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Diskriminierung

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BegriffDefinition
Diskriminierung

Die Definition des Begriffs Diskriminierung umfasst verschiedene Formen der ungleichen Behandlung von Personen oder Gruppen aufgrund bestimmter Merkmale. Diskriminierung ist ein zentraler Begriff im Gleichbehandlungsrecht und beschreibt systematische Benachteiligungen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen.

 

Was bedeutet Diskriminierung? Grundlegende Definition

Der Begriff Diskriminierung beschreibt die ungleiche, benachteiligende oder ausgrenzende Behandlung von Personen oder Gruppen ohne sachlichen Grund. Im rechtlichen Kontext bezieht sich die Diskriminierung auf Handlungen, die gegen das Prinzip der Gleichbehandlung verstoßen und bestimmte Personen aufgrund unveränderlicher oder schützenswerter Eigenschaften benachteiligen.

Rechtliche Grundlagen der Diskriminierung

Das deutsche Recht definiert Diskriminierung primär durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das 2006 in Kraft trat.

Die Diskriminierung im AGG umfasst sowohl direkte als auch indirekte Formen der Benachteiligung.
  1. Direkte Diskriminierung liegt vor, wenn eine Person aufgrund eines geschützten Merkmals schlechter behandelt wird als eine andere Person in einer vergleichbaren Situation.
  2. Indirekte Diskriminierung nach der Diskriminierung des AGG tritt auf, wenn scheinbar neutrale Vorschriften, Kriterien oder Verfahren Personen mit bestimmten Merkmalen in besonderer Weise benachteiligen, es sei denn, die betreffenden Vorschriften sind durch ein rechtmäßiges Ziel sachlich gerechtfertigt.

Wesentliche Aspekte der Diskriminierung

  1. Geschützte Merkmale
    Die Diskriminierung im deutschen Recht schützt vor Benachteiligungen aufgrund folgender Merkmale:
    • Ethnische Herkunft und Rasse: Schutz vor rassistischen Diskriminierungen
    • Geschlecht: Gleichstellung von Männern, Frauen und diversen Geschlechtsidentitäten
    • Religion oder Weltanschauung: Schutz der Glaubens- und Gewissensfreiheit
    • Behinderung: Förderung der Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen
    • Alter: Schutz vor altersbedingter Diskriminierung
    • Sexuelle Identität: Schutz von LGBTIQ+ Personen
  2. Lebensbereiche der Diskriminierung
    Die Diskriminierung erstreckt sich auf verschiedene gesellschaftliche Bereiche:
    1. Arbeitsleben: Diskriminierung bei Bewerbungen, Beförderungen, Entlohnung oder Kündigung stellt einen Schwerpunkt dar. 
    2. Bildung: Diskriminierung in Schulen und Universitäten kann Bildungschancen erheblich beeinträchtigen und zu struktureller Benachteiligung führen.
    3. Wohnungsmarkt: Die Wohnungssuche ist für Menschen mit Migrationshintergrund oft von diskriminierenden Praktiken geprägt, wie aktuelle Testverfahren belegen.
    4. Gesundheitswesen: Ungleiche medizinische Behandlung aufgrund von Vorurteilen kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.
  3. Formen der Diskriminierung
    Die Diskriminierung unterscheidet zwischen verschiedenen Erscheinungsformen:
    1. Strukturelle Diskriminierung bezeichnet systematische Benachteiligungen, die in gesellschaftlichen Strukturen und Institutionen verankert sind. Diese Form der Diskriminierung wirkt oft subtil und ist schwer zu identifizieren.
    2. Intersektionale Diskriminierung beschreibt die Überschneidung mehrerer Diskriminierungsmerkmale. Menschen können gleichzeitig aufgrund verschiedener Eigenschaften benachteiligt werden, was zu komplexen Diskriminierungserfahrungen führt.
    3. Positive Diskriminierung oder Affirmative Action bezeichnet gezielte Fördermaßnahmen für benachteiligte Gruppen. Diese umstrittene Form soll historische Benachteiligungen ausgleichen.

 

Zentrale Abgrenzungen der Diskriminierung

  • Diskriminierung vs. Ungleichbehandlung
    Nicht jede Ungleichbehandlung stellt automatisch eine Diskriminierung dar. Die Diskriminierung erfordert, dass die unterschiedliche Behandlung ohne sachlichen Grund erfolgt oder auf geschützten Merkmalen basiert. Sachlich gerechtfertigte Unterscheidungen, wie fachliche Qualifikationen bei Stellenbesetzungen, fallen nicht unter die Diskriminierung.
  • Diskriminierung vs. Mobbing
    Während Mobbing systematische Schikane am Arbeitsplatz oder in anderen sozialen Kontexten beschreibt, bezieht sich die Diskriminierung spezifisch auf Benachteiligungen aufgrund geschützter Merkmale. Mobbing kann diskriminierenden Charakter haben, muss aber nicht zwangsläufig unter die rechtliche Diskriminierung fallen.
  • Diskriminierung vs. Hate Speech
    Hassrede (Hate Speech) und Diskriminierung überschneiden sich teilweise, sind aber rechtlich unterschiedlich geregelt. Während die Diskriminierung primär das Gleichbehandlungsrecht betrifft, fällt Hate Speech unter das Strafrecht und die Meinungsäußerungsfreiheit.

