Glossar Mediation

Phasen der Veränderung

Begriff Definition
Phasen der Veränderung

Die Phasen der Veränderung wurden von dem amerikanischen Psychologen Dr. James Prochaska entwickelt. Er hat seine Forschung auf dem Gebiet der Verhaltensänderung durchgeführt und festgestellt, dass es bestimmte Muster gibt, die Menschen durchlaufen, wenn sie versuchen, ihr Verhalten zu ändern. Diese Muster können auf alle Arten von Veränderungen angewendet werden, sei es eine persönliche Veränderung, eine Veränderung in der Arbeitsumgebung oder eine Veränderung in der Gesellschaft.

Die Phasen der Veränderung sind nicht linear
Bevor wir uns mit den einzelnen Phasen befassen, ist es wichtig zu verstehen, dass die Phasen der Veränderung nicht linear sind. Das bedeutet, dass Menschen nicht unbedingt in einer bestimmten Reihenfolge durch alle Phasen gehen, sondern dass sie auch zwischen den Phasen hin und her springen können. Es ist auch möglich, dass jemand in einer bestimmten Phase stecken bleibt oder eine Phase überspringt. Jeder Mensch ist individuell und geht auf seine eigene Art und Weise mit Veränderungen um.

Die 6 Phasen der Veränderung

  1. Unbewusste Inkompetenz
    In dieser Phase ist sich eine Person nicht bewusst, dass sie ein Problem hat oder dass eine Veränderung notwendig ist. Sie ist sich nicht bewusst, dass es etwas gibt, das sie ändern müssen, und fühlt sich in ihrem Verhalten oder ihrer Situation wohl. Ein Beispiel hierfür könnte eine Person sein, die ungesund isst, aber sich nicht bewusst ist, dass dies zu gesundheitlichen Problemen führen kann.

  2. Bewusste Inkompetenz
    In dieser Phase wird sich eine Person bewusst, dass sie ein Problem hat oder dass eine Veränderung notwendig ist. Sie erkennt, dass ihr Verhalten oder ihre Situation nicht optimal ist und dass sie etwas ändern muss. Dies kann zu einem Gefühl der Frustration oder Unzufriedenheit führen. Ein Beispiel hierfür könnte eine Person sein, die erkennt, dass sie zu viel Zeit mit sozialen Medien verbringt und dadurch ihre Produktivität im Job beeinträchtigt wird.

  3. Vorbereitungsphase
    In dieser Phase beginnt eine Person, sich auf die Veränderung vorzubereiten. Sie fängt an, Informationen zu sammeln, sich über mögliche Lösungen zu informieren und Pläne zu machen, wie sie ihre Situation verbessern kann. Ein Beispiel hierfür könnte eine Person sein, die beschließt, ihre Ernährung umzustellen und sich über gesunde Ernährung informiert.

  4. Handlungsphase
    In dieser Phase setzt eine Person ihre Pläne in die Tat um und beginnt, ihr Verhalten oder ihre Situation zu ändern. Sie setzt sich konkrete Ziele und arbeitet aktiv daran, diese zu erreichen. Ein Beispiel hierfür könnte eine Person sein, die regelmäßig Sport treibt und sich gesund ernährt, um ihr Gewicht zu reduzieren.

  5. Erhaltungsphase
    In dieser Phase hat eine Person ihre Verhaltensänderung erfolgreich umgesetzt und arbeitet daran, sie aufrechtzuerhalten. Sie hat gelernt, mit möglichen Rückschlägen umzugehen und bleibt weiterhin motiviert, ihr neues Verhalten beizubehalten. Ein Beispiel hierfür könnte eine Person sein, die erfolgreich mit dem Rauchen aufgehört hat und weiterhin Strategien anwendet, um nicht rückfällig zu werden.

  6. Abschlussphase
    In dieser letzten Phase hat eine Person ihre Verhaltensänderung vollständig integriert und es ist zur Gewohnheit geworden. Sie hat ihr Ziel erreicht und ist zufrieden mit ihrer neuen Situation. Ein Beispiel hierfür könnte eine Person sein, die erfolgreich ihre Finanzen in den Griff bekommen hat und nun ein besseres Verständnis für ihre Ausgaben hat.

