Glossar Mediation

Mere-Exposure-Effekt

Begriff Definition
Mere-Exposure-Effekt

Der Mere-Exposure-Effekt beschreibt die Tendenz von Menschen, Dinge oder Personen, die sie häufiger sehen oder erleben, positiver zu bewerten als solche, die ihnen weniger vertraut sind. Dieser Effekt kann in verschiedenen Situationen auftreten, wie zum Beispiel bei der Beurteilung von Produkten, Werbung, Musik oder sogar bei der Auswahl von Freunden oder Partnern.

Ursachen des Mere-Exposure-Effekts
Die Ursachen für den Mere-Exposure-Effekt sind noch nicht vollständig erforscht, aber es gibt einige Theorien, die versuchen, das Phänomen zu erklären. Eine davon ist die "Zwei-Faktoren-Theorie" von Zajonc (1968), die besagt, dass die Wiederholung eines Reizes dazu führt, dass wir uns an ihn gewöhnen und er dadurch weniger Angst oder Unsicherheit auslöst. Dies führt wiederum zu einer positiveren Bewertung des Reizes.
Die wiederholte Darbietung eines Reizes führt dazu, dass wir ihn als vertrauter und somit als sicherer und angenehmer empfinden. Dies kann auch erklären, warum wir uns häufiger zu Menschen hingezogen fühlen, die wir öfter sehen.

Auswirkungen des Mere-Exposure-Effekts
Der Mere-Exposure-Effekt kann verschiedene Auswirkungen haben, je nachdem in welchem Kontext er auftritt. Im Bereich der Werbung kann er dazu führen, dass wir ein Produkt positiver bewerten, wenn wir es öfter sehen, auch wenn wir uns nicht bewusst daran erinnern, es schon einmal gesehen zu haben. Dies kann dazu führen, dass wir eher dazu neigen, dieses Produkt zu kaufen.
Im sozialen Kontext kann der Mere-Exposure-Effekt dazu führen, dass wir uns zu Menschen hingezogen fühlen, die wir häufiger sehen, auch wenn wir sie nicht wirklich kennen. Dies kann auch erklären, warum wir uns in der Regel zu Menschen hingezogen fühlen, die in unserer Nähe leben oder arbeiten.
Ein Beispiel für den Mere-Exposure-Effekt ist eine Studie von Moreland und Beach (1992), bei der Studenten Fotos von Kommilitonen bewerten sollten. Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen, die öfter in der Klasse anwesend waren, von den anderen Studenten als attraktiver und sympathischer bewertet wurden, obwohl sie keine persönliche Interaktion mit ihnen hatten. Dies zeigt, dass allein die bloße Anwesenheit und Wiederholung des Sehens einer Person dazu führen kann, dass wir sie positiver bewerten.

Erklärung des Mere-Exposure-Effekts in der Mediation
In der Mediation spielt der Mere-Exposure-Effekt eine wichtige Rolle bei der Beziehungsgestaltung zwischen den Konfliktparteien. Durch die wiederholte Begegnung und Interaktion im Rahmen der Mediation werden die Parteien vertrauter miteinander und der Mere-Exposure-Effekt tritt ein. Dies kann dazu führen, dass die Parteien sich positiver gegenüberstehen und dadurch die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und Lösungsfindung steigt.

Beispiel
Ein Ehepaar befindet sich in einer Mediation, um ihre Scheidung zu regeln. Anfangs sind beide Parteien sehr distanziert und ablehnend gegenüber dem anderen. Im Laufe der Mediation treffen sie jedoch immer wieder aufeinander und arbeiten gemeinsam an der Lösung ihrer Konflikte. Durch die wiederholte Begegnung und Interaktion entsteht der Mere-Exposure-Effekt und die Parteien beginnen, sich positiver zu begegnen. Dadurch wird die Kommunikation und Zusammenarbeit erleichtert und die Mediation kann zu einer erfolgreichen Lösung des Konflikts führen.

Zusammenfassung
Der Mere-Exposure-Effekt beschreibt die Tendenz, dass wiederholte Darbietung eines Reizes zu einer positiveren Bewertung führt. In der Mediation kann dieser Effekt dazu beitragen, dass die Konfliktparteien sich positiver gegenüberstehen und dadurch die Zusammenarbeit und Lösungsfindung erleichtert wird. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der Mere-Exposure-Effekt auch dazu führen kann, dass negative Eindrücke verstärkt werden. Daher ist es in der Mediation wichtig, eine positive und vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, um den Mere-Exposure-Effekt zu nutzen und erfolgreich zu nutzen.

© 2024 Frank Hartung Ihr Mediator bei Konflikten in Familie, Erbschaft, Beruf, Wirtschaft und Schule

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