Glossar Mediation

Fachbegriffe aus dem Spektrum der Mediation.

Wer sich zum ersten Mal mit dem Thema Mediation auseinandersetzt, wird häufig mit Begriffen aus dem juristischen Bereich konfrontiert. Ich möchte Sie jedoch nicht mit Fachbegriffen beeindrucken, sondern wünschen mir, dass Sie die Inhalte unserer Webseite auch verstehen. Dennoch gibt es Begriffe, bei denen ich der Meinung bin, dass ich sie zum besseren Verständnis noch einmal erläutern sollte. Ich hoffe sehr, dass Sie sich von meinem FAQ-Bereich – den ich im Übrigen kontinuierlich weiter ausbauen werde – motivieren lassen, sich noch detaillierter mit der Mediation zu befassen.

Bitte nutzen Sie meine Kontaktmöglichkeiten, wenn Sie weitere Fragen haben!

 

Suche nach Begriffen
BegriffDefinition
Nachbarschaftsmediation

Die Nachbarmediation oder Nachbarschaftsmediation dient der Bearbeitung von Konflikten, die in und wegen der Nachbarschaft entstanden sind. In diesem Zusammenhang ist die Nachbarschaft als ein höchst privates und persönliches Umfeld zu betrachten, das durch das Miteinander zwischen Nachbarn wesentlich beeinflusst werden kann.

Streitigkeiten unter Nachbarn haben ihren Grund häufig in Ereignissen und Missverständnissen, die schon lange Zeit zurückliegen. Über einen langen Zeitraum sorgen dann Frust und Ärger für Eskalationen. So führt beispielsweise zu laute Musik oder der zu weit über den Zaun gewachsene Baum häufig zu Nachbarschaftskonflikten. Wenn eigentlich harmlose Ansprüche und Bedürfnisse mit Konfliktpotenzial nicht richtig aufgearbeitet werden, kann es unter Nachbarn schnell zu einer kraft- und nervenzehrenden Auseinandersetzung kommen.

Bei der Nachbarschaftsmediation werden die Sach- und Beziehungsprobleme zwischen den Nachbarn in ihren Ebenen entkoppelt. Dies führt zu gegenseitigem Verständnis und reduziert die psychologische Belastung. In den Mediationsgesprächen wird allen Bedürfnissen gleichermaßen Raum gegeben und die Lösung gemeinsam erarbeitet. Voraussetzung hierfür ist wie bei allen Mediationsarten das beiderseitige Interesse an einer gütlichen Lösung.

Durch die Nachbarschaftsmediation lässt sich die Lebensqualität positiv beeinflussen, da das zukünftige Zusammenleben einen gestalterischen Rahmen erhält. Nicht selten werden bei einer Nachbarmediation aus Nachbarn sogar Freunde.

Moderation

Bei der Moderation handelt es sich um eine Methode, mit zwei Konfliktparteien oder einer Gruppe einen Übersichtsprozess zu gestalten. Der Moderator nutzt Moderationsmethoden, um Probleme festzustellen und die Phantasie sowie Kreativität der Teilnehmer zu fördern. Unter seiner Anleitung sollen Ideen, Entscheidungen und Ergebnisse entwickelt und gefunden werden.

In Konfliktsituationen steht der Moderator für Gerechtigkeit, Gleichheit und Fairness. Ihm obliegt die Aufgabe, die Kommunikation der Teilnehmer klar und verständlich zu strukturieren. Gegensätzliche Positionen werden in der Moderation getrennt und unterschiedliche Sichtweisen geklärt. Durch Interventionen bringt der Moderator festgefahrene Konflikte wieder in Gang, lotet die Kompromissbereitschaft bei den Teilnehmern aus und hilft, kreative Lösungen zu finden. Bei der Moderation greift der Moderator lediglich korrigierend in die Gespräche ein und darf darauf vertrauen, dass die Teilnehmer den Konflikt selbst bewältigen können. Eine Moderation endet nicht zwingend mit einer Übereinkunft oder dem Abschluss einer Vereinbarung.

Im Verhältnis zur Moderation ist die Mediation ein enger strukturiertes Verfahren, das durch logisch aufgebaute Phasen von der Interessensammlung bis hin zur Analyse von Handlungen und Formulierung von Lösungsoptionen tiefer in die Konfliktmaterie eingreift.

