
| Begriff | Definition |
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| Verdeckte Emotionen | Als „verdeckte Emotionen“ werden meist Gefühle bezeichnet, die ein Mensch erlebt, aber nicht oder nicht vollständig nach außen zeigt oder ausspricht. Das kann bewusst geschehen, etwa wenn jemand seinen Ärger in einem beruflichen Gespräch zurückhält. Es kann aber auch vorkommen, dass ein Mensch sein eigenes emotionales Erleben noch nicht eindeutig wahrnimmt oder benennen kann. „Verdeckte Emotionen“ sind allerdings keine einheitlich definierte wissenschaftliche Emotionskategorie. Der Begriff beschreibt vielmehr unterschiedliche Situationen, in denen inneres Erleben und äußerer Ausdruck nicht übereinstimmen. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches: Menschen regulieren ihren emotionalen Ausdruck abhängig von Situation, sozialen Erwartungen und persönlichen Zielen.
Warum werden Emotionen verborgen?Menschen zeigen nicht immer alles, was sie fühlen. Dafür kann es viele Gründe geben. Sie möchten einen Konflikt nicht verschärfen, ihre Verletzlichkeit schützen, professionell auftreten oder Rücksicht auf andere nehmen. Auch gesellschaftliche und kulturelle Erwartungen können beeinflussen, welche Gefühle in einer bestimmten Situation offen gezeigt werden. Das Zurückhalten einer Emotion muss deshalb weder unehrlich noch problematisch sein. Wer während eines schwierigen Gesprächs seinen Ärger nicht unmittelbar ausdrückt, kann sich beispielsweise bewusst regulieren. Zwischen dem Erleben einer Emotion und ihrem sichtbaren Ausdruck liegt ein Spielraum, den Menschen unterschiedlich nutzen.
Emotionsregulation, Unterdrückung und Verdrängung – ist das dasselbe?Emotionsregulation ist ein Oberbegriff für Prozesse, mit denen Menschen beeinflussen, welche Emotionen sie erleben, wann sie auftreten und wie sie erlebt oder ausgedrückt werden. Dazu kann beispielsweise gehören, eine Situation anders zu bewerten, die Aufmerksamkeit zu verändern oder den sichtbaren Ausdruck einer Emotion zurückzuhalten. Von expressiver Unterdrückung wird gesprochen, wenn der sichtbare Ausdruck einer bereits ausgelösten Emotion bewusst gehemmt oder vermindert wird. Ein Mensch kann beispielsweise verärgert sein, sich aber entscheiden, diesen Ärger in einer bestimmten Situation nicht zu zeigen. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass damit auch das subjektive Erleben der Emotion verschwindet. Davon zu unterscheiden ist der Begriff der Verdrängung, der vor allem aus psychoanalytischen und psychodynamischen Theorien stammt. Dort bezeichnet er einen unbewussten Abwehrprozess, durch den belastende Vorstellungen, Wünsche oder andere psychische Inhalte dem bewussten Erleben entzogen werden. Verdrängung ist deshalb nicht einfach ein anderes Wort für das bewusste Zurückhalten eines Gefühls.
Kann man verdeckte Emotionen am Körper erkennen?Auch eine nicht offen gezeigte Emotion kann mit körperlichen Veränderungen verbunden sein. Herzschlag, Atmung, Muskelspannung oder andere körperliche Vorgänge können sich verändern, ohne dass ein Mensch sein emotionales Erleben ausdrücklich mitteilt. Solche Veränderungen verraten jedoch nicht eindeutig, welche Emotion vorliegt. Eine erhöhte körperliche Erregung kann unterschiedliche Ursachen haben und muss nicht einmal emotional bedingt sein. Körperliche Reaktionen können deshalb Hinweise liefern, sind aber kein verlässlicher Zugang zu einem bestimmten „verborgenen Gefühl“.
Verraten Mimik und Mikroexpressionen verdeckte Emotionen?Wenn Menschen versuchen, einen emotionalen Ausdruck zu kontrollieren, können trotzdem Veränderungen in Mimik, Stimme oder Verhalten sichtbar werden. Auch sehr kurze mimische Veränderungen, sogenannte Mikroexpressionen, werden in diesem Zusammenhang untersucht. Daraus lässt sich jedoch nicht sicher ablesen, welche Emotion ein Mensch tatsächlich erlebt oder ob er bewusst etwas verbirgt. Einzelne Gesichtsausdrücke haben keine feststehende emotionale Bedeutung, und auch Mikroexpressionen sind kein zuverlässiger „Gefühlsdetektor“. Ausführlicher werden diese Zusammenhänge unter Echte Emotionen erläutert.
Sind verdeckte Emotionen problematisch?Nicht jede zurückgehaltene Emotion ist problematisch. Die Fähigkeit, den eigenen emotionalen Ausdruck an eine Situation anzupassen, gehört zum menschlichen Zusammenleben. Es kann sinnvoll sein, einen spontanen Ärger zunächst nicht auszudrücken, eine Reaktion zu überdenken oder ein schwieriges Gespräch auf einen geeigneteren Zeitpunkt zu verschieben. Wie sich das Zurückhalten emotionalen Ausdrucks auswirkt, hängt unter anderem von Situation, Häufigkeit und persönlichen sowie kulturellen Bedingungen ab. Forschung bringt eine häufige Nutzung expressiver Unterdrückung zwar mit verschiedenen ungünstigen psychischen und sozialen Folgen in Verbindung. Daraus folgt jedoch nicht, dass das Zurückhalten einer Emotion grundsätzlich problematisch ist. Entscheidend ist auch, wie flexibel Menschen unterschiedliche Möglichkeiten der Emotionsregulation einsetzen können.
Welche Bedeutung haben verdeckte Emotionen in Konflikten?In einem Konflikt wird nicht zwangsläufig alles ausgesprochen, was die Beteiligten bewegt. Hinter einer sachlich klingenden Auseinandersetzung können beispielsweise Enttäuschung, Angst, Ärger oder Verletzung eine Rolle spielen. Ob das tatsächlich der Fall ist und welche Emotionen beteiligt sind, lässt sich von außen jedoch nicht zuverlässig feststellen. Problematisch kann deshalb auch die Überzeugung sein, bereits zu wissen, was sich „hinter“ dem Verhalten des anderen verbirgt. Eine Vermutung kann zutreffen, sie bleibt zunächst eine Interpretation. Der Beitrag Echte und verdeckte Emotionen beschäftigt sich ausführlicher mit dieser Grenze zwischen Wahrnehmung und Deutung.
Verdeckte Emotionen in der MediationEin Mediator muss verdeckte Emotionen nicht aufdecken oder anhand von Körpersprache identifizieren können. Seine Aufgabe besteht auch nicht darin, den Beteiligten zu erklären, was sie „in Wirklichkeit“ fühlen. Er kann jedoch wahrnehmen, wenn sich ein Gespräch verändert, wenn ein Thema besondere Reaktionen auslöst oder wenn etwas für einen Beteiligten offenbar bedeutsam ist. Solche Beobachtungen können Anlass sein, nachzufragen, ohne eine Emotion vorzugeben. Statt „Sie sind offensichtlich wütend“ könnte beispielsweise die Frage stehen, was eine bestimmte Aussage beim Beteiligten ausgelöst hat oder was ihm an diesem Punkt wichtig ist. So bleibt offen, ob überhaupt eine nicht ausgesprochene Emotion eine Rolle spielt und wie der Beteiligte sein eigenes Erleben beschreibt. Mehr zum Umgang mit Gefühlen im Mediationsgespräch finden Sie unter Emotionen in der Mediation. |