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Kommunikationstechniken in der Mediation – Gesprächsführung ohne Gesprächskontrolle

„Das habe ich so nicht gesagt.“ Dieser Satz kann in einem Konflikt schnell fallen. Einer sagt etwas, der andere hört etwas anderes – und schon wird nicht mehr nur darüber gestritten, was passiert ist, sondern auch darüber, was angeblich gesagt, gemeint oder verstanden wurde. In einer Mediation gehört es deshalb zu den Aufgaben des Mediators, Gespräche so zu begleiten, dass unterschiedliche Sichtweisen überhaupt miteinander besprechbar werden.

Dafür stehen ihm verschiedene Kommunikationstechniken zur Verfügung: zuhören, nachfragen, zusammenfassen, Aussagen in eigenen Worten zurückgeben oder einen anderen Blick auf eine Formulierung anbieten. Entscheidend ist aber nicht, möglichst viele Techniken anzuwenden. Entscheidend ist, was der Mediator mit dem Gesagten macht – und ob die Beteiligten sich darin noch wiederfinden.

 

Zuhören heißt noch nicht verstehen

Wenn ein Beteiligter seine Sicht schildert, hört der Mediator zunächst dieselben Worte wie alle anderen im Raum. Was diese Worte für den Sprecher bedeuten, weiß er damit noch nicht. Ein Satz wie „Ich konnte mich auf ihn nie verlassen“ kann sich auf nicht eingehaltene Termine beziehen, auf eine enttäuschte Erwartung oder auf etwas völlig anderes.

Aufmerksames Zuhören bedeutet deshalb nicht, möglichst schnell zu erkennen, was jemand „eigentlich“ sagen möchte. Es bedeutet zunächst, die eigene Interpretation nicht mit dem Gesagten zu verwechseln. Wo etwas unklar bleibt, kann der Mediator nachfragen. Manchmal zeigt sich dabei, dass ein scheinbar selbstverständlicher Begriff für die Beteiligten etwas sehr Unterschiedliches bedeutet.

 

Was passiert, wenn der Mediator das Gehörte wiedergibt?

Eine häufige Form der Gesprächsführung besteht darin, eine Aussage in eigenen Worten wiederzugeben oder einen längeren Gesprächsabschnitt zusammenzufassen. Ein Mediator könnte beispielsweise sagen: „Wenn ich Sie richtig verstanden habe, war für Sie weniger die Entscheidung selbst das Problem, sondern dass Sie vorher nicht einbezogen wurden.“ Der Beteiligte kann darauf antworten: „Ja, genau“ – oder ebenso: „Nein, darum geht es mir überhaupt nicht.“

Gerade diese zweite Antwort ist nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass etwas schiefgelaufen ist. Sie macht sichtbar, dass der Mediator etwas anders verstanden hat, als es gemeint war. Das kann geklärt werden, bevor seine Interpretation unbemerkt zur Grundlage des weiteren Gesprächs wird.

Denn eine Zusammenfassung ist keine Tonaufnahme. Sobald der Mediator das Gesagte mit eigenen Worten wiedergibt, trifft er eine Auswahl. Er entscheidet, was er aufgreift, was er weglässt und welche Begriffe er verwendet. Aus einem längeren Redebeitrag werden vielleicht zwei Sätze. Schon dadurch verändert sich etwas. Deshalb ist die Rückfrage wichtig, ob der Beteiligte sich in der Wiedergabe tatsächlich wiederfindet.

 

Reframing – ein anderer Rahmen für dieselbe Aussage?

Beim Reframing geht der Mediator noch einen Schritt weiter. Eine Aussage wird nicht nur verkürzt oder zusammengefasst, sondern in einen anderen sprachlichen Zusammenhang gestellt. Aus „Dem ist doch völlig egal, was mit mir passiert“ könnte beispielsweise werden: „Für Sie ist wichtig, dass Ihre Situation bei den Entscheidungen berücksichtigt wird.“

Eine solche Umformulierung kann es erleichtern, über einen Vorwurf ins Gespräch zu kommen. Sie kann aber auch etwas verändern, das dem Sprecher gerade wichtig war. Vielleicht wollte er tatsächlich seine Wut über das Verhalten des anderen ausdrücken und nicht lediglich ein Interesse formulieren. Ein Reframing ist deshalb kein sprachlicher Übersetzungsautomat, der aus einem „negativen“ Satz automatisch eine „konstruktive“ Aussage macht.

