Glossar Mediation

Fachbegriffe aus dem Spektrum der Mediation.

Wer sich zum ersten Mal mit dem Thema Mediation auseinandersetzt, wird häufig mit Begriffen aus dem juristischen Bereich konfrontiert. Ich möchte Sie jedoch nicht mit Fachbegriffen beeindrucken, sondern wünschen mir, dass Sie die Inhalte unserer Webseite auch verstehen. Dennoch gibt es Begriffe, bei denen ich der Meinung bin, dass ich sie zum besseren Verständnis noch einmal erläutern sollte. Ich hoffe sehr, dass Sie sich von meinem FAQ-Bereich – den ich im Übrigen kontinuierlich weiter ausbauen werde – motivieren lassen, sich noch detaillierter mit der Mediation zu befassen.

Bitte nutzen Sie meine Kontaktmöglichkeiten, wenn Sie weitere Fragen haben!

 

BegriffDefinition
Wahrnehmung in der Mediation

Nach der Definition handelt es sich bei der Wahrnehmung um einen geistig-körperlichen Prozess. Menschen stellen eine Anschauung von sich selbst und anderen her, indem ihnen chemische und physikalische Reize als sensorische Informationen über die Sinnesorgane vermittelt werden. Empfindungen und Eindrücke werden bewusst aufgenommen sowie verarbeitet. Gegenstände und Dinge werden betrachtet, erkannt, lokalisiert und differenziert, sodass auf sie reagiert werden kann.

Bei der Wahrnehmung spielen physiologische, kognitive und neuronale Prozesse eine übergeordnete Rolle. Die Erkenntnisfähigkeit des Menschen kann durch die Wahrnehmung beeinflusst werden. Umso präziser die Wahrnehmung, desto besser ist die Erkenntnisfähigkeit. Die Aufgabe des Mediators ist also, seine Medianden dabei zu unterstützen, ihre individuelle Wahrnehmung zu erweitern. Hierfür ist es erforderlich, dass der Mediator selbst über eine scharfe Wahrnehmung verfügt und deshalb bei seinen Medianden entsprechende Schwächen aufdecken kann.

Warum die Wahrnehmung für die Mediation so wichtig ist

In der Mediation sind Fakten anders zu behandeln als Meinungen und Meinungen wiederum anders zu behandeln als Emotionen. Bei Konflikten werden häufig Meinungen als Fakten vorgetragen, was nicht immer richtig ist. Andere Meinungen sind es durchaus wert, ebenfalls akzeptiert zu werden. Hier ist es Aufgabe des Mediators, für Klarstellung zu sorgen. Er muss Wahrnehmungen, Meinungen und Fakten zu diesem Zweck korrekt einordnen.

Wird bei einem Konflikt über Meinungen gestritten, ergeben sich daraus Hinweise auf deren Bedeutungen und Motive. Wer unbedingt möchte, dass jemand anderes die eigene Meinung teilt, hat daran ein besonderes Interesse, was der Mediator in der Mediation herausfinden muss. Wahrnehmungen sind dabei immer mit Emotionen verbunden. Sie führen zu Emotionen oder folgen Emotionen. Um diese Emotionen zu korrigieren und den Weg zu anderen Lösungen zu öffnen, sorgt der Mediator für einen Perspektivwechsel. Er hinterfragt und korrigiert also die Wahrnehmung.

Zugriffe - 3693
Synonyme - wahrnehmen
Wirtschaftsmediation

Eine Wirtschaftsmediation ist eine Mediation bei wirtschaftlich motivierten Konflikten. Auch in der Wirtschaftsmediation wird der 5-Phasen-Struktur gefolgt:

  1. Auftragsklärung
  2. Sammlung der Themen
  3. Interessen und Positionen
  4. Sammlung und Bewertung von Lösungsoptionen
  5. Abschlussvereinbarung

Wirtschaftsmediationen werden häufig bei zwischen- oder innerbetrieblichen Konflikten aus dem Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht und Zivilrecht angewandt. So gehören beispielsweise Probleme mit Mobbing oder auch Zahlungsstreitigkeiten zu den Konflikten, die durch eine Wirtschaftsmediation gütlich gelöst werden können. Um bei umfangreichen Projekten für effiziente und reibungslose Abläufe zu sorgen, kann die Wirtschaftsmediation auch präventiv bzw. begleitend eingesetzt werden.

