Glossar Mediation

Fachbegriffe aus dem Spektrum der Mediation.

Wer sich zum ersten Mal mit dem Thema Mediation auseinandersetzt, wird häufig mit Begriffen aus dem juristischen Bereich konfrontiert. Ich möchte Sie jedoch nicht mit Fachbegriffen beeindrucken, sondern wünschen mir, dass Sie die Inhalte unserer Webseite auch verstehen. Dennoch gibt es Begriffe, bei denen ich der Meinung bin, dass ich sie zum besseren Verständnis noch einmal erläutern sollte. Ich hoffe sehr, dass Sie sich von meinem FAQ-Bereich – den ich im Übrigen kontinuierlich weiter ausbauen werde – motivieren lassen, sich noch detaillierter mit der Mediation zu befassen.

Bitte nutzen Sie meine Kontaktmöglichkeiten, wenn Sie weitere Fragen haben!

 

Suche nach Begriffen
BegriffDefinition
Delfinstrategie

Bei der Delfinstrategie handelt es sich um eine aus der Managementlehre stammende Methode zur Verhaltensausrichtung und Koordination im Team. Entwickelt wurde die Delfinstrategie von Paul Kordis und Dudley Lynch in den USA. Die Technik steht unter der Marke und Lizenz der in Florida ansässigen Brain Technologies Corporation of Gainesville.

Die Delfinstrategie orientiert sich an dem Verhalten von Delfinen und anderen Meerestieren, denen individuelle Eigenschaften zugeschrieben werden. Diese werden bei der Anwendung auf Organisationen projiziert, damit deren Verhalten kategorisiert werden kann. Basis hierfür ist emotionale Intelligenz, Kooperation und Flexibilität.

Der namensgebende Delfin wurde für die Technik gewählt, weil es zu seinen Eigenschaften gehört, in einer Gemeinschaft zu leben, bei der jeder ein Individuum darstellt und sich dennoch mit seinen Fähigkeiten in der Gruppe einbringt. Dies soll nach der Delfinstrategie auch innerhalb der Familie, mit Geschäftspartner oder mit Kunden im Rahmen eines sozialen Systems geschehen. Wenn Menschen sich mehr wie ein Delfin verhalten, sind sie offener für alles, was funktioniert. Statt am Alten festzuhalten werden auch neue Lösungen und Alternativen gesucht.

Bei der Delfinstrategie gelten folgende Prinzipien:

  • Flexibilität
    Wenn Delfine ihr Ziel nicht erreichen, ändern sie ihre Herangehensweise. Es soll nach Lösungen und Alternativen gesucht werden, ohne sich kontinuierlich zu hinterfragen.

  • Infragestellung
    Bei der Entwicklung von Strategien sollen Meta-Positionen eingenommen werden. Dies setzt voraus, dass man sich von Dogmen lossagt.

  • Zähigkeit
    Nicht aufgeben! Es sei denn, es gibt einen anderen Nutzen.

  • Gewinnen
    Freude am Gewinnen, ohne das Bedürfnis zu haben, dass der andere ein Verlierer wird (Win-Win-Situation).

  • Kooperation
    Zusammenarbeiten oder allein mit Kompetenz handeln. Kooperationen haben einen größeren Wert als Konkurrenzdenken oder das Drängen auf private Vorteile.

  • Visionen
    Wer Visionen entwickelt und folgt, kann sich auch mit Zielen identifizieren.

  • Eleganz
    Delfine verfolgen einfache, präzise und elegante Lösungen. Elegante Verhandlungen bedeuten, dass Lösungen bei allen Beteiligten als sinnvoll und zufriedenstellend erachtet werden.

Die Delfinstrategie wird beispielsweise im Bereich der Personalplanung, der Personalentwicklung, der Teamentwicklung, der Kommunikationsverbesserung sowie bei Coachings und der Unterstützung von Veränderungsprozessen in Organisationen eingesetzt.