Mediator

Der Mediator ist der unabhängige und allparteiliche Dritte, der die Konfliktparteien durch das freiwillige und strukturierte Verfahren der Mediation zum Zwecke der konstruktiven sowie außergerichtlichen Streitbeilegung führt. Mediatoren begleiten die Medianden durch das gesamte Mediationsverfahren bis hin zum Lösungsprozess. Dabei trifft ein Mediator keine eigene Entscheidung oder be- und verurteilt, sondern ist für den Ablauf des Verfahrens verantwortlich.

Der Mediator arbeitet unabhängig. Er ist keinem Unternehmen an- oder zugehörig. Die Allparteilichkeit beschreibt die Neutralität des Mediators. Er ist unvoreingenommen und bezieht niemals Partei. Mediatoren erlernen in ihrer Ausbildung zahlreiche Gesprächs-, Verhandlungs- und Interventionstechniken, die sie bewusst zur Strukturierung der Mediation einsetzen. Hierzu gehören beispielsweise Werkzeuge wie aktives Zuhören, Fragetechniken oder auch das Doppeln. Der Mediator greift nur insofern in die Mediationsgespräche ein, wenn Situationen eskalieren oder zu weit von der Thematik abgewichen wird. Er greift den Parteien nichts vorweg, sondern lässt sie erzählen, erklären, über Sachverhalte nachdenken, andere Sichtweisen annehmen und diskutieren. Die Parteien erarbeiten die Konfliktlösung in der Mediation selbst; der Mediator unterstützt sie nur dabei.

Aufgaben und Anforderungen an Mediatoren ergeben sich nur wenig aus dem Mediationsgesetz. Der Begriff des Mediators unterliegt bis heute noch keiner geschützten Berufsbezeichnung. Zertifizierte Mediatoren haben eine Ausbildung von mindestens 120 Stunden Unterrichts- und Ausbildungszeit geleistet und mit Prüfung abgeschlossen. Häufig wird die Ausbildung zum Mediator ergänzend zu einer bereits bestehenden Berufsausbildung absolviert. Mediatoren haben die Möglichkeit, sich Berufsverbänden anzuschließen, die auch weitere Fortbildungen und Zertifizierungen anbieten.

Siehe auch: https://www.streitvermittler-mediator.de/mediation/streitmittler.html.

Mediationstechniken

Auch im Mediationsverfahren kann es während der Kommunikation zwischen den uneinigen Medianden zu schwierigen Situationen kommen, in denen der Mediator einschreiten muss. Hierbei ist es hilfreich, dass der Mediator nicht nur die Abläufe von Kommunikationsprozessen erkennt, sondern auch für die Überwindung derartiger Hürden auf zahlreiche Mediationstechniken zurückgreifen kann.

Zu den grundlegenden Mediationstechniken gehören verschiedene Methoden der Intervention und Gesprächsführung wie etwa das Spiegeln oder Doppeln, die in der Mediationsausbildung erlernt werden. In der Mediationspraxis werden Mediationstechniken nicht einfach unreflektiert eingesetzt, sondern intuitiv und bedarfsgerecht verwendet.

Auszugsweise enthält der „Handwerkzeug Koffer“ eines Mediators folgende Mediationstechniken:

  • Gesprächs- und Verfahrensstrukturierung
  • Aktives Zuhören
  • Einzelgespräche
  • Coaching
  • Doppeln
  • Fragetechniken (u.a. zirkuläres Fragen)
  • Feedback
  • Systemische Intervention
  • Gruppenarbeit
  • Klärungshilfe
  • Konfliktmanagement
  • Konfliktberatung
  • Ich-Botschaften
  • Moderation
  • Prozessbegleitung
  • Paraphrasieren (Spiegeln, Loopen, Verbalisieren, Umformulieren)
  • Perspektivwechsel
  • Reflexion
  • Reframing
  • Supervision
  • Visualisierung
  • Zielorientierung

Eine strikte Abgrenzung von Mediationstechniken zu Mediationsmethoden ist kaum möglich, da sich Teile in Theorie und Praxis häufig überschneiden oder ineinander fließen. Zu den wichtigen und geläufigen Mediationsmethoden gehören u.a. die Konflikteskalation nach Glasl, das Harvard Verhandlungskonzept, die Regeln der gewaltfreien Kommunikation, das Konsensmodell, die themenzentrierte Interaktion, die Delfinstrategie, das Reklamationsmanagement, das Nachrichtenmodell nach Schulz von Thun sowie das Verhandlungs-Reframing.