 

Rechtfertigungsgründe und Ausnahmen

Die Diskriminierung kennt bestimmte Ausnahmen und Rechtfertigungsgründe:
  1. Berufliche Anforderungen: Wenn bestimmte Eigenschaften für die Ausübung einer Tätigkeit unerlässlich sind, kann eine unterschiedliche Behandlung gerechtfertigt sein.
  2. Positive Maßnahmen: Gezielte Förderung unterrepräsentierter Gruppen kann rechtlich zulässig sein, wenn sie der Herstellung tatsächlicher Gleichberechtigung dient.
  3. Verhältnismäßigkeit: Unterscheidungen müssen angemessen und erforderlich sein, um ein legitimes Ziel zu erreichen.

 

Diskriminierung in der Mediation

  1. Mediation als Instrument der Konfliktlösung
    Mediation bei Diskriminierungskonflikten bietet einen alternativen Weg zur gerichtlichen Auseinandersetzung. Die Diskriminierung spielt in der Mediation eine zentrale Rolle, da Mediatoren ein tiefes Verständnis für verschiedene Diskriminierungsformen benötigen.
  2. Besonderheiten der Diskriminierungsmediation
    1. Machtgefälle:
      Diskriminierungskonflikte sind oft von strukturellen Machtungleichgewichten geprägt. Mediatoren müssen diese Dynamiken erkennen und ausgleichen.
    2. Emotionale Belastung:
      Diskriminierungserfahrungen sind häufig mit starken emotionalen Reaktionen verbunden. Die Aufarbeitung erfordert besondere Sensibilität und Fachkompetenz.
    3. Systemische Aspekte:
      Diskriminierung ist selten ein isoliertes Problem zwischen zwei Personen, sondern oft Ausdruck systemischer Probleme in Organisationen oder der Gesellschaft.
  3. Voraussetzungen für erfolgreiche Mediation
    Erfolgreiche Mediation bei Diskriminierungskonflikten erfordert:
    1. Freiwilligkeit: Alle Beteiligten müssen freiwillig an der Mediation teilnehmen und zur konstruktiven Problemlösung bereit sein.
    2. Qualifizierte Mediatoren: Spezielle Ausbildung in Antidiskriminierung und interkultureller Kompetenz ist essentiell.
    3. Strukturelle Veränderungen: Mediation sollte nicht nur individuelle Konflikte lösen, sondern auch systemische Veränderungen anstoßen.
  4. Grenzen der Mediation bei Diskriminierung
    Die Diskriminierung umfasst auch Bereiche, in denen Mediation an ihre Grenzen stößt:
    1. Schwere Rechtsverletzungen: Bei gravierenden Diskriminierungsfällen ist oft eine rechtliche Klärung erforderlich.
    2. Wiederholungstäter: Wenn systematische Diskriminierung vorliegt, reicht Mediation allein meist nicht aus.
    3. Präzedenzwirkung: Manche Fälle erfordern eine gerichtliche Entscheidung, um Rechtssicherheit zu schaffen.
  5. Erfolgsfaktoren in der Diskriminierungsmediation
    1. Kulturelle Sensibilität: Mediatoren müssen verschiedene kulturelle Hintergründe verstehen und respektieren.
    2. Vorurteilsbewusstsein: Die Reflexion eigener Vorurteile ist für Mediatoren unerlässlich.
    3. Systemisches Denken: Diskriminierung muss im größeren gesellschaftlichen Kontext betrachtet werden.
    4. Nachhaltige Lösungen: Mediation sollte langfristige Veränderungen bewirken, nicht nur kurzfristige Konfliktbeilegung.

 

Präventive Maßnahmen und gesellschaftliche Verantwortung

  1. Organisationale Antidiskriminierungsarbeit
    Unternehmen und Institutionen entwickeln zunehmend umfassende Diversity-Management-Strategien. Diese basieren auf einem erweiterten Verständnis der Diskriminierung und umfassen:
    1. Bewusstseinsbildung: Schulungen und Workshops zur Sensibilisierung für verschiedene Formen der Diskriminierung.
    2. Strukturelle Reformen: Überprüfung und Anpassung von Prozessen, die unbeabsichtigt diskriminierende Wirkungen haben können.
    3. Beschwerdemechanismen: Etablierung vertrauensvoller Meldewege für Diskriminierungserfahrungen.

 

Gesellschaftliche Entwicklungen

Die Diskriminierung entwickelt sich kontinuierlich weiter, da gesellschaftliche Sensibilität für verschiedene Benachteiligungsformen zunimmt. Neue Diskriminierungsformen wie Lookismus (Diskriminierung aufgrund des Aussehens) oder Klassismus (Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft) finden zunehmend Beachtung.

 

Fazit

Diskriminierung ist ein vielschichtiges Problem, das rechtliche und gesellschaftliche Herausforderungen beinhaltet. Um eine gerechte Gesellschaft zu fördern, ist es wichtig, Diskriminierung zu verstehen und anzugehen. Mediation kann helfen, nachhaltige Veränderungen zu bewirken, wenn sie richtig eingesetzt wird und man bereit ist, strukturelle Probleme zu adressieren. Gesellschaftliche Lernprozesse sind notwendig, um alle Formen der Benachteiligung zu überwinden und eine inklusive Gesellschaft zu schaffen. Die Bekämpfung von Diskriminierung benötigt rechtliche Maßnahmen und gesellschaftliches Engagement. Mediation kann dabei ein nützliches Werkzeug sein.

© 2026 Frank Hartung Ihr Mediator bei Konflikten in Familie, Erbschaft, Beruf, Wirtschaft und Schule

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