Synonyme - Delphinstrategie
Deeskalation

Wenn Konfliktsituationen eskalieren, sollten möglichst schnell geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um die Ausschreitungen abzuschwächen oder zu dämpfen. Eine Deeskalation beschreibt eine stufenweise Verringerung oder Abschwächung der Eskalation. Werden keine Maßnahmen zur Deeskalation durchgeführt, besteht das Risiko, dass der Konflikt sich verstärkt. Maßnahmen der Deeskalation richten sich nach dem jeweiligen Stadium der Eskalation. In den Anfangsstadien, also bei noch niedrigen Eskalationsstufen, kann schon eine offene und persönliche Aussprache zur Deeskalation beitragen. Bei mittleren Eskalationsstufen wird hingegen in der Regel auf Unterstützung durch Dritte zurückgegriffen. Viele derartige Konflikte werden im Rahmen einer Mediation gelöst.

Mediatoren haben sich Fähigkeiten angeeignet, konfliktnährende Kräfte wertfrei zu erkennen und zu eliminieren. Hierfür zwingend notwendig ist die korrekte Einschätzung bzw. Analyse eines Konflikts. Aus der Konfliktanalyse kann dann die angemessene Maßnahme zur Deeskalation abgeleitet und angewandt werden. Nahezu alle Mediatoren stützen sich bei der Konfliktanalyse zur Deeskalation auf das Modell der Konflikteskalation nach Friedrich Glasl, das bei Konflikten zwischen zwei Parteien von neun möglichen Eskalationsstufen ausgeht:

  • Verhärtung
    Konflikte beginnen mit gelegentlichem Aufeinanderprallen von verschiedenen Meinungen und Spannungen. Der Konfliktbeginn wird nicht als solcher wahrgenommen, sondern als alltägliche Reiberei. Wenn dennoch ein Konflikt entsteht, gewinnen die Meinungsverschiedenheiten an Fundament. Hinter dem Konflikt könnten sich tiefere Ursachen verbergen.

  • Debatte
    In diesen Situationen überlegen sich die Konfliktparteien verschiedene Strategien, wie sie den jeweils anderen von den eigenen Argumenten überzeugen könnten. Die verschiedenen Meinungen führen zu einem Streit, bei dem sich beide Parteien unter Druck setzen. Es entsteht ein Schwarz-Weiß-Denken.

  • Taten
    Die Konfliktparteien erhöhen den Druck aufeinander, damit sie sich und ihre jeweilige Meinung durchsetzen können. Es finden Gesprächsabbrüche statt, was den Konflikt weiter verschärft. Die Konfliktparteien verlieren das Mitgefühl füreinander.

  • Koalitionen
    Durch die Suche nach Sympathisanten für die eigene Meinung und Sache verschärft sich der Konflikt weiter. Jeder glaubt sich im Recht und denunziert die andere Konfliktpartei. Es geht nicht mehr um die Sache selbst, sondern darum, als Gewinner aus dem Konflikt hervorzugehen und den anderen auf den Verlierer-Posten zu verweisen.

  • Gesichtsverlust
    In dieser Stufe soll der gegnerische Konfliktbeteiligte vernichtet werden. Es werden alle möglichen Unterstellungen und Vorwürfe geäußert. Das Vertrauen ist komplett verloren gegangen. Gleiches gilt für die moralische Glaubwürdigkeit.

  • Drohstrategien
    Die Konfliktparteien versuchen, die Situation unter die eigene Kontrolle zu bringen. Sie sprechen Drohungen aus und versuchen so, ihre jeweilige Macht über den anderen zu veranschaulichen.

  • Vernichtung (begrenzt)
    Mit allen Mitteln und Tricks soll der gegnerischen Konfliktpartei Schaden zugefügt werden. Die Wahrnehmung als Mensch ist aufgehoben. Ein begrenzter Schaden wird als eigener Gewinn aufgefasst, sofern der Schaden des Gegenübers größer ausfällt.

  • Zersplitterung
    Der gegnerische Konfliktbeteiligte soll durch Aktionen der Vernichtung gänzlich zerstört werden.

  • Abgrund
    In der letzten Stufe wird die eigene Vernichtung mit einkalkuliert, um die gegnerische Konfliktpartei zu besiegen.