Ziel einer Mediation ist immer, die Medianden dabei zu unterstützen, eigene Konfliktlösungen zu finden, die alle Beteiligten als fair empfinden. Unterstützt werden sie dabei durch den Mediator, dessen Rolle und Haltung sowohl Verhandlungskompetenz als auch das Beherrschen von Mediationstechniken voraussetzt.

Synonyme - Methodenkoffer, Kommunikationsprozesse
Mediationsklausel

In wirtschaftlichen Vertragsbeziehungen können Mediationsklauseln den Weg für den Einsatz eines Mediationsverfahrens ebnen. Auf eine Mediationsklausel wird sich vor der Entstehung eines Konflikts geeinigt. Der Aufwand, eine Mediationsklausel in einen Vertrag einzubringen, ist gering und bietet im Falle des Konflikts die Auswirkung, dass nicht sofort auf gerichtliche Auseinandersetzungen zurückgegriffen wird.

Mediationsklauseln können fast jedem Vertrag hinzugefügt werden. Sie finden häufig in Gesellschaftsverträgen, Unternehmenskaufverträgen, Finanzierungsverträgen, Geschäftsführungs-Anstellungsverträgen, Lizenzverträgen, Bauverträgen, Erbverträgen und Testamenten Anwendung. Überall dort, wo einvernehmliche Auseinandersetzungen im Falle eines Konflikts bevorzugt werden, können vorausschauend Mediationsklauseln eine entsprechende Verpflichtung auferlegen. Die Vertragsparteien sind dann im Falle einer Streitigkeit verpflichtet, zunächst den Versuch einer Mediation zu unternehmen, bevor Gerichte oder Schiedsgerichte involviert werden. Ein Zwang der Einigung folgt hieraus jedoch nicht; die Mediation selbst kann durchaus noch scheitern. 

Inhalt einer Mediationsklausel

Der Inhalt der Mediationsklausel beschränkt sich in der Regel auf die Selbstverpflichtung, im Konfliktfall zunächst ein Mediationsverfahren durchzuführen. Manchmal wird direkt in der Klausel auch das Prozedere oder der gewählte Mediator beschrieben.

Beispiel Mediationsklausel:

„Die Vertragsparteien verpflichten sich, bei Konflikten aus oder im Zusammenhang mit diesem Vertrag vor Anrufung eines Gerichts eine Mediation nach dem MediationsG durchzuführen. Als Mediator kommt … in Betracht. Der Klageweg ist erst dann zulässig, wenn eine Mediationsverhandlung stattgefunden hat oder wenn seit dem Antrag auf Mediation seitens einer Partei mehr als … Tage verstrichen sind.“

Durch eine Mediationsklausel wird also bereits vor Entstehen eines Konflikts Mediationsbereitschaft hergestellt.

Synonyme - Schlichtungsklausel
Mediationsbereitschaft

Auch wenn es sich bei der Mediation um ein außergerichtliches Konfliktbeilegungsverfahren handelt, an dem die Konfliktparteien freiwillig teilnehmen, betrifft die Mediationsbereitschaft die Bereitschaft der Konfliktparteien, sich auf das strukturierte Verfahren der Mediation einzulassen. Mediationsbereitschaft ist demnach die Motivation beider Konfliktparteien, eine Mediation vor dem Hintergrund der Aufarbeitung und Lösung eines Konflikts durchzuführen. Sie verzichten im Sinne der Mediation also auf die Einleitung und Durchführung eines gerichtlichen Verfahrens.

Die öffentliche Mediationsbereitschaft beschreibt hingegen die Bereitschaft der Menschen, sich generell im Falle eines Konfliktes auf ein Mediationsverfahren einzulassen. Aktuelle Umfragen ergeben, dass außergerichtliche Konfliktlösungsverfahren wie auch die Mediation mittlerweile den klassischen Gerichtsverfahren bevorzugt werden. Diese Mediationsbereitschaft erklärt sich durch die menschlichere, zeitsparendere, kostengünstigere und zielführendere Aufarbeitung von Konflikten und Streitigkeiten.

