Glossar Mediation

Fachbegriffe aus dem Spektrum der Mediation.

Wer sich zum ersten Mal mit dem Thema Mediation auseinandersetzt, wird häufig mit Begriffen aus dem juristischen Bereich konfrontiert. Ich möchte Sie jedoch nicht mit Fachbegriffen beeindrucken, sondern wünschen mir, dass Sie die Inhalte unserer Webseite auch verstehen. Dennoch gibt es Begriffe, bei denen ich der Meinung bin, dass ich sie zum besseren Verständnis noch einmal erläutern sollte. Ich hoffe sehr, dass Sie sich von meinem FAQ-Bereich – den ich im Übrigen kontinuierlich weiter ausbauen werde – motivieren lassen, sich noch detaillierter mit der Mediation zu befassen.

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BegriffDefinition
Einwände

Ein Einwand ist eine eher ablehnende Reaktion auf eine Idee, einen Vorschlag oder eine Information. Durch Einwände sollen Bedenken geäußert werden. Von einem Vorwand unterscheidet sich der Einwand dadurch, dass Einwände ehrlich und ernst gemeinte Aussagen darstellen, während Vorwände vorgeschoben werden. Durch einen Vorwand soll ein wahrer Beweggrund nicht näher erläutert werden.

Einwände können mit Widersprüchen verglichen werden. Auch Einwände stellen Herausforderungen dar, da sie meist mit Emotionen verknüpft sind. Im Mediationsverfahren wird daher immer versucht, Verständnis für Einwände aufzubringen. Durch Anhören und Zuhören werden Einwände als solche an- und wahrgenommen. Unklarheiten werden durch Rückfragen beseitigt, damit sich alle Beteiligten am Mediationsverfahren ein klares Bild von der den Einwand betreffenden Situation verschaffen können.

In der Mediation ist es wichtig, Einwände zu verstehen und zu behandeln. Die Behandlung von Einwänden kann mit dem Einverständnis des Widersprechenden nach folgendem Schema erfolgen:

  • Entwicklung von Ideen, aus denen eine Lösung abgeleitet werden könnte. Von den gesammelten Ideen sollte die Lösung mit der höchsten Gewichtung verwirklicht werden.
  • Erzeugung von Akzeptanz für Dinge, die nicht geändert werden können. Hierzu gehören beispielsweise Gesetze, Vorgaben oder Abhängigkeiten.
  • Weitergabe von Wissen und Informationen, damit Zusammenhänge aufgeklärt werden können.
  • Perspektivwechsel und Annahme anderer Sichtweisen, damit Einwände aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden können.
  • Stellen von Fragen, die zur Abstimmung oder Lösung beitragen können, um Gemeinsamkeiten aus den Einwänden herauszuarbeiten.
  • Auf falsche Aussagen oder Eindrücke aufmerksam machen und erklären, sofern sie zu den Einwänden geführt haben.

Ziel der Behandlung von Einwänden ist es, den jeweiligen Einwand umzukehren und daraus ein positives Erfolgserlebnis zu kreieren.

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Synonyme - Einwand,Einspruch, Beschwerde, Gegenwehr, Kontra, Missbilligung, Entgegnung, Einwurf
Eisbergprinzip

Das Eisbergprinzip oder Eisbergmodell gehört zu den Kommunikationsmodellen und verdeutlicht, dass es im Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation eine Sachebene sowie eine Beziehungsebene gibt.

Das Eisbergprinzip verwendet den Eisberg als Symbolbild, um die Kommunikation zwischen Menschen zu verdeutlichen. Bei Eisbergen befinden sich etwa 20 % sichtbar oberhalb des Wassers, während die restlichen 80 % unter dem Wasserspiegel verborgen sind.