Ein Machteingriff zur Deeskalation ist nach der Meinung von Friedrich Glasl bei den Stufen 7 bis 9 notwendig. Eine Mediation wird in der Regel schon viel früher eingesetzt, da ab einem gewissen Grad der Eskalation nach den Grundsätzen der Neutralität und Freiwilligkeit kaum noch eine Deeskalation möglich ist.

Coaching

Ein Coaching ist eine professionelle Beratung, Unterstützung und Begleitung einer einzelnen Person oder auch eines ganzen Teams. Unterschieden wird in Einzelcoaching mit nur einer Person, in Teamcoachings mit mehreren Personen und in Projektcoachings. Bei Projektcoachings wird ein ganzes Team gecoacht, das aus mehreren Personen aus verschiedenen Abteilungen und Hierarchien stammt. Projektcoachings sind zeitlich begrenzt und dienen nur der leistungs- und zielorientierten Durchführung eines speziellen Projekts.

Der auch Coach genannte Berater arbeitet intensiv mit seinen Klienten zusammen und entwickelt dafür Trainings und andere Hilfestellungen, die individuell auf die jeweilige Situation zugeschnitten sind. Bei konfliktbezogenen Coachings kann es zum Beispiel darum gehen, jemanden durch ein spezielles Training auf ein bevorstehendes und als wichtig oder schwierig einzustufendes Gespräch vorzubereiten. Coachings können die individuelle Konfliktfähigkeit verbessern und dabei helfen, persönliche Kommunikationsfähigkeiten zu optimieren. Durch Teamcoachings wird die Zusammenarbeit eines Teams gestärkt und Differenzen ausgeräumt.

Der Coach hilft seinen Klienten dabei, Konflikte oder offene Fragen zu erkennen und Lösungen oder Antwortoptionen zu erarbeiten. Dabei gibt er keine Lösungswege vor, sondern leitet seine Klienten zur „Hilfe durch Selbsthilfe“ an. Im Coaching werden Sichtweisen analysiert, Konflikte erörtert, Ressourcen gesucht, Blockaden identifiziert und anschließend das Potenzial daraus geschöpft, um es für den Zweck des Coachings nutzbar zu machen. Coachings sind allerdings keine therapeutischen oder psychologischen Beratungen. Der Coach hilft lediglich dabei, seinen Klienten den Weg zur Klärung einer Situation zu ebnen, die ihren Interessen und Bedürfnissen entspricht. In einem Coaching wird keine Rechtsberatung angeboten. Der Unterschied zur Mediation ist der, dass ein Coaching immer nur mit einer „Partei“ stattfindet, die jedoch durchaus aus mehreren Personen bestehen kann.

Synonyme - Coach
Blockade

Eine Blockade ist ein körperlicher oder geistiger Widerstand, eine Hürde oder ein Hindernis, das auf dem Weg zum Ziel liegt und daran hindert, dieses zu erreichen. Im medizinischen und psychologischen Bereich wird eine Blockade auch als vorübergehenden Ausfall von Fähigkeiten betrachtet.

Im Mediationsverfahren hindern Blockaden eine oder auch beide Medianden daran, den Weg der Mediation beschreiten zu können oder zu wollen. Sie blockieren das Verfahren, was den Ablauf erschweren kann und individuelle Herangehensweisen erfordert.

Blockiert ein Mediand generell das Mediationsverfahren, so wird der Mediator die Inhalte und Abläufe der Mediation noch einmal erklären. Eine sinnvolle Entscheidung kann naturgemäß nur dann getroffen werden, wenn man über alle Details informiert ist. Konnte die Blockade durch die weiteren Informationen nicht gelöst werden, kann der Mediand von seinem Recht auf Freiwilligkeit Gebrauch machen und das Mediationsverfahren verlassen. Eine andere Art der Blockade ermöglicht es Medianden sogar, der Mediation beizuwohnen, sich aber nicht an ihr zu beteiligen.