In einigen Fällen liegt die Mediationsbereitschaft jedoch nur bei einer Konfliktpartei vor. Handelt es sich bei dem Konflikt um eine Streitigkeit aus einem Vertrag, in dem sich eine Mediationsklausel befindet, so muss nicht zwingend eine Mediationsbereitschaft hergestellt werden. Dies ist bereits bei Abschluss des Vertrages erfolgt, sodass vor Einreichung einer Klage ein Mediationsverfahren durchgeführt werden muss.

Mediation

Die Mediation ist eine außergerichtliche Methode der Konfliktbearbeitung, bei der ein Mediator als neutraler Vermittler die Konfliktparteien bei der eigenständigen Entwicklung einer Konfliktlösung unterstützt. Am vertraulichen und strukturierten Mediationsverfahren nehmen die Konfliktparteien eigenverantwortlich und freiwillig teil, um mit Hilfe des Mediators eine Konfliktbeilegung anzustreben. Der am Ende der Mediation vereinbarte Vertrag ist bindend. Beim Mediator handelt es sich um eine unabhängige, neutrale und allparteiliche Person ohne eine eigene Entscheidungsbefugnis. Der Mediator führt die auch Medianden genannten Konfliktparteien durch die Mediation, die auf Kommunikation und Verhandlung basiert.

Das Verfahren der Mediation ist im Mediationsgesetz geregelt. Die Konfliktparteien wählen den Mediator aus. Dritte dürfen nur mit Zustimmung aller Parteien in die Mediation mit einbezogen werden. Der Mediator unterliegt der Verschwiegenheit und muss sich im Hinblick auf seine Unabhängigkeit, Allparteilichkeit und Neutralität den Parteien gegenüber offenbaren. Die Vorschriften über Mediationen finden sich auch in Verfahrensordnungen diverser Gerichtsbarkeiten wieder. In einigen Verfahren wird die Durchführung einer Mediation vorausgesetzt, bevor ein streitiges Gerichtsverfahren eingeleitet werden kann. Es gibt verschiedene Mediationsarten, die allesamt zu den Verfahren der außergerichtlichen Streitbeilegung gehören. In Teilen werden die Kosten für eine Mediation von den Rechtsschutzversicherungen übernommen.

Siehe auch: https://www.streitvermittler-mediator.de/mediation.html.

Synonyme - Schlichtung, Streitschlichtung, Streitvermittlung, Konfliktbearbeitung, Konfliktlösung
Mediand

Obwohl im Mediationsgesetz häufig von „Parteien“ die Rede ist, heißen die Konfliktparteien, die an einer Mediation teilnehmen, „Medianden“. Die Bezeichnung „Parteien“ passt eigentlich auch nicht in den mediativen Kontext, da so auch klagende und beklagte Anspruchsgegner vor Gericht genannt werden.

Der Begriff der Partei ist ein juristischer Terminus. Im Zivilrecht begegnen sich Vertragsparteien, während im Verfahrensrecht Prozessparteien streiten. Da es sich jedoch gleichzeitig auch um eine eingebürgerte Bezeichnung handelt, wird manchmal auch in Bezug auf eine Mediation von Mediationsparteien gesprochen. Die richtige Bezeichnung lautet jedoch Mediand.

Medianden sind also die am Mediationsverfahren beteiligten Verhandlungspartner.

Synonyme - Medianden
Lösung

In der Mediation wird davon ausgegangen, dass es für jeden Konflikt auch eine Lösung gibt. Die Mediation ist ein begleiteter Weg zu dieser Lösung. Das strukturierte Verfahren kann als eine Art Verstehensvermittlung betrachtet werden, bei dem die Medianden selbst freiwillig und eigenverantwortlich gemeinsam an einer einvernehmlichen Lösung des Konflikts arbeiten.

An der Lösungsfindung nehmen demnach beide Medianden teil. Lösungsoptionen werden gesucht, gesammelt, diskutiert und bewertet, bevor die Mediation zu ihrem eigentlichen Abschluss kommt. Die gefundene Lösung wird in der Regel in der Abschlussvereinbarung dokumentiert.