Eine Wirtschaftsmediation ist dann geeignet und sinnvoll, wenn die Medianden den Konflikt freiwillig sowie eigenverantwortlich klären wollen und dem keine rechtlichen Beschränkungen oder Hinderungsgründe entgegenstehen. In der Wirtschaftsmediation behalten die Medianden die Lösungsfindung selbst in der Hand. Der Mediator führt sie dabei durch das strukturierte Verfahren bis zu einer vertraglich dokumentierten Vereinbarung. Dadurch eröffnen sich bei betrieblichen Konflikten im wirtschaftlichen Kontext viele Möglichkeiten für innovative und nachhaltige Lösungen für alle Beteiligten. Die Wirtschaftsmediation gilt als selbstbestimmte und verbindliche Alternative zu klassischen Gerichtsverfahren, Schiedsverfahren und Schlichtungsverfahren.

Siehe auch https://www.streitvermittler-mediator.de/mediationsbereich/wirtschaftsmediation.html.

Zugriffe - 5166
Wunderfrage

In der Mediationsausbildung erlernen Mediatoren verschiedene Fragetechniken, um sie gezielt als Werkzeuge einsetzen zu können.

Zu den bekannten Fragetechniken gehören geschlossene und offene Fragen. Geschlossene Fragen lassen sich in der Regel leicht mit „ja“ oder „nein“ beantworten, weshalb sie für das kommunikativ ausgelegte Mediationsverfahren wenig ergiebig erscheinen. Beispiele für geschlossene Fragen wären etwa „Waren Sie pünktlich?“ oder „Haben Sie zuerst den Kontakt abgebrochen?“. Für das Mediationsverfahren bieten sich geschlossene Fragen daher eher an, wenn Tatsachen festgestellt werden sollen.

Auf offene Fragen kommen hingegen viele umfangreiche Antworten in Betracht. Mit offenen Fragen wird gezielt nach Meinungen, Vorgängen oder Wünschen gefragt. Klassische Fragen dieser Sparte beginnen mit „Was?“, „Wie?“, „Wo?“, „Wann?“ oder „Wer?“ und bieten die Chance, die Beziehungen zwischen den Medianden zu fördern. Wenn in der Mediation beispielsweise „Was ist denn passiert?“ oder „Was hat Sie so sehr geärgert?“ gefragt wird, fallen die Antworten in der Regel ergiebig und detailliert aus. Offene Fragen bieten demnach ein hohes Maß für Wertschätzung und Empathie, was als Voraussetzung im Mediationsverfahren gilt.

Als ungünstige Fragetechnik in einer Mediation können sich „Warum?“-Fragen erweisen. Schon durch die Fragestellung bekommt der Gesprächspartner das Gefühl, sich für etwas rechtfertigen zu müssen. Das „Warum?“ hat den bitteren Beigeschmack einer Beschuldigung, weshalb die Frage im Mediationsverfahren eher selten genutzt wird.

Die Wunderfrage in der Mediation

Eine Besonderheit in der Mediation ist jedoch die Wunderfrage, die ebenfalls in den Bereich der offenen Fragen fällt. Erstmals berichtet hat Steve de Shazer über die Frageform der Wunderfrage, der als Begründer des lösungsorientierten Ansatzes im Rahmen der Systemischen Therapie gilt. Bei der Wunderfrage liegt der Fokus auf der Lösung und nicht auf dem Problem. Wunderfragen können auch in der Mediation das Verfahren vorantreiben. Eine Wunderfrage könnte zum Beispiel lauten: „Angenommen, Sie treffen sich am Sonntag mit Ihrem Ex-Mann. Und in der Nacht zum Sonntag ist ein Wunder geschehen und das Problem, weswegen Sie heute an dieser Mediation teilnehmen, ist gelöst. Da dieses Wunder jedoch in der Nacht stattgefunden hat, haben Sie noch keine Ahnung davon. Was halten Sie für das erste Anzeichen dafür, das darauf hinweist, dass Ihr Problem gelöst ist und wie Sie Ihrem Ex-Mann hiervon berichten würden?“

Wunderfragen bieten sehr viel Potenzial für Nachfragen und Präzisionsfragen. Die Einfälle, Ideen und Fantasien, die auf Wunderfragen geäußert werden, haben in der Regel einen positiven Charakter. Medianden werden durch Wunderfragen angeregt, sich Möglichkeiten für positive Veränderungen vorzustellen. Vor diesem Hintergrund können reale Schritte in Richtung Veränderung auch tatsächlich besser eingeleitet werden. Der lösungsorientierte Weg der Mediation kann durch eine Wunderfrage vorangetrieben werden, weshalb diese Fragen häufig in der Mediationsphase kurz vor der eigentlichen Lösungssuche gestellt werden.

Siehe auch: www.streitvermittler-mediator.de/blog-mediation/wunderfragen-in-der-mediation.html

Zugriffe - 1502

© 2021 Frank Hartung » Ihr Mediator bei Konflikten in Familie, Erbschaft, Beruf, Wirtschaft, Nachbarschaft und Schule «  

🏠 06844 Dessau-Roßlau, Albrechtstraße 116    ☎ 0340 530 952 03

 

Please publish modules in offcanvas position.