Zu Lösung der Blockade muss der Mediator wissen, um welches Hindernis es sich genau handelt. Wird die Mediationsbereitschaft blockiert, kann der Mediator durch Erklärungen und Informationen dazu beitragen, dass sich ein Mediand unvoreingenommen auf das Verfahren einlassen kann. Bei Blockaden muss zwischen persönlichen, psychischen, emotionalen oder mentalen Blockaden unterschieden werden.

Mentale Blockaden können die Mediation als Erkenntnisprozess behindern. Bei der Mediation werden intellektuelle Anforderungen an die Medianden gestellt, die manchmal nicht erfüllt werden können. Wenn einer der Medianden die Informationen und den Sachverhalt nicht versteht, so ist es Aufgabe des Mediators, das Missverhältnis auf der Kommunikationsebene auszugleichen. Er muss einen Weg finden, der für alle Beteiligten verständliche Kommunikation ermöglicht.

Dem gegenüber weisen psychische Blockaden auf einen inneren Konflikt hin. Wenn ein Mediand mit einem eigenen Dilemma zu kämpfen hat, wird er an Entscheidungsfindungen gehindert. Hier nutzt der Mediator u.a. Einzelgespräche, um zunächst die innere Blockade zu bearbeiten. Hat die psychische Blockade unmittelbar mit dem Konflikt zu tun, hat der Mediator zu entscheiden, ob eine andere Mediationsart in einer anderen Bearbeitungstiefe zum Erfolg führen könnte.

Emotionale Blockaden basieren auf der Gefühlswelt des jeweiligen Medianden. Emotionen werden vom Mediator ernstgenommen, da Menschen durch ihre Gefühle etwas ausdrücken können und möchten. Gestehen sie sich das jeweilige Gefühl ein und können es definieren, lässt sich auch Verständnis herbeiführen. Emotionen lassen sich nicht wegargumentieren und bedürfen keiner Rechtfertigung. Durch die Interventionen des Mediators können Gefühle aber in kleinen Schritten verändert und positiv umgewandelt werden.

Bei persönlichen Blockaden handelt es sich in der Regel um langjährige Verhaltensmuster, die sich nachhaltig eingeprägt haben. Hierzu gehören Streitsucht, Konfliktscheue oder Harmoniesucht. Persönlich blockiert sind Medianden aber auch dann, wenn sie den jeweils anderen schlicht „nicht (mehr) leiden können“.  Persönliche Blockaden muss der Mediator korrekt einschätzen können. Gelöst werden können sie nämlich nur dann, wenn die Blockade erkannt und definiert werden kann. Dann kann der Mediator entscheiden, ob und wie eine Lösung aussehen könnte.

Synonyme - Widerstand,Hindernis
Beziehungsebene

In einer Mediation berücksichtigen Mediatoren in allen Mediationsphasen die drei Ebenen, die für eine effektive und erfolgreiche Konfliktlösung bedeutsam sind: die Sachebene, die Verfahrensebene und die Beziehungsebene.

Auf der Sachebene sind die Probleme von Fakten, Interessen, Positionen und Wahrnehmungen geprägt. Die Verfahrensebene basiert auf dem systematischen und strukturierten Mediationsprozess, durch den der Mediator seine Medianden leitet. Die Beziehungsebene ist hingegen geprägt von verschiedenen Personen, Persönlichkeiten und Menschen, die in irgendeiner Beziehung zueinander stehen. Auf dieser Beziehungsebene verhalten sich Menschen in Bezug auf ihre Emotionen, Fähigkeiten und Ausdrucksverhalten grundverschieden.

Sach- und Beziehungsebene werden im Rahmen des Mediationsverfahrens voneinander getrennt betrachtet. Während es auf der Sachebene darum geht, Blockaden und Beeinträchtigungen bei der Durchsetzung von Interessen zu bearbeiten, muss auf der Beziehungsebene das gestörte und meist persönliche Verhältnis zwischen den Medianden Berücksichtigung finden. Zum Konflikt beigetragen hat in der Regel, dass beide Medianden den jeweils anderen für die Störung verantwortlich machen. Aus diesem Grund ignorieren sich die Medianden und hören einander nicht mehr richtig zu, was den Konflikt noch verschärft. Vorschläge und Kompromisse werden aus Sturheit oder Ärger nicht zur