Glossar Mediation

Tetralemma

Begriff Definition
Tetralemma

Das Wort Tetralemma stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Wörtern "tetra" für vier und "lemma" für Annahme oder Prämisse zusammen. Es beschreibt somit eine Denkweise, die auf vier möglichen Annahmen basiert. Diese Methode wurde erstmals von dem indischen Philosophen Nagarjuna im 2. Jahrhundert v. Chr. entwickelt und ist ein wichtiger Bestandteil des buddhistischen Denkens.

Die vier Möglichkeiten
Das Tetralemma basiert auf der Annahme, dass es bei jeder Frage oder jedem Problem nicht nur eine richtige Antwort gibt, sondern vier mögliche Antworten. Diese lauten:

  1. "es ist so"
  2. "es ist nicht so"
  3. "es ist sowohl so als auch nicht so"
  4. "es ist weder so noch nicht so"

Diese vier Möglichkeiten werden auch als die vier Ecken des Tetralemma bezeichnet.

Beispiel:
Die Frage "Ist der Himmel blau?" kann mit Hilfe des Tetralemmas beantwortet werden.

  1. Die erste Möglichkeit wäre, dass der Himmel tatsächlich blau ist (es ist so).
  2. Die zweite Möglichkeit wäre, dass der Himmel nicht blau ist, sondern eine andere Farbe hat (es ist nicht so).
  3. Die dritte Möglichkeit wäre, dass der Himmel sowohl blau als auch nicht blau ist, je nachdem aus welchem Blickwinkel man ihn betrachtet (es ist sowohl so als auch nicht so).
  4. Und die vierte Möglichkeit wäre, dass der Himmel weder blau noch nicht blau ist, da Farben eine subjektive Wahrnehmung sind und nicht objektiv existieren (es ist weder so noch nicht so).

Anwendungsmöglichkeiten
Das Tetralemma kann in verschiedenen Bereichen angewendet werden. In der Philosophie wird das Tetralemma häufig genutzt, um philosophische Fragen zu untersuchen und verschiedene Argumente zu analysieren. In der Psychologie kann es helfen, bei der Lösung von Konflikten zwischen verschiedenen Standpunkten zu vermitteln. In der Medizin kann es bei der Diagnosestellung und der Suche nach der richtigen Behandlungsmethode hilfreich sein. Und in der Wissenschaft kann es bei der Suche nach Erklärungen für komplexe Phänomene eingesetzt werden.

Tetralemma in der Mediation
In der Mediation wird das Tetralemma häufig verwendet, um Konflikte und Probleme zwischen zwei Parteien zu lösen. Anstatt nur die Sichtweise einer Partei zu berücksichtigen, werden vier verschiedene Perspektiven einbezogen, um eine umfassendere und ausgewogenere Lösung zu finden.

Die vier Aspekte des Tetralemmas in der Mediation sind:

  1. Ja
    Dieser Aspekt bezieht sich auf die Zustimmung zu einer bestimmten Lösung oder Idee. Es geht darum, die positiven Aspekte einer Option zu erkennen und zu akzeptieren.

  2. Nein
    Der Aspekt des Neins bezieht sich auf die Ablehnung einer Lösung oder Idee. Es geht darum, die negativen Aspekte einer Option zu erkennen und abzulehnen.

  3. Sowohl-als-auch
    Dieser Aspekt bezieht sich auf die Möglichkeit, beide Seiten eines Konflikts zu berücksichtigen und eine Lösung zu finden, die für beide Parteien akzeptabel ist. Es geht darum, Kompromisse zu finden und gemeinsame Interessen zu identifizieren.

  4. Weder-noch
    Dieser Aspekt bezieht sich auf die Möglichkeit, eine völlig neue Lösung oder Perspektive zu finden, die von beiden Parteien nicht zuvor in Betracht gezogen wurde. Es geht darum, neue Ideen und Möglichkeiten zu erkunden und zu erweitern.

Ein Beispiel für die Anwendung des Tetralemmas in der Mediation wäre ein Konflikt zwischen zwei Nachbarn über einen Baum, der die Sicht auf den Garten eines Nachbarn blockiert. Der erste Nachbar möchte, dass der Baum entfernt wird, während der andere Nachbar möchte, dass der Baum stehen bleibt. Im Rahmen des Tetralemmas würden beide Parteien ihre Perspektive auf den Baum darlegen und die positiven und negativen Aspekte einer Entfernung oder Beibehaltung des Baumes betrachten (Ja und Nein). Anschließend würden sie gemeinsam nach einer Lösung suchen, die für beide Seiten akzeptabel ist, z.B. durch Beschneiden des Baumes (Sowohl-als-auch). Wenn dies nicht möglich ist, könnten sie auch alternative Lösungen wie den Bau einer Mauer oder die Pflanzung von Büschen in Betracht ziehen (Weder-noch).

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