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SOLER-Methode

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SOLER-Methode

Die SOLER-Methode revolutioniert zwischenmenschliche Kommunikation durch strukturiertes aktives Zuhören. Diese bewährte Technik aus der humanistischen Psychologie ermöglicht es, Gespräche bewusster zu führen und tiefere Verbindungen aufzubauen. Entwickelt von Gerard Egan in den 1970er Jahren, hat sich die SOLER-Methode als unverzichtbares Werkzeug in Coaching, Mediation und zwischenmenschlicher Kommunikation etabliert. Die SOLER-Methode bietet dabei einen praxiserprobten Rahmen für professionelle und private Kommunikationssituationen.

 

Definition der SOLER-Methode

  1. Die SOLER-Methode ist ein systematisches Kommunikationsmodell, das fünf wesentliche Komponenten für effektives aktives Zuhören definiert. Das Akronym SOLER steht für:
    1. Square shoulders (gerade Schultern),
    2. Open posture (offene Körperhaltung),
    3. Lean in (sich hineinlehnen),
    4. Eye contact (Augenkontakt) 
    5. Relax (entspannt bleiben).
  2. Diese Methode basiert auf der Erkenntnis, dass erfolgreiche Kommunikation zu 55% aus Körpersprache, zu 38% aus Tonfall und nur zu 7% aus dem gesprochenen Wort besteht. Gerard Egan entwickelte dieses Konzept ursprünglich für therapeutische Gespräche, erkannte jedoch schnell dessen universelle Anwendbarkeit in verschiedenen Kommunikationskontexten.
  3. Die SOLER-Methode unterscheidet sich von anderen Kommunikationstechniken durch ihre ganzheitliche Herangehensweise. Während viele Methoden primär auf verbale Techniken fokussieren, integriert SOLER bewusst nonverbale Elemente als gleichwertige Kommunikationskomponenten. Diese Integration macht die Methode besonders wirkungsvoll in emotionalen oder konfliktreichen Gesprächssituationen.

 

Wesentliche Aspekte der SOLER-Methode

  • Square Shoulders - Gerade Schultern
    Die erste Komponente der SOLER-Methode betont die Bedeutung einer aufrechten, zugewandten Körperhaltung. Gerade Schultern signalisieren Aufmerksamkeit, Respekt und Bereitschaft zum Dialog. Diese Haltung vermittelt dem Gesprächspartner unbewusst Wertschätzung und Interesse. Neuropsychologische Forschungen zeigen, dass aufrechte Körperhaltung nicht nur die Wahrnehmung des Gegenübers beeinflusst, sondern auch die eigene mentale Verfassung stärkt. 
  • Open Posture - Offene Körperhaltung
    Offene Körpersprache eliminiert physische Barrieren zwischen Gesprächspartnern. Verschränkte Arme, zusammengepresste Beine oder abgewandte Körperpositionen können unbewusst Ablehnung oder Desinteresse signalisieren. Die SOLER-Methode empfiehlt bewusst offene Gesten und Positionen. Diese Offenheit schafft psychologische Sicherheit und ermutigt den Gesprächspartner, sich authentisch zu äußern. 
  • Lean In - Sich Hineinlehnen
    Physische Nähe durch leichtes Hineinlehnen demonstriert aktives Interesse und Engagement. Diese Geste signalisiert: "Was Sie sagen, ist wichtig für mich." Dabei ist die richtige Dosierung entscheidend - zu viel Nähe kann als aufdringlich empfunden werden, zu wenig als Desinteresse.
    Kulturelle Unterschiede spielen hier eine bedeutende Rolle. Während in westlichen Kulturen leichtes Hineinlehnen positiv interpretiert wird, können andere Kulturen größere Distanzen bevorzugen. Die SOLER-Methode muss daher kulturell sensibel angewendet werden.
  • Eye Contact - Augenkontakt
    Angemessener Augenkontakt bildet das Herzstück nonverbaler Kommunikation. Die SOLER-Methode empfiehlt 50-70% direkten Blickkontakt während Gesprächen. Zu intensiver Blickkontakt kann als aggressiv empfunden werden, zu wenig als Desinteresse oder Unsicherheit. Moderne Neurowissenschaft bestätigt die Bedeutung von Augenkontakt für zwischenmenschliche Verbindungen. 
  • Relax - Entspannt Bleiben
    Die letzte Komponente betont die Bedeutung innerer Ruhe und Gelassenheit. Entspannung überträgt sich unbewusst auf den Gesprächspartner und schafft eine vertrauensvolle Atmosphäre. Stress und Anspannung hingegen können Gespräche belasten und Kommunikationsbarrieren errichten. Entspannung in der SOLER-Methode bedeutet nicht Passivität, sondern bewusste Präsenz ohne inneren Druck. Atemtechniken, Achtsamkeitsübungen und mentale Vorbereitung unterstützen diese entspannte Aufmerksamkeit.