Der Mediator verleiht der Mediation dabei ihre typische Struktur. Er fördert die Kommunikation zwischen den Medianden, um Positionen, Interessen und Emotionen zu klären und zu verstehen. Medianden werden von ihm angeregt, andere Sichtweisen zu betrachten und sich in eine andere Lage zu versetzen. Mit diesem Wissen und Verständnis wird es den Medianden ermöglicht, ein Stück weit aufeinander zuzugehen und gemeinsam nach einer Lösung für das Problem zu suchen. Die Lösung in der Mediation ist im Idealfall eine Win-Win-Situation, von der beide Parteien auch in Zukunft profitieren. Die Beziehung zwischen den Medianden soll im Gegensatz zum Gerichtsverfahren, bei dem die Parteien nach dem Urteil häufig nicht mehr voneinander „wissen“ wollen, auch nach der Mediation noch fortbestehen.

Kreativität in der Mediation

Zu den Aufgaben eines Mediators gehört es, die Medianden bei der Klärung sowie der gemeinsamen Suche nach Alternativen oder Lösungsoptionen zu unterstützen. Dabei ist es nicht immer leicht, gemeinsam einen Lösungsweg zu finden und zu erarbeiten, von dem beide Medianden profitieren. Es wird nach einem Konsens gesucht, also einer Lösung, die für alle Beteiligten akzeptabel, umsetzbar und auch für die Zukunft sinnvoll ist. Hierfür müssen sowohl Mediatoren als auch Medianden Kreativität entwickeln und nutzen.

Nur durch Kreativität lassen sich in der Mediation Hemmungen durch Glaubenssätze, beschränkte Sichtweisen sowie Blockaden überwinden. Kreative Ansätze können an festgefahrenen Einstellungen rütteln und starre Denkmuster auflösen. Mediatoren benötigten also kreative Kompetenzen, um auch den Medianden einen Weg zu kreativen Lösungen zu ebnen.

Dabei ist Kreativität in der Mediation nicht automatisch übertriebene Phantasie. Ganz im Gegenteil unterstützt der Mediator die Medianden auf eine sensible Art und Weise, die sinnvolle Methodenauswahl mit wohldosierter Kreativität anzugehen. Es bedarf eine ausgeprägte Wahrnehmung und viel Fingerspitzengefühl, um die Medianden zu ermutigen, Wagnisse einzugehen, etwas Neues auszuprobieren und zunächst einmal alle möglichen Ideen und Phantasien zuzulassen, bevor in der der nächsten Phase nach Realisierbarkeit und Umsetzungsmöglichkeit zu sortieren. Zu den kreativen Kompetenzen des Mediators gehören daher verschiedene Kreativitätstechniken und Kreativitätsstrategien.

Kontrolle in der Mediation

Eine Kontrolle dient der Verfahrenssicherung. Kontrollen sind Kriterien, die den Charakter eines Verfahrens bestimmen. Bei Gerichtsverfahren wird jedem Beteiligten eine Rechtsschutzgarantie gewährt, die kontrollierbar ist. Wird jemand rechts- und ordnungsgemäß verklagt oder angezeigt, wird dadurch sichergestellt, dass das Verfahren auch bearbeitet und durchgeführt wird. Vor Gericht kommt es auch immer zu einem Ergebnis. Dies selbst dann, wenn sich eine Partei gar nicht am Verfahren selbst beteiligt.

Bei einer Mediation handelt es sich jedoch um ein Verfahren, das von allen Beteiligten aufgerufen wird. Mediationsverfahren finden statt, wenn alle Beteiligten mit der Durchführung einverstanden sind. Einvernehmliche Verfahren basieren auf dem Grundsatz der Freiwilligkeit. Dies bedeutet gleichzeitig, dass Medianden auch jederzeit die Möglichkeit haben, das Mediationsverfahren abzubrechen.

Bei der Mediation bezieht sich die Kontrolle in erster Linie auf die korrekte Durchführung des Verfahrens. Unterschieden wird zwischen primären und sekundären Kontrollverfahren.

Primäre und sekundäre Kontrolle im Mediationsverfahren

In einvernehmlichen Verfahren üben die Beteiligten die primäre Kontrolle selbst aus, da diese durch den Grundsatz der freiwilligen Teilnahme gewährleistet wird. Sie haben die Kontrolle darüber, ob sie am Verfahren teilnehmen oder es abbrechen. Diese Möglichkeiten können als Druckmittel genutzt werden, um das Verfahren zu beeinflussen. Deswegen ist die primäre Kontrolle mit hohen Anforderungen an die Medianden selbst verbunden. Sie müssen beurteilen, ob das Mediationsverfahren zum Ziel führen kann oder eben nicht. Problematisch wird die primäre Kontrolle im Mediationsverfahren dann, wenn die Kommunikation sich dem eigentlichen Konflikt annähert und die Maßnahmen des Mediators falsch eingeschätzt werden. Dann verspüren viele Medianden den Drang, das Verfahren vorzeitig wegen der unangenehmen Kommunikationsinhalte abzubrechen und müssen sich selbst vor dem Hintergrund der Konfliktlösung und des Verfahrenserfolges kontrollieren.

