wiederum einen Perspektivwechsel bedeutet. Die Betrachtung des Konflikts aus der Perspektive eines Dritten hebt die mentale Fixierung der Medianden auf, da deren Wohlergehen zu den eigenen Anliegen gehört.

Ein Beispiel: In einer Scheidungsmediation veranlasst der Mediator, dass sich beide Parteien in die Perspektive des gemeinsamen Kindes versetzt. Beide Parteien durchdenken die Situation des Kindes und kommen zu dem Ergebnis, dass das Kind nichts mit der Situation der Eheleute zu tun hat, keine Schuld trägt und deshalb auch nicht unter der Scheidung leiden sollte. Die weiteren Mediationsverhandlungen werden nach diesem Perspektivwechsel zum Wohle des Kindes geführt.

Grenzen ziehen, um Konflikte zu lösen

Die Vereinbarung von Grenzen ist eine weitere Möglichkeit, Frieden zu stiften und auch zu erhalten. Dabei können die Art und das Ausmaß der Abgrenzung sehr unterschiedlich ausfallen. Nach einer Trennung oder Scheidung können beispielsweise alle Kontakte abgebrochen oder eingeschränkte Austauschbeziehungen (Kinder) vereinbart werden. Man muss sich nicht in allen Punkten einigen. Wenn alle Konfliktparteien erkennen, dass es Bereiche gibt, in denen man auf keinen „grünen Nenner“ kommt, können diese Bereiche auch ausgeklammert und entsprechend abgegrenzt werden, ohne dass die sonstige Beziehung zwischen den Parteien Schaden nimmt.

Erfolgreiche Mediation dank psychologischer Handlungsführung

Wenn durch eine Mediation auch nur ein Konflikt so beigelegt wird, dass wechselseitige Blockaden gelöst und Feindseligkeiten mit Vergeltungswünschen reduziert werden, ist das ein Erfolg. Insbesondere in nahen Beziehungen können Austausch und Kommunikation nicht explizit vereinbart werden; auch nicht in Verträgen. Auch aus diesem Grund sind Mediationen wichtig, da sie vermitteln, wie man sich kultiviert und friedlich über Konflikte austauschen kann. Medianden wissen nach einer Mediation, wie sie sich im Alltag verhalten, um Konflikte zu vermeiden oder aber Konflikte zu lösen. Diese Entwicklungsgewinne gehen weit über den aktuellen Konflikt hinaus und führen zu einer Optimierung sozialer Beziehungen. Medianden lernen in der Mediation viel über sich selbst und über andere. Sie werden mit Erwartungen, Anliegen und Wertungen konfrontiert, damit sie Strategien entwickeln und ihre Emotionen verarbeiten können, um letztendlich eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung zu finden.

Mediation ist Lernen

Bei einer Mediation treffen die Medianden unter Anleitung des Mediators ihre Entscheidungen selbst. Bei einer Gerichtsverhandlung wird ihnen die Entscheidung abgenommen. Vor Gericht müssen die Parteien lediglich ihre Ansprüche formulieren, die Anwälte arbeiten lassen und dann die Entscheidung des Richters entweder annehmen oder aber ein weiteres Verfahren anstrengen.

Eine erfolgreiche Mediation ist also ein Beleg dafür, dass Konflikte auch eigenverantwortlich sowie einvernehmlich gelöst, aufgearbeitet und durch individuelle Lösungen in eine optimierte und fairere Austauschbeziehung zur jeweils anderen Partei mündet. Durch die aktive Mitarbeit der Medianden werden Haltungen, Erkenntnisse, Strategien und weitere Kompetenzen erworben oder erlernt. Diese werden von den Mediatoren im Rückblick nach jeder Mediationsphase auch bewusst gemacht und benannt. Gleiches gilt für unproduktive Handlungen, wodurch der Lernprozess gesichert und mental gespeichert werden kann. Dieses Wissen kann von den Medianden auch im weiteren Leben genutzt werden, weshalb die Mediation auch als bereichernder Entwicklungsgewinn betrachtet werden muss.

Kommunikationsdefizite dank social-media-Sucht
Mediation / Meditation: Wie ein kleiner Buchstabe ...

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