Glossar Mediation

Fachbegriffe aus dem Spektrum der Mediation.

Wer sich zum ersten Mal mit dem Thema Mediation auseinandersetzt, wird häufig mit Begriffen aus dem juristischen Bereich konfrontiert. Ich möchte Sie jedoch nicht mit Fachbegriffen beeindrucken, sondern wünschen mir, dass Sie die Inhalte unserer Webseite auch verstehen. Dennoch gibt es Begriffe, bei denen ich der Meinung bin, dass ich sie zum besseren Verständnis noch einmal erläutern sollte. Ich hoffe sehr, dass Sie sich von meinem FAQ-Bereich – den ich im Übrigen kontinuierlich weiter ausbauen werde – motivieren lassen, sich noch detaillierter mit der Mediation zu befassen.

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BegriffDefinition
Caucus

Mit einem Caucus wird im politischen Bereich eine Versammlung von Anhängern und Mitgliedern einer Partei oder Gruppierung bezeichnet, die sich auf die Wahl eines Kandidaten für ein politisches Amt vorbereiten. Bekannt sind Caucuses aus den USA; beispielsweise im Zusammenhang mit der Wahl des Präsidenten.

In den USA werden Vorwahlen entweder mittels Primary-System durch das traditionelle Abgeben einer Stimme im Wahllokal oder aber durch das Versammlungs-Prinzip des Caucus durchgeführt. Hierbei treffen sich die Mitglieder zur Diskussion und stimmen danach per Handzeichen oder Stimmzettel ab.

Bei der Mediation spielt das Caucusing in Bezug auf die Führung von Einzelgesprächen eine besondere Rolle. Caucusing ermöglicht dem Mediator, mit den Medianden Einzelgespräche zu führen. Die Herangehensweise ähnelt dabei der Pendelmediation oder Shuttle Mediation, da das Caucusing in der Regel bereits in der Anfangsphase der Mediation stattfindet.

Oft werden im Rahmen der Mediation Einzelgespräche nur dann geführt, wenn es den Medianden fast schon unerträglich erscheint, sich gemeinsam in einem Raum aufzuhalten. Ob und wann ein Mediator Caucusing einsetzt, hängt von seiner Entscheidung und der Einsicht der Medianden ab.

Zu den Vorteilen des Caucusing gehört, dass sich die Medianden im Einzelgespräch freier äußern können und der Mediator Gelegenheit erhält, detailliert auf jede Partei einzugehen. Auch beim Caucusing ist die Vertraulichkeit gewahrt, weshalb das Verfahren häufig in Wirtschaftsmediationen eingesetzt wird. Die Inhalte aus den Einzelgesprächen dürfen sich nicht zum Vor- oder Nachteil der jeweils anderen Partei auswirken. Auch hier gilt das Neutralitätsgebot des Mediators.

Nachteilig kann sich Caucusing nur dann auswirken, wenn sich der Mediator übermäßig in das Vertrauen eines Medianden einbeziehen lässt. Deshalb sollte jeder Mediator im Einzelfall entscheiden, welche Vor- und Nachteile das Caucusing mit sich bringen könnte. Des Weiteren müssen sich natürlich die Medianden auf das Verfahren einlassen.

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Synonyme - Caucusing
Co-Mediation

Bei einer Co-Mediation wird das Mediationsverfahren von einem Mediatoren-Team durchgeführt, das aus zwei Mediatoren/Mediatorinnen aus unterschiedlichen beruflichen Fachbereichen besteht. Als interdisziplinäre Kooperation profitieren alle Beteiligten von einer Bandbreite spezifischer Fachkenntnisse.

Co-Mediationen können in allen üblichen Themenbereichen und Konfliktsparten eingesetzt werden, die auch für traditionelle Mediationsverfahren gelten. Die Entscheidung für eine Co-Mediation ist abhängig vom Konflikt, der individuellen Situation und der Anzahl der Medianden. Hilfreich ist die Abstimmung des Mediatoren-Teams in Bezug auf die jeweiligen Fachgebiete. Insbesondere im familienrechtlichen Bereich kann sich eine Co-Mediation vorteilhaft auswirken.

Zu den Vorteilen einer Co-Mediation gehört, dass sich die Mediatoren ergänzen können. Sie entlasten einander bei den Mediationsgesprächen und bündeln ihre Kompetenz. Die Möglichkeiten der Gesprächsbeobachtung werden bei der Co-Mediation verdoppelt. Im Gegensatz zur Mediation mit einem Mediator/einer Mediatorin lassen sich die Gespräche und nonverbale Ausdrucksweisen naturgemäß auch in unterschiedlichen Perspektiven und Wahrnehmungen reflektieren.

Im Rahmen einer Co-Mediation können sich die Mediatoren wechselseitig sehr gut austauschen, was Empfindungen, Aussagen und Wahrnehmungen betrifft. Deshalb bietet sich die Mediation mit zwei Mediatoren/Mediatorinnen insbesondere bei Konflikten mit komplexen Sachverhalten oder Sachproblemen, mit einem hohen Konfliktniveau, mit einem Machtungleichgewicht oder bei besonders vielschichtigen Konfliktsituationen an. Darüber hinaus empfinden es auch viele Medianden aus kulturellen sowie die Fachkompetenz oder das Geschlechterverhältnis betreffenden Gründen als angenehm, wenn mehrere Mediatoren an der Mediation beteiligt sind.