 

Spezifische Grenzen und Abgrenzungen der SOLER-Methode

  • Kulturelle Limitationen
    Die SOLER-Methode basiert primär auf westlichen Kommunikationsnormen und kann in anderen Kulturen kontraproduktiv wirken. In asiatischen Kulturen beispielsweise wird direkter Augenkontakt oft als respektlos oder aggressiv interpretiert. Die Methode erfordert daher kulturelle Adaptation und Sensibilität.
  • Situative Einschränkungen
    Die SOLER-Methode eignet sich nicht für alle Gesprächssituationen.
    • In Krisensituationen, bei traumatisierten Personen oder in hochemotionalen Konflikten können die Standardregeln der Methode angepasst oder temporär ausgesetzt werden müssen.
    • Besonders bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen oder sozialen Ängsten kann die strikte Anwendung der SOLER-Komponenten belastend wirken. Hier ist individuelle Anpassung und professionelle Einschätzung erforderlich.
  • Authentizität versus Technik
    Eine wesentliche Kritik an der SOLER-Methode betrifft die Gefahr mechanischer Anwendung. Wenn die Technik zu bewusst oder unnatürlich eingesetzt wird, kann sie als manipulativ oder unaufrichtig empfunden werden. Echte Kommunikation erfordert neben technischer Kompetenz auch emotionale Authentizität.
  • Grenzen bei virtueller Kommunikation
    Die zunehmende Digitalisierung stellt die SOLER-Methode vor neue Herausforderungen. In Videokonferenzen oder telefonischen Gesprächen können nicht alle Komponenten vollständig umgesetzt werden. Die Methode muss für digitale Kommunikationsformen adaptiert werden.

 

SOLER-Methode im Alltag

  • Familiäre Kommunikation
    In Familiengesprächen kann die SOLER-Methode Beziehungen stärken und Konflikte reduzieren. Besonders in Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen signalisiert die bewusste Anwendung der Methode Wertschätzung und Interesse. Eltern berichten von verbesserten Beziehungen und offenerer Kommunikation nach Anwendung der SOLER-Prinzipien.
    Die Methode hilft dabei, den oft hektischen Familienalltag bewusster zu gestalten und qualitätvolle Gespräche zu fördern. Statt nebenbei zu kommunizieren, schafft SOLER Momente echter Aufmerksamkeit und Präsenz.
  • Berufliche Anwendung
    Im Arbeitskontext verbessert die SOLER-Methode Mitarbeitergespräche, Teambesprechungen und Kundenkommunikation. Führungskräfte, die diese Technik beherrschen, schaffen vertrauensvollere Arbeitsatmosphären und können Konflikte frühzeitig erkennen und lösen.
  • Freundschaften und Partnerschaften
    In persönlichen Beziehungen fördert die SOLER-Methode Intimität und Verständnis. Partner lernen, einander bewusster zuzuhören und nonverbale Signale zu deuten. Dies führt zu tieferen Gesprächen und stärkeren emotionalen Verbindungen.
    Besonders in Konfliktgesprächen zwischen Partnern kann die Methode deeskalierend wirken und konstruktive Lösungen fördern. Die bewusste Körpersprache signalisiert Respekt auch in schwierigen Momenten.

 

SOLER-Methode in der Mediation

  1. Vertrauensaufbau zwischen Konfliktparteien
    Mediatoren nutzen die SOLER-Methode gezielt zum Aufbau von Vertrauen und Sicherheit. In Mediationsprozessen, wo Parteien oft misstrauisch und angespannt sind, schafft die bewusste Anwendung der SOLER-Prinzipien eine professionelle, wertschätzende Atmosphäre. Die nonverbale Kommunikation des Mediators beeinflusst maßgeblich die Bereitschaft der Parteien zur Kooperation
  2. Emotionale Regulation
    In hochemotionalen Konfliktsituationen hilft die SOLER-Methode Mediatoren, selbst ruhig und präsent zu bleiben. Diese Gelassenheit überträgt sich auf die Konfliktparteien und ermöglicht konstruktive Gespräche auch in schwierigen Momenten.
    Die entspannte, aber aufmerksame Haltung des Mediators signalisiert professionelle Kompetenz und schafft psychologische Sicherheit für alle Beteiligten. Dies ist besonders wichtig in Familienmediationen oder Arbeitsplatzkonflikten.
  3. Strukturierung des Mediationsprozesses
    Die SOLER-Methode unterstützt Mediatoren dabei, den Gesprächsfluss zu steuern und allen Parteien gleichmäßige Aufmerksamkeit zu schenken. Durch bewusste Körpersprache können Mediatoren nonverbal signalisieren, wer sprechen soll und wie lange Redebeiträge angemessen sind.