Und so kann es auch in der zwischenmenschlichen Kommunikation betrachtet werden: Etwa 20 % davon betreffen die bewusste (sichtbare) Sachebene. Hierzu gehören Informationen und Fakten, die dem Gesprächspartner wörtlich mitgeteilt werden. Die restlichen 80 % der Kommunikation stellen die unbewusste (unsichtbare) Beziehungsebene dar, wozu Gefühle, Wertvorstellungen oder Motive gehören. Geäußert wird die Beziehungsebene durch Gestik, Mimik oder Tonfall, wobei Gesprächspartner die jeweiligen Hintergründe nie ganz erfassen können. Dennoch beeinflusst die Beziehungsebene die Kommunikation.

Eisbergmodell nach Siegmund Freud

Das Eisbergprinzip wird oft mit dem Drei-Instanzen-Modell des Psychoanalytikers Sigmund Freud in Verbindung gebracht. In seinem Modell teilt Freud die menschliche Psyche in die drei Instanzen „Es“ (Lustprinzip mit Trieben, Bedürfnissen und Wünschen), „Über-Ich“ (Mortalitätsprinzip mit Werten, Normen und Moral) sowie „Ich“ (Realitätsprinzip mit tatsächlichem Handeln, Mittelmaß zwischen dem Verlangen des Es und dem der Vernunft unterlegenen Über-Ich) auf. Nach Freud liegen sowohl Es als auch Über-Ich zum Großteil im Unterbewusstsein und machen damit die unsichtbaren Teile des Eisberges aus. Dennoch beeinflussen sie aber das sichtbare Handeln und die Kommunikation – also das Ich.

Durch das Eisbergprinzip lassen sich Sachebene und Beziehungsebene im Rahmen der menschlichen Kommunikation veranschaulichen. Und zwar der kleinere und sichtbare Teil der Sachebene sowie der größere Anteil der nicht sichtbaren Beziehungsebene. Verdeutlicht werden soll dadurch, dass die Beziehungsebene einen größeren Anteil als die Sachebene hat.

In der Kommunikation verdeutlicht das Eisbergmodell, dass nur ein kleiner Teil der zwischenmenschlichen Kommunikation verbal und durch Wörter stattfindet. Der größere Teil spielt sich non-verbal über Tonfall, Mimik, Gestik oder unterschwellige Informationen statt. Bei der Lösung von Konflikten ist es wichtig, den Konflikt innerhalb einer Ebene zu definieren. Während Konflikte auf der Sachebene durch Zuhören, Rückfragen oder Feedback eher leicht gelöst werden können, sind Konflikte auf der Beziehungsebene schwieriger einzuordnen. Hier bedarf es häufig gegenseitiges Verständnis, Einfühlungsvermögen, Empathie und Rücksicht.

 

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Synonyme - Eisbergmodell
Emotionen

In jedem Konflikt spielen Emotionen eine wichtige Rolle. Sie sind sowohl Potenzial für den Konflikt als auch Ansatzpunkt für eine Konfliktlösung. Wenn Medianden lernen, ihre Emotionen zuzulassen und zu benennen, ebnen sie auch den Weg zur Empathie für sich selbst und die jeweils andere Partei. In der Mediation wird die Auseinandersetzung mit Emotionen begünstigt. Der Mediator macht den Medianden Mut, Emotionen an- und auszusprechen sowie diese zu bearbeiten.

Viele Mediationsverfahren legen den Fokus nur auf die Sachebene, auf der Interessen und Positionen sichtbar und verständlich aufbereitet werden. Viele Konflikte lassen sich in der Tat auf sachlicher Ebene lösen. Bei der ganzheitlichen Betrachtung kann es jedoch auch sinnvoll sein, die seelischen Funktionen der Wahrnehmung, des Denkens, des Fühlens, des Willens und des Verhaltens in die Mediation mit einzubeziehen. Ist ein Konflikt nämlich schon eskaliert, bedarf es ab einer gewissen Eskalationsstufe die Bearbeitung der Emotionen. Sind die Emotionen wegen des Konflikts nämlich bereits so stark „hochgekocht“, werden die Fähigkeiten für kreatives Handeln und Kooperationen in Mitleidenschaft gezogen.