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Coaching

Ein Coaching ist eine professionelle Beratung, Unterstützung und Begleitung einer einzelnen Person oder auch eines ganzen Teams. Unterschieden wird in Einzelcoaching mit nur einer Person, in Teamcoachings mit mehreren Personen und in Projektcoachings. Bei Projektcoachings wird ein ganzes Team gecoacht, das aus mehreren Personen aus verschiedenen Abteilungen und Hierarchien stammt. Projektcoachings sind zeitlich begrenzt und dienen nur der leistungs- und zielorientierten Durchführung eines speziellen Projekts.

Der auch Coach genannte Berater arbeitet intensiv mit seinen Klienten zusammen und entwickelt dafür Trainings und andere Hilfestellungen, die individuell auf die jeweilige Situation zugeschnitten sind. Bei konfliktbezogenen Coachings kann es zum Beispiel darum gehen, jemanden durch ein spezielles Training auf ein bevorstehendes und als wichtig oder schwierig einzustufendes Gespräch vorzubereiten. Coachings können die individuelle Konfliktfähigkeit verbessern und dabei helfen, persönliche Kommunikationsfähigkeiten zu optimieren. Durch Teamcoachings wird die Zusammenarbeit eines Teams gestärkt und Differenzen ausgeräumt.

Der Coach hilft seinen Klienten dabei, Konflikte oder offene Fragen zu erkennen und Lösungen oder Antwortoptionen zu erarbeiten. Dabei gibt er keine Lösungswege vor, sondern leitet seine Klienten zur „Hilfe durch Selbsthilfe“ an. Im Coaching werden Sichtweisen analysiert, Konflikte erörtert, Ressourcen gesucht, Blockaden identifiziert und anschließend das Potenzial daraus geschöpft, um es für den Zweck des Coachings nutzbar zu machen. Coachings sind allerdings keine therapeutischen oder psychologischen Beratungen. Der Coach hilft lediglich dabei, seinen Klienten den Weg zur Klärung einer Situation zu ebnen, die ihren Interessen und Bedürfnissen entspricht. In einem Coaching wird keine Rechtsberatung angeboten. Der Unterschied zur Mediation ist der, dass ein Coaching immer nur mit einer „Partei“ stattfindet, die jedoch durchaus aus mehreren Personen bestehen kann.

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Synonyme - Coach
Containertheorie

Der Begriff der Containertheorie beschreibt in Bezug auf Mediationsverfahren eine Art „Rahmen“. Die vielen verschiedenen Verfahren aus der Konfliktlandschaft machen Möglichkeiten von Zusammenspiel, Abgrenzung sowie Kombination notwendig. Nicht selten werden wegen einer Konfliktsituation gleich mehrere Verfahren – beispielsweise Schlichtungsverfahren, Gerichtsverfahren und Mediationsverfahren - angestrengt. Betrachtet man die jeweiligen Verfahren wie einen Container, so dient dies nach der Containertheorie der besseren Übersicht.

Nach der Containertheorie geben die Container den Verfahrensrahmen vor, an dem sich Abläufe, Inhalte, Bedingungen und Grenzen orientieren. Durch das Containerverfahren wird so ein geregelter und in einzelne Schritte zerlegbarer, nachvollziehbarer sowie wiederholbarer Ablauf gewährleistet. Die Containertheorie gibt insbesondere bei komplexen Konflikten und Sachverhalten einen methodischen Ablaufplan dafür, wie Verfahren kombiniert oder abgegrenzt werden können. Grundsätzlich sollten mehrere Verfahren einheitlich betrachtet und versucht werden, die gemeinsame Kompetenz aller Verfahren auszuschöpfen. Damit es aber nicht zu gegenseitigen Überschneidungen und Behinderungen kommen kann, bedarf es des Konzepts der Containertheorie.

Jedes einzelne Verfahren bildet danach einen Container, die nach der Metapher gefüllt, gestapelt bewegt, sortiert und als Begrenzung eingesetzt werden können. Auf die jeweiligen Verfahren bezogen kommt es auf die Beschaffenheit und Containergröße an, mit welchen Inhalten dieser gefüllt werden kann. Das Verfahren – also der Container – stellt den Rahmen des Verfahrens dar und die jeweilige Methode wird zu dessen Inhalt.

Wenn nach der Containertheorie jedes Verfahren als Container betrachtet wird, bedarf es einer entsprechenden Logistik. Auch hier wird wie bei den vorerwähnten Metaphern ein Containerhafen konstruiert, wo die Container gelagert, verarbeitet und transportiert werden. Enthält ein Container nur einen Teilbereich der Konfliktlösung, muss durch logistisches Management eine Abstimmung mit dem gemeinsamen Ziel der Konfliktbeilegung erfolgen. Da diese Verfahrensweise eine systemische Sicht erfordert, wird die Containertheorie bevorzugt im Rahmen der integrierten Mediation angewendet.

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© 2021 Frank Hartung » Ihr Mediator bei Konflikten in Familie, Erbschaft, Beruf, Wirtschaft, Nachbarschaft und Schule «  

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