Phasen der Veränderung in der Mediation
In der Mediation beziehen sich Phasen der Veränderung auf den Prozess, den die Konfliktparteien durchlaufen, um eine Einigung zu erzielen und den Konflikt zu lösen. Dieser Prozess wird in der Regel in mehrere Stufen unterteilt, die jeweils bestimmte Merkmale und Herausforderungen aufweisen.

  • Vorbereitungsphase
    In dieser Phase entscheiden sich die Konfliktparteien, eine Mediation durchzuführen, um ihren Konflikt zu lösen. Sie treffen die Entscheidung, weil sie erkennen, dass sie ohne Hilfe keine Einigung erzielen können oder weil sie die Vorteile einer Mediation sehen. In dieser Phase werden die Konfliktparteien auch über den Ablauf und die Regeln der Mediation informiert.
    Beispiel
    Zwei Geschäftspartner haben einen Streit über die Aufteilung von Gewinnen. Sie entscheiden sich für eine Mediation, da sie erkennen, dass sie ohne Hilfe nicht zu einer Einigung kommen werden.

  • Eröffnungsphase
    In dieser Phase treffen die Konfliktparteien auf den Mediator und stellen sich gegenseitig vor. Der Mediator erklärt die Regeln und Ziele der Mediation und stellt sicher, dass alle Parteien bereit sind, den Konflikt zu lösen. Die Konfliktparteien haben auch die Möglichkeit, ihre Sichtweise des Konflikts darzulegen.
    Beispiel
    In der Eröffnungsphase einer Mediation zwischen den Geschäftspartnern teilen sie dem Mediator ihre Sichtweisen des Konflikts mit und erklären, welche Lösung sie sich wünschen.

  • Informationsphase
    In dieser Phase sammelt der Mediator Informationen über den Konflikt, indem er Fragen stellt und die Konfliktparteien dazu ermutigt, ihre Bedürfnisse und Interessen zu äußern. Die Konfliktparteien lernen auch die Perspektive der anderen Partei kennen und verstehen.
    Beispiel
    Der Mediator fragt die Geschäftspartner nach den Gründen für ihren Streit und welche Lösungen sie sich vorstellen. Er ermutigt sie auch, die Perspektive des anderen zu verstehen.

  • Verhandlungsphase
    In dieser Phase werden Lösungsmöglichkeiten entwickelt und diskutiert. Die Konfliktparteien versuchen, Kompromisse zu finden und eine Einigung zu erzielen. Der Mediator unterstützt sie dabei, eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden.
    Beispiel
    Die Geschäftspartner diskutieren verschiedene Möglichkeiten, wie sie ihre Gewinne aufteilen können, und versuchen, eine Lösung zu finden, mit der beide zufrieden sind.

  • Abschlussphase
    In dieser letzten Phase wird eine Vereinbarung zwischen den Konfliktparteien getroffen. Der Mediator stellt sicher, dass alle Punkte der Vereinbarung klar und eindeutig sind und dass die Parteien sich an die getroffenen Vereinbarungen halten werden.
    Beispiel
    Die Geschäftspartner einigen sich auf eine Aufteilung der Gewinne und unterschreiben eine Vereinbarung, die sie an die getroffenen Entscheidungen bindet.

 

Zusammenfassung
Die Veränderungsphasen nach Dr. James Prochaska sind ein Modell der Verhaltensänderung, das in verschiedenen Kontexten angewendet werden kann und nicht linear verläuft. Menschen durchlaufen sechs Phasen: Unbewusste Inkompetenz, Bewusste Inkompetenz, Vorbereitungsphase, Handlungsphase, Erhaltungsphase und Abschlussphase. In jeder Phase hat die Person unterschiedliche Herausforderungen zu bewältigen und benötigt individuelle Strategien. Dieses Modell findet auch Anwendung in der Mediation, wo es die Schritte beschreibt, die Konfliktparteien nehmen, um zu einer Einigung zu gelangen.

Synonyme: Veränderungsphasen
© 2024 Frank Hartung Ihr Mediator bei Konflikten in Familie, Erbschaft, Beruf, Wirtschaft und Schule

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