Emotionen sind menschliche Signalgeber. Durch Gefühle werden wir beispielsweise auf Bedürfnisse und Dinge, die uns wichtig sind, hingewiesen. Unangenehme Emotionen wie Angst oder Einsamkeit werden häufig von Ersatzgefühlen überlagert. In der Mediation werden die wahren Emotionen freigelegt, damit sie ausgesprochen und zugelassen werden können, um sie danach als Ressource zu nutzen. Wenn den Gefühlen in der Mediation Raum, Beachtung und Würdigung verliehen wird, lassen sie sich auch „heilend“ be- und verarbeiten. Emotionen in Konfliktsituationen in einer gebotenen Tiefe zu bearbeiten, ist hilfreich und notwendig für eine Konfliktlösung. Die Arbeit mit den Emotionen kann als Chance betrachtet werden, die psychischen/seelischen Verletzungen wieder zu heilen und eine nachhaltige Konfliktlösung zu finden.

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Synonyme - Gefühl, Gemütsbewegung, Empfindung, Empfinden, Stimmung
Empathie

Empathie ist eine menschliche Fähigkeit und Bereitschaft, die Gefühle, Motive, Gedanken und individuellen Persönlichkeitsmerkmale anderer Menschen zu erkennen, sie zu verstehen und auch nachempfinden zu können. Die Empathie ähnelt einer Art des Einfühlungsvermögens und bedeutet auch, zu angemessenen Reaktionen auf die Gefühle von anderen Menschen fähig zu sein. Hierzu zählen beispielsweise Mitleid, Schmerz, Trauer sowie Hilfsbereitschaft aus Gründen des Mitgefühls. Aus wissenschaftlicher Sicht besteht jedoch ein Unterschied zwischen Mitgefühl und empathischen Fähigkeiten.

Basis der Empathie ist Selbstwahrnehmung. Je offener und zugänglicher Menschen für ihre eigenen Gefühle sind, desto besser können sie auch Gefühle von anderen deuten, einschätzen und nachvollziehen. Eine fundamentale Rolle spielt Empathie in zahlreichen Anwendungsbereichen und Wissenschaften wie etwa der Kriminalistik, der Psychotherapie, den Politikwissenschaften, der Psychologie, der Pädagogik, der Philosophie oder auch im Marketing.

Unterschieden wird zwischen emotionaler, kognitiver und sozialer Empathie. Unter den Begriff der sozialen Empathie werden Fähigkeiten verstanden, Menschen in ihrem Umfeld zu verstehen. Empathie gilt als Voraussetzung für ein soziales Zusammenleben und Kooperationen mit evolutionärem Vorteil. Menschen müssen über Empathie verfügen, um das Verhalten sozialer Systeme zu verstehen und vorhersagen können, ob sie erfolgreich in und mit diesen Systemen leben möchten.

Im Mediationsverfahren ist es von Vorteil, wenn der Mediator oder die Mediatorin über ein hohes Maß an Empathie verfügt.

Empathische Menschen erkennt man daran,

  • dass sie sich auf den Gesprächspartner konzentrieren, sich Gesprächsinhalte merken und dadurch ihre Wertschätzung zum Ausdruck bringen,
  • dass die bei Gesprächen in der Mimik und Körpersprache lesen können und dabei auch unterschwellige Emotionen richtig deuten und verstehen können,
  • dass sie mit stressigen Situationen und Konflikten anders umgehen, weshalb sie eher über Probleme sowie deren Lösungen sprechen und dafür Rat einholen,
  • dass sie über soziale Beziehungen dazu lernen und ihre eigene Produktivität steigern,
  • dass sie sich gerne mit anderen Menschen vernetzen, eine positive Grundeinstellung an den Tag legen und sich neugierig mit anderen unterhalten,
  • dass sie die Fähigkeit innehaben, mit ihren eigenen Emotionen umzugehen und diese kontrollieren können,
  • dass sie in Konfliktsituationen genau zuhören, um sich an der Konfliktlösung beteiligen zu können, 
  • dass sie einschätzen können, wann andere Menschen Mut zugesprochen werden muss und ein Gespür dafür besitzen, für andere da zu sein,
  • dass sie sich selbst reflektieren, um an ihren empathischen Fähigkeiten zu arbeiten.