In Gerichtsverfahren können Parteien primär durch Anträge auf das korrekt durchzuführende Verfahren einwirken. Zur maximalen Kontrolle gegenüber einem Richter gehören Befangenheitsanträge.

Die sekundäre Kontrolle erübrigt sich bei Mediationen und anderen einvernehmlichen Verfahren, da die primäre Kontrolle wegen der über allem stehenden Freiwilligkeit stark ausgeprägt ist. In Betracht kämen Informationen und Beschwerden an eine Fachaufsicht, wobei Verfahrensabbrüche deutlich unkomplizierter erscheinen.

Konsensmodell

Die Art und Weise, wie man sich beim Argumentieren auf einen Gesprächspartner einstellt, kann an einem Konsensmodell oder aber an einem Sieg-Niederlage-Modell orientiert sein. Lösungen nach dem Konsensmodell sind mehr als Kompromisse, die häufig als „unfair“ empfunden werden. Ein Konsens ist hingegen auf eine Win-Win-Situation ausgerichtet, die alle Beteiligten mit Zufriedenheit und positiven Zukunftsgedanken erfüllt.

Ein Gesprächspartner kann nur dann nachhaltig überzeugt werden, wenn ein Konsens – also ein gemeinsames Verständnis und dann gemeinsames Anliegen – erwächst. Dem Konsensmodell liegt die Erfahrung und Überzeugung zugrunde, dass man nicht gegeneinander argumentieren darf, um jemanden von einem Standpunkt zu überzeugen.

Im ersten Schritt wird beim Konsensmodell analysiert, wo zwischen den vorgetragenen Positionen der Konsens oder aber Dissens besteht. In der Mediation stellt der Mediator den Medianden gezielt Fragen, damit Standpunkte von ihnen klar definiert werden. Diese sogenannte „Standortbestimmung“ endet in der Identifikation der Themen und deren Bewertung nach Konsenspotenzial.

Der nächste Schritt erfolgt nach dem Grundprinzip des Konsensmodells, wonach zunächst alle gemeinsamen und mit Konsenspotenzial behafteten Themen abgearbeitet werden. Die entsprechenden Ergebnisse werden als Erfolgsbilanz dokumentiert.

Erst zum Schluss erfolgt die Behandlung von Ungleichheiten und des Dissens. Dies aus dem Grund, dass die Medianden zu diesem Zeitpunkt schon die Erfahrung gemacht haben, wie positiv es sich auswirkt, wenn ein Konsens gefunden wird. Die Erfolgsbilanz demonstriert dem Mediator und auch den Medianden, welche und wie viele Themen bereits mit Erfolg abgehandelt worden sind. Dadurch fällt es den Medianden leichter, auch den Dissens anzugehen und Zugeständnisse zu machen.

Synonyme - Konsens
Konfliktmanagement

Zum Konfliktmanagement gehören zielorientierte und systematische Interventionen oder Steuerungsmaßnahmen, um Prozesse der Entwicklung, Veränderung oder Konfliktbewältigung einzuleiten. Ziel des Konfliktmanagements ist die frühzeitige Erkennung von Krisen und Konflikten, um sie unmittelbar und konstruktiv zu bearbeiten oder auch zu bewältigen. Hierdurch soll verhindert werden, dass Unternehmen, Systeme oder Individuen einen Schaden erleiden oder gefährdet bzw. instabil werden. Für das Konfliktmanagement stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die u.a. auch die Mediation sowie Klärungshilfe, Konfliktberatung, Moderation und Coaching enthalten.

Mit einem Konfliktmanagement werden Fragen nach der rechtzeitigen Erkennung von Konflikten geklärt und Wege aufgezeigt, wie im Idealfall darauf reagiert werden sollte. Dabei wird über Maßnahmen informiert, wie Eskalationen verhindert werden können und wie zu Konfliktlösungen angesetzt werden kann. Das Konfliktmanagement klärt auch darüber auf, ob der Konflikt noch selbst geklärt werden kann oder ob besser ein professioneller Dritter hinzugezogen werden sollte. Nicht zuletzt untersucht das Konfliktmanagement auch Arbeitsumgebungen und Betriebsstrukturen auf Konfliktpotenzial.