Auch hier bleibt entscheidend, ob der Beteiligte sich in der neuen Formulierung wiedererkennt. Ein schlichtes „Habe ich Sie damit richtig verstanden?“ kann wichtiger sein als eine besonders elegante Umformulierung.

 

Nicht jeder Vorwurf muss sofort entschärft werden

Wenn in einer Mediation ein harter Satz fällt, entsteht schnell der Impuls, ihn sprachlich abzumildern. Das kann sinnvoll sein, wenn die Art der Kommunikation ein weiteres Gespräch erschwert. Es kann aber ebenso wichtig sein, zunächst zu verstehen, was der Beteiligte mit seiner Aussage zum Ausdruck bringen möchte. Das gilt besonders dann, wenn Emotionen in der Mediation deutlich werden.

Der Mediator muss einen Vorwurf weder übernehmen noch bestätigen. Er muss ihn aber auch nicht sofort in eine freundlichere Botschaft verwandeln. Manchmal liegt gerade in der Nachfrage die bessere Möglichkeit: „Was genau meinen Sie damit?“ Aus einer pauschalen Bewertung kann dadurch eine konkretere Beschreibung werden, über die sich eher sprechen lässt.

 

Fragen verändern die Richtung eines Gesprächs

Auch Fragen gehören zur Gesprächsführung. Sie können etwas konkretisieren, einen bisher wenig beachteten Aspekt aufgreifen oder die Aufmerksamkeit auf die Zukunft richten. Gleichzeitig entscheidet jede Frage mit darüber, worüber anschließend gesprochen wird.

Deshalb ist nicht nur wichtig, wie eine Frage formuliert wird. Der Mediator sollte ebenso im Blick behalten, warum er sie gerade stellt. Möchte er etwas besser verstehen? Soll ein Punkt konkretisiert werden? Oder versucht er vielleicht bereits, die Beteiligten in eine Richtung zu bewegen, die ihm selbst sinnvoll erscheint? Zwischen Gesprächsführung und inhaltlicher Steuerung kann die Grenze schmal werden.

 

Auch Schweigen gehört zur Gesprächsführung

Kommunikationstechniken bestehen nicht nur aus dem, was ein Mediator sagt. Manchmal braucht ein Beteiligter einen Moment, um einen Gedanken zu Ende zu führen. Nach einer schwierigen Aussage kann eine Pause entstehen. Nicht jede solche Pause muss sofort mit einer neuen Frage gefüllt werden.

Das kann für den Mediator durchaus unangenehm sein. Wer ein Gespräch begleitet, verspürt möglicherweise den Impuls, dafür zu sorgen, dass es weitergeht. Doch auch eine solche Pause kann Teil professioneller Gesprächsführung sein. Entscheidend ist nicht, dass ständig gesprochen wird, sondern dass das Gespräch den Beteiligten gehört.

 

Gesprächsführung ist nicht Gesprächskontrolle

Ein Mediator bleibt in einem Gespräch nicht unsichtbar. Er gibt Struktur, greift Themen auf, fragt nach, fasst zusammen und achtet darauf, dass die Beteiligten Gelegenheit haben, ihre Sicht einzubringen. Damit beeinflusst er zwangsläufig den Verlauf der Mediation.

Die Grenze liegt dort, wo aus der Strukturierung eine inhaltliche Vorgabe wird. Der Mediator sollte nicht durch geschickte Formulierungen, ausgewählte Fragen oder besonders überzeugende Zusammenfassungen dafür sorgen, dass die Beteiligten zu dem Ergebnis gelangen, das er selbst für vernünftig hält. Genau an dieser Stelle zeigt sich auch die Bedeutung der professionellen Haltung des Mediators. Professionelle Gesprächsführung zeigt sich deshalb nicht daran, wie unauffällig ein Mediator ein Gespräch lenkt. Sie zeigt sich auch daran, ob für die Beteiligten erkennbar bleibt, dass ihre Aussagen, ihre Sichtweisen und ihre Entscheidungen ihnen gehören.

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