 

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Synonyme - Empfindungsvermögen,Sensitivität,Einfühlsamkeit,Anteilnahme
Empowerment

Empowerment und Recognition sind Begriffe aus dem Bereich der transformativen Mediation. Das transformative Mediationsverfahren basiert auf einem Höchstmaß an Selbstbestimmung. Der Mediator vertraut dabei mit viel Geduld auf die Kompetenz der Medianden, ihre Anliegen eigenständig klären zu können. Aus diesem Grund werden bei der transformativen Mediation auch kaum Phasen oder Strukturen vorgegeben, sondern die Medianden in das Verfahren einbezogen. Dies hat zur Folge, dass sich die Kommunikation im Laufe der Gespräche ändert. Die Medianden besprechen und definieren ihre Anliegen, Differenzen und Ziele. Der feindselige Charakter des Konflikts verwandelt sich in ein förderliches und zugewandtes Miteinander.

Gestützt wird die transformative Mediation auf Empowerment und Recognition. Empowerment kann mit Selbstbefähigung beschrieben werden. Empowerment macht den Medianden bewusst, über welche Ressourcen sie verfügen und wie sie diese nutzen können. Durch diese Fähigkeit werden die Medianden ermächtigt, gute Entscheidungen zu treffen. Empowerment kann also auch zu einer gegenseitigen Anerkennung zwischen den Medianden beitragen. Empowerment bedeutet nicht, ein Gleichgewicht oder eine Umverteilung von Macht herbeizuführen, um die vermeintlich schwächere Partei zu schützen oder zu stärken. Empowerment bezieht sich immer auf alle Beteiligten. Medianden werden durch den Mediator gleichermaßen in ihren kommunikativen Mitteln und Möglichkeiten unterstützt. Durch diese Kommunikation wird den Medianden ermöglicht, ihre Interessen, Bedürfnisse und Wünsche so mitzuteilen, dass sie von allen verstanden werden.

Recognition beschreibt hingegen die gedankliche Leistung, die zu einer Vermittlung zwischen den Medianden führt. Hierzu gehört mitunter die Fähigkeit, andere Perspektiven als solche wahrzunehmen. Die transformative Mediation zeigt Strategien auf, wie destruktive Kommunikation in Konfliktsituationen in produktivere und konstruktivere Interaktionen umgewandelt werden kann. Unterstützt werden positive Interaktionen, was auch das Selbstvertrauen stärkt und Beziehungen fördert.

 

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Synonyme - Selbstbestimmung,Selbstbefähigung ,Selbstbemächtigung
Erbschaftsmediation

Durch eine Erbschaftmediation sollen durch einen fairen Interessensausgleich Konflikte gelöst werden, die in Erbschaftsangelegenheiten auftreten können. Konfliktpotenzial bietet sich bei Familien in Erbsachen häufig im Hinblick auf die Verteilung es Erbes oder Auslegung des Testamentes, in Sachfragen und auch in Beziehungsfragen an. Erwartungen und Wünsche werden nicht angesprochen oder nicht erfüllt und in vielen Fällen treffen in Erbangelegenheiten verschiedene Generationen mit unterschiedlichen Lebensauffassungen aufeinander. 

