Glossar Mediation

Themenzentrierte Interaktion

Begriff Definition
Themenzentrierte Interaktion

Die Themenzentrierte Interaktion (TZI) ist ein Konzept der Gruppenarbeit, das von der deutschen Psychologin Ruth Cohn entwickelt wurde. Sie beschäftigte sich intensiv mit der Frage, wie Gruppen effektiv und harmonisch zusammenarbeiten können. Dabei stellte sie fest, dass die Wahl des richtigen Themas eine entscheidende Rolle spielt und entwickelte die Themenzentrierte Interaktion als Methode, um Gruppen zu leiten und zu fördern.

Grundprinzipien der Themenzentrierten Interaktion
Die Themenzentrierte Interaktion basiert auf drei grundlegenden Prinzipien: Demokratie, Autonomie und Integration. Demokratie bedeutet, dass alle Gruppenmitglieder gleichberechtigt sind und ihre Meinungen und Ideen einbringen können. Autonomie bedeutet, dass jeder Teilnehmer für seine eigenen Entscheidungen und Handlungen verantwortlich ist. Integration bedeutet, dass die verschiedenen Bedürfnisse und Interessen der Gruppenmitglieder berücksichtigt und miteinander verbunden werden.

Die drei Dimensionen der Themenzentrierten Interaktion
Die TZI umfasst drei Dimensionen, die in einem dynamischen Zusammenspiel stehen: die Sach-, die Ich- und die Wir-Dimension.

  • Die Sachebene: Aufgaben und Inhalte
    Die Sachebene umfasst alle Aspekte, die mit der Aufgabe oder dem Inhalt der Gruppenarbeit zu tun haben. Hier geht es um die Ziele, Themen, Aufgaben und Probleme, die in der Gruppe bearbeitet werden sollen. Die Sachebene ist also die Ebene der Sach- und Fachkompetenz. Sie ist wichtig, um die Gruppenarbeit effektiv und zielgerichtet gestalten zu können. Dabei ist es jedoch wichtig, dass die Aufgaben und Inhalte für alle Gruppenmitglieder verständlich und nachvollziehbar sind. Ein Beispiel hierfür wäre eine Gruppe, die sich mit dem Thema "Nachhaltigkeit" beschäftigt. Auf der Sachebene geht es darum, konkrete Maßnahmen und Handlungen zu erarbeiten, um nachhaltiger zu leben.

  • Die Beziehungsebene: Zwischenmenschliche Beziehungen
    Die Beziehungsebene bezieht sich auf die zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb der Gruppe. Hier geht es um die Art und Weise, wie die Gruppenmitglieder miteinander umgehen, kommunizieren und interagieren. Die Beziehungsebene ist entscheidend für ein gutes Gruppenklima und eine positive Zusammenarbeit. Sie umfasst Aspekte wie Vertrauen, Respekt, Wertschätzung, Konflikte und Kooperation. Eine gute Beziehungsebene ist wichtig, um eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Gruppenmitglieder wohl und akzeptiert fühlen. Ein Beispiel hierfür wäre eine Gruppe, in der die Mitglieder sich gegenseitig unterstützen und ermutigen, anstatt sich zu kritisieren oder zu bekämpfen.

  • Die Ich-Ebene: Persönliche Entwicklung
    Die Ich-Ebene bezieht sich auf die persönliche Entwicklung und das persönliche Wachstum der einzelnen Gruppenmitglieder. Hier geht es darum, dass jeder Einzelne seine Stärken und Schwächen erkennt, seine Rolle in der Gruppe findet und seine persönlichen Ziele und Bedürfnisse einbringen kann. Die Ich-Ebene ist wichtig, um die individuelle Persönlichkeit jedes Gruppenmitglieds zu berücksichtigen und zu fördern. Sie umfasst Aspekte wie Selbstreflexion, Selbstbewusstsein, Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit. Ein Beispiel hierfür wäre ein Gruppenmitglied, das durch die Gruppenarbeit seine Kommunikationsfähigkeiten verbessert und dadurch auch im privaten Umfeld von dieser persönlichen Entwicklung profitiert.

Zusammenhang der drei Dimensionen
Die drei Dimensionen der TZI stehen in einem engen Zusammenhang miteinander. Sie beeinflussen sich gegenseitig und sind alle gleichermaßen wichtig für eine erfolgreiche Gruppenarbeit. Wenn eine Dimension vernachlässigt wird, kann dies Auswirkungen auf die anderen Dimensionen haben. Zum Beispiel kann eine schlechte Beziehungsebene dazu führen, dass die Sachebene nicht effektiv bearbeitet werden kann. Oder eine fehlende Ich-Ebene kann dazu führen, dass einzelne Gruppenmitglieder sich nicht vollständig in die Gruppe einbringen können. Daher ist es wichtig, alle drei Dimensionen zu berücksichtigen und in Balance zu halten.

Die Rolle der Leitung in der Themenzentrierten Interaktion
Die Leitung einer TZI-Gruppe hat die Aufgabe, die drei Dimensionen miteinander in Einklang zu bringen und ein förderliches Gruppenklima zu schaffen. Dabei ist es wichtig, dass die Leitung eine demokratische Haltung einnimmt und die Autonomie der Gruppenmitglieder respektiert. Sie sollte auch darauf achten, dass alle drei Dimensionen ausgewogen berücksichtigt werden und die Gruppe nicht in eine einseitige Richtung driftet.

Die Phasen der Themenzentrierten Interaktion
Die TZI umfasst verschiedene Phasen, die den Prozess der Gruppenarbeit strukturieren. Zu Beginn steht die Klärung des Themas und die Sammlung von Ideen und Assoziationen dazu. In der zweiten Phase werden die verschiedenen Aspekte des Themas genauer betrachtet und diskutiert. In der dritten Phase geht es darum, Lösungen und Handlungsschritte zu erarbeiten. Die letzte Phase beinhaltet die Reflexion und Evaluation des Gruppenprozesses.

Beispiel
Ein Beispiel für die Anwendung der TZI ist eine Gruppe von Studierenden, die gemeinsam an einem Projekt arbeiten müssen. Das Thema des Projekts könnte beispielsweise "Nachhaltigkeit an der Universität" sein. In der ersten Phase der TZI würden die Studierenden Ideen und Gedanken zu diesem Thema sammeln. In der zweiten Phase würden sie die verschiedenen Aspekte von Nachhaltigkeit an der Universität diskutieren und mögliche Handlungsschritte erarbeiten. In der dritten Phase könnten sie dann konkrete Maßnahmen planen und umsetzen. In der letzten Phase würden sie den Erfolg ihres Projekts reflektieren und evaluieren.

Synonyme: TZI

© 2024 Frank Hartung » Ihr Mediator bei Konflikten in Familie, Erbschaft, Beruf, Wirtschaft und Schule «  

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