Konfliktbeilegungsverfahren

Konfliktbeilegungsverfahren sind alternative und selbstbestimmte Verfahren, Konflikte ohne Einbindung staatlicher Gerichte gütlich beizulegen. Außergerichtliche Konfliktbeilegungsverfahren führen zu schnellen Konfliktlösungen, kosten weniger Geld und berücksichtigen individuelle Interessen, wobei Beziehungen nachhaltig geschont werden.

Zu den bekanntesten Verfahren zur Beilegung von Konflikten gehören:

  • Verhandlungen
  • Vermittlungen und Moderation
  • Mediation
  • Schlichtung
  • Schiedsgutachten
  • Expertenvotum
  • Adjudikation
  • Dispute Board
  • Externe Evaluation
  • Mini-Trail oder interne Evaluation
  • Schiedsgerichtsverfahren
  • Konfliktklärungsverfahren

Anders als beim klassischen Gerichtsverfahren suchen beim Konfliktbeilegungsverfahren die Konfliktparteien mit Unterstützung eines neutralen Dritten eine für beide Seiten akzeptable und einvernehmliche Konfliktlösung. Die Abläufe der Konfliktbeilegungsverfahren sind nicht umfassend gesetzlich geregelt. Daher gibt es für alle Verfahrensarten und Verfahrensmethoden keinen einheitlichen Sprachgebrauch. Wesentlich ist aber, dass zwischen den Konfliktparteien und dem neutralen Dritten Einigkeit über die jeweils anzuwendende Verfahrensmethode besteht. Einen erheblichen Unterschied macht es aus, ob der neutrale Dritte moderativ, direktiv, evaluativ oder mediativ agieren soll. Die Konfliktparteien und der neutrale Dritte können sich zu jeder Zeit über Abwandlungen, Mischformen oder Übergänge von einer Verfahrensmethode zur anderen verständigen.

Synonyme - Konfliktlösung, Konfliktmanagement
Konflikt

Das Wort „Konflikt“ stammt aus dem Lateinischen „confligere“ und kann mit „kämpfen“ oder „zusammentreffen“ übersetzt werden. Von einem Konflikt wird gesprochen, wenn Zielsetzungen, Interessen oder Wertvorstellungen von Menschen, Gruppen, Organisationen oder Staaten nicht miteinander vereinbart werden können. Konflikte werden mit Emotionen wie Wut und einem Konfliktverhalten wie Aggression verbunden. Die Ursachen von Konflikten sind vielfältig und reichen von individuellen Wahrnehmungsunterschieden über unfaire Behandlungen bis hin zu Verletzungen des Territoriums. Konflikte können sowohl im Privat- als auch im Arbeitsleben stattfinden. Häufig wird auch von Streitigkeiten, Auseinandersetzungen, Zank, Krach oder Meinungsverschiedenheiten gesprochen.

Zum typischen Konfliktverhalten gehört Flucht, Aussitzen, Kampf, Vermeidung, Unterdrückung, Delegation, Unterordnung, Kompromiss und Konsens. Ziel der Konfliktbearbeitung, wie es auch durch die Mediation erfolgt, ist die wirkungsvolle und dauerhafte Lösung des in Rede stehenden Konflikts. Hierfür muss der Konflikt zunächst deeskaliert werden, bevor die Kommunikation zwischen den Parteien wieder auf einem normalen Niveau erfolgen kann. Je nach Methode der außergerichtlichen Konfliktlösung kommen dann verschiedene Kommunikationstechniken zum Tragen, um letztendlich eine für alle Parteien zufriedenstellende Lösung zu entwickeln. Neben der Mediation gilt beispielsweise auch das Harvard-Konzept als bekannte Möglichkeit der außergerichtlichen Konfliktbeilegung.

Synonyme - Auseinandersetzung, Streit, Uneinigkeit

© 2020 Frank Hartung » Ihr Mediator bei Konflikten in Familie, Erbschaft, Beruf, Wirtschaft, Nachbarschaft und Schule «  

🏠 06844 Dessau-Roßlau, Albrechtstraße 116    ☎ 0340 530 952 03