Eine Erbschaftsmediation kann vom Erblasser selbst in Anspruch genommen werden, um ihn bei der Erarbeitung eines einvernehmlichen Konzepts für den Erbfall zu unterstützen. Dieses Konzept kann der Erblasser dann in einem Testament oder Erbvertrag festlegen. Die Durchführung einer Erbschaftsmediation ist in diesem Fall geeignet, langwierige und kostenintensive Erbschaftsstreitigkeiten bereits im Vorhinein zu vermeiden.

Zu einem Großteil wird die Erbschaftsmediation jedoch dann eingesetzt, wenn Erbengemeinschaften keine einvernehmliche Lösung in Bezug auf das Erbe finden können. In diesen Fällen können in der Mediation Modalitäten für die Verteilung des Erbes ausgearbeitet werden, bei denen die Interessen aller Beteiligten Berücksichtigung finden.

Erbstreitigkeiten finden jedoch häufig nicht nur auf einer sachlichen Ebene statt, sondern sind auch mit Emotionen wie Trauer und anderen Gefühlen verbunden. In der Erbschaftsmediation steht die Bewältigung von persönlichen Konflikten nicht im Vordergrund. Dennoch lassen sich während der Mediationsgespräche Probleme unter den Familienangehörigen klären und Missverständnisse ausräumen. Dies wird durch eine direkte Ansprache aller Beteiligten und die so angeregte Kommunikation unterstützt. Im Idealfall lassen sich durch die Erbschaftsmediation nicht nur materielle und sachliche Probleme aus der Welt schaffen, sondern auch der Familienfrieden wieder hergestellt werden.

Im Vergleich zu einer gerichtlichen Erbauseinandersetzung lassen sich derartige Konflikte durch eine Erbschaftsmediation schneller und kostengünstiger lösen. Darüber hinaus werden diese Lösungen nicht einfach per Urteil oder Gerichtsentscheidung beschlossen, sondern nach den Ansprüchen und Wünschen aller am Mediationsverfahren Beteiligten nach Maßgabe der Fairness erarbeitet.

Weitere Informationen: www.streitvermittler-mediator.de/mediationsbereich/erbauseinandersetzung.html

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Synonyme - Erbkonflikt
Ergebnisoffenheit

Zu den Voraussetzungen für eine Mediation gehört, dass keinerlei Vorgaben für ein vorab festgelegtes Ergebnis bestehen. Mediationen sind immer so ausgerichtet, dass mit dem jeweiligen Ergebnis in der Zukunft gelebt werden kann. Mediationsverfahren sind also zukunftsorientiert ausgerichtet, was die Ergebnisoffenheit voraussetzt.

In Gerichtsprozessen stehen die Positionen der Verfahrensbeteiligten im Fokus. Die Fronten sind oft verhärtet, sodass kaum Verhandlungsbereitschaft besteht. In der Mediation wird im Gegenzug darauf gesetzt, mit Konflikten lösungsorientiert und konstruktiv umzugehen. Dies ermöglicht den Raum für gegenseitiges Verständnis für die Bedürfnisse, Positionen und Interessen des jeweils anderen. Während es in Gerichtsverfahren immer Gewinner und Verlierer gibt, zielt die Ergebnisoffenheit der Mediation auf die Erarbeitung einer Lösung, die von allen Beteiligten als fair empfunden wird. Hier entscheidet kein Gericht oder Richter, sondern die Beteiligten selbst finden und vereinbaren eine Lösung für ihren Konflikt. Diskutiert wird also auch nicht die Frage nach der Schuld oder eben Unschuld. Ergebnisoffenheit bedeutet bei der Mediation, dass gemeinsam ein sinnvoller und realisierbarer Weg gefunden wird, wie in der Zukunft miteinander umgegangen werden kann.  

Die Ergebnisoffenheit in der Mediation ist demnach wichtig, um Strategien für die Zukunft zu entwickeln. Die Vergangenheit wird im Mediationsverfahren nur insoweit aufgearbeitet, um alte Muster und Denkweisen hinterfragen zu können. Ansonsten hilft eine ergebnisoffene Mediation dabei, den sprichwörtlichen Strich unter die Vergangenheit zu machen und eine positive Zukunft zu gestalten.