 

SOLER-Methode im Coaching

  1. Coaching-Beziehung stärken
    Im Coaching bildet die SOLER-Methode das Fundament für eine vertrauensvolle Coach-Klient-Beziehung. Die bewusste nonverbale Kommunikation signalisiert dem Klienten Wertschätzung, Aufmerksamkeit und professionelle Kompetenz. Coaches berichten, dass die konsequente Anwendung der SOLER-Prinzipien die Öffnungsbereitschaft ihrer Klienten deutlich erhöht. Menschen teilen sich eher mit, wenn sie sich gesehen und gehört fühlen.
  2. Erkenntnisprozesse fördern
    Die SOLER-Methode unterstützt Coaches dabei, tiefere Erkenntnisprozesse bei ihren Klienten anzustoßen. Durch aktives Zuhören und bewusste Präsenz entstehen Räume für Reflexion und Selbsterkenntnis. Besonders in Momenten des Schweigens, die im Coaching wichtig für Verarbeitungsprozesse sind, hilft die entspannte Aufmerksamkeit der SOLER-Methode dabei, diese Pausen auszuhalten und produktiv zu nutzen.
  3. Systemisches Coaching
    Im systemischen Coaching ermöglicht die SOLER-Methode Coaches, komplexe Beziehungsdynamiken besser zu erfassen. Die bewusste Wahrnehmung nonverbaler Signale hilft dabei, unausgesprochene Themen zu identifizieren und anzusprechen.
  4. Integration in verschiedene Coaching-Ansätze
    1. Lösungsfokussiertes Coaching
      In lösungsfokussierten Coaching-Ansätzen verstärkt die SOLER-Methode die Wirkung positiver Gesprächsführung. Die bewusste Körpersprache unterstützt die Fokussierung auf Ressourcen und Lösungen.
    2. Emotionsfokussiertes Coaching
      Bei emotionalen Themen schafft die SOLER-Methode Sicherheit und Halt. Klienten können schwierige Gefühle leichter ausdrücken, wenn sie sich durch die Körpersprache des Coaches gehalten und verstanden fühlen.

 

Fazit

Die SOLER-Methode erweist sich als vielseitiges und wirkungsvolles Instrument für professionelle und private Kommunikation. Ihre Stärke liegt in der systematischen Integration nonverbaler Kommunikationselemente, die oft unterschätzt werden, aber maßgeblich zum Gesprächserfolg beitragen.

Trotz ihrer Effektivität ist die SOLER-Methode kein Allheilmittel. Kulturelle Sensibilität, situative Anpassung und authentische Anwendung sind entscheidend für ihren Erfolg. Die Methode sollte als Werkzeug verstanden werden, das professionelle Kompetenz unterstützt, aber echte Empathie und Interesse nicht ersetzen kann.

In einer zunehmend digitalisierten Welt gewinnt bewusste, präsente Kommunikation an Bedeutung. Die SOLER-Methode bietet hier einen strukturierten Ansatz, um auch in herausfordernden Gesprächssituationen professionell und wertschätzend zu kommunizieren.

Für Coaches, Mediatoren und alle, die beruflich oder privat viel kommunizieren, stellt die SOLER-Methode eine wertvolle Bereicherung dar. Ihre Anwendung erfordert Übung und Reflexion, belohnt aber mit deutlich verbesserten Gesprächsqualitäten und stärkeren zwischenmenschlichen Beziehungen.

Die Zukunft der Kommunikation liegt nicht in neuen Technologien allein, sondern in der bewussten Gestaltung menschlicher Begegnungen. Die SOLER-Methode leistet hierzu einen wichtigen Beitrag und wird auch in den kommenden Jahren ihre Relevanz behalten.

© 2026 Frank Hartung Ihr Mediator bei Konflikten in Familie, Erbschaft, Beruf, Wirtschaft und Schule

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