Ist eine Mediation möglich, wenn eine Konfliktpartei ausgeprägte narzisstische Verhaltensweisen zeigt? Diese Frage stellt sich besonders häufig bei belastenden Trennungen, kann aber ebenso bei Erbschafts-, Familien- oder Wirtschaftskonflikten auftreten. Wer wiederholt Abwertung, Dominanz oder Einschüchterung erlebt hat, zweifelt verständlicherweise daran, ob ein gemeinsames Gespräch unter solchen Bedingungen sinnvoll ist.
Eine Mediation mit einer Person, der narzisstische Eigenschaften zugeschrieben werden, ist nicht allein aufgrund dieser Zuschreibung ausgeschlossen. Entscheidend sind die konkreten Verfahrensbedingungen: Nehmen die Beteiligten freiwillig teil? Können sie ihre Interessen ausreichend frei vertreten? Ist eine eigenverantwortliche Verständigung möglich? Fehlen diese Voraussetzungen und lassen sie sich nicht herstellen, ist die Mediation nicht geeignet.
Die Aufgabe des Mediators besteht nicht darin, eine Persönlichkeit zu verändern oder eine Einigung um jeden Preis herbeizuführen. Er muss die Voraussetzungen des Verfahrens prüfen, die faire Beteiligung aller Parteien gewährleisten und erkennen, wann die Grenzen der Mediation erreicht sind.