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Synonyme - ergebnisoffen
Eskalationsstufen

Der österreichische Konfliktforscher Friedrich Glasl legte im Jahr 1980 ein Phasenmodell der Eskalation vor, das der Konfliktanalyse dient und in der Mediation dem Mediator dabei hilft, Situationen korrekt einzuschätzen. Das Modell von Glasl beschreibt Eskalation in drei Phasen mit jeweils drei Abstufungen, die als neun Eskalationsstufen bekannt wurden. Ganz bewusst nutzt Glasl dafür das Beispiel von Treppen oder Stufen, da eine Eskalation tief hinab in Regionen mit niederen Energien und unbeherrschbaren Zwängen sowie Ausuferungen führen kann.

Die Hauptphase beschreibt Glasl noch als eine Eskalationsphase, bei der beide Konfliktparteien von einer Win-Win-Situation profitieren können. In der zweiten Eskalationsphase wird eine Win-Lose-Situation beschrieben, bei der eine Partei gewinnt und die andere Partei verliert. In der dritten Eskalationsphase verlieren beide Parteien, weshalb Glasl sie mit einer Lose-Lose-Situation betitelt. Die drei Eskalationsphasen werden in neuen Eskalationsstufen unterteilt, die im Mediationsblog näher erläutert werden.

In Anlehnung an das so beschriebene Verhalten von Konfliktparteien empfiehlt Glasl je nach Eskalationsstufe folgende Strategie:

  • Stufe 1 bis 3 – Moderation
  • Stufe 3 bis 5 – Prozessbegleitung
  • Stufe 4 bis 6 – sozio-therapeutische Prozessbegleitung
  • Stufe 5 bis 7 – Mediation/Vermittlung
  • Stufe 6 bis 8 – gerichtliches Verfahren/Schiedsverfahren
  • Stufe 7 bis 9 – Machteingriff

Siehe auch https://www.streitvermittler-mediator.de/blog-mediation/eskalationsstufen-im-konfliktmanagement.html.

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Synonyme - Eskalation, Steigerung, Vergrößerung, Verstärkung
Exploration

Bei der Exploration handelt es sich um eine Phase des Mediationsverfahrens, in der das Hauptaugenmerk auf Konflikterhellung und Interessenklärung liegt.

Im strukturierten Mediationsverfahren geht es um die konstruktive Konfliktbearbeitung. Genutzt werden hierfür spezifische Kommunikationsmethoden und ein sorgfältig vorzubereitender Ablauf, der in mehrere Phasen gegliedert wird. Zu Beginn werden die Medianden über die Abläufe der Mediation informiert. Erörtert werden dabei auch die Rahmenbedingungen wie beispielsweise Kommunikationsregeln oder die Wahrung der Vertraulichkeit, die auch in der Mediationsvereinbarung festgehalten und dokumentiert werden.

Nachdem die weitere Vorgehensweise miteinander abgestimmt worden ist, stellen die Medianden zu Beginn der zweiten Mediationsphase ihre Sichtweisen und Standpunkte dar. Dabei werden die gegenständlichen Streitpunkte, Konfliktfelder und Themen für die weitere Bearbeitung innerhalb der Mediation gesammelt und strukturiert.

Die dann folgende Phase der Exploration stellt die dritte und umfangreichste Mediationsphase dar. In der Exploration erhalten die Medianden die Möglichkeit, ihre Sicht auf jedes gesammelte Thema detailliert darzustellen. In dieser Mediationsphase werden Daten, Informationen und Wahrnehmungen ausgetauscht, bevor auf Wünsche, Interessen und Bedürfnisse beider Seiten eingegangen wird. In der Exploration wird also umfassend auf den Konflikt eingegangen, sodass die Thematik beleuchtet und erhellt werden kann. Erst dann können verschiedene Lösungen erarbeitet und bewertet werden, da nun auch jeder weiß, wie der jeweils andere alle Themenbereiche betrachtet und einschätzt.

Am Ende der Mediation steht im Idealfall eine Win-Win-Lösung, durch die die Interessen der Medianden zu gleichen Teilen berücksichtigt werden und mit der alle zufrieden sind. Stimmen die Medianden einer gemeinsam erarbeiteten Lösung zu, wird diese verbindlich in die Abschlussvereinbarung aufgenommen und dokumentiert.

In der Exploration bedient sich der Mediator verschiedener Techniken. Hierzu gehört das Valuieren, die Anamnese, das Feedback, das Konfliktscreening, die Sachverhaltsmethode sowie Streitiges herausstellen.

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Externe Evaluation

Bei der Externen Evaluation handelt es sich um ein Konfliktbewertungsverfahren, das häufig in den USA genutzt wird. Bei der in den USA gebräuchlichen „Early Neutral Evaluation“ findet eine Bewertung von Argumenten sowie der Sach- und Rechtslage in Verhandlungen zwischen Anwälten und Entscheidungsträgern statt. Die Externe Evaluation wird dabei von einem neutralen und sachkundigen Dritten durchgeführt, der die Bezeichnung Evaluator trägt.

Bei einer Externen Evaluation kann vereinbart werden, dass die Verhandlung zunächst durch das Einreichen von Schriftsätzen vorbereitet wird. Die eigentliche Verhandlung kann dann durch konkrete Absprachen in Bezug auf Reihenfolge, Zeitablauf, Gesprächsregeln, Dokumente und vorzulegende Unterlagen strukturiert werden. Wenn die Parteien oder ihre Vertreter ihre Standpunkte in der Verhandlung vortragen, kann sich der Evaluator durch Nachfragen detaillierter über den Sachverhalt erkundigen und einschätzen, wie eine gerichtliche Auseinandersetzung wahrscheinlich verlaufen würde. Gängig sind Beratungspausen, die nicht selten dazu genutzt werden, dass die Parteien bereits einen Vergleich schließen. Ist die nicht der Fall, wird am Ende der Externen Evaluation eine Bewertung bekanntgegeben.

Bei der Externen Evaluation ist entscheidend, dass die Anwälte oder Entscheidungsträger der Parteien anwesend sind. Ihnen wird vor Augen geführt, welche Schwächen oder Stärken sowohl die eigene als auch die gegnerische Partei vorweisen kann. Diese Vorgehensweise kann den obligatorischen Optimismus relativieren und den Boden für Kompromisse wieder ebnen. Der sonst zwischen Klageeinreichung und Vergleichsschluss im Prozess ablaufende Aufwand an Zeit und Geld sowie die damit verbundenen Denkprozesse können sich durch die Externe Evaluation auf einen einzigen Tag reduzieren.

Sinn der Externen Evaluation ist also, den Parteien zu einer realistischen Einschätzung der eigenen Situation in ihrem Konflikt zu verhelfen, um eine gütliche Einigung zwischen den Parteien zu fördern. Der Evaluator kann begutachtend, schlichtend und vermittelnd in den Konflikt mit einbezogen werden. Ihm ist auch erlaubt, Vorschläge für die Führung eines Gerichtsprozesses zu unterbreiten. Dadurch, dass Anwälte und Entscheidungsträger der jeweiligen Parteien an der Externen Evaluation teilnehmen, wird fachliche Kompetenz gebündelt. Dies ermöglicht kreative und interessengerechte Konfliktlösungen. Das Verfahren der Externen Evaluation gilt als kostengünstig sowie zeitsparend und ist nicht öffentlich.

 

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© 2022 Frank Hartung » Ihr Mediator bei Konflikten in Familie, Erbschaft, Beruf, Wirtschaft, Nachbarschaft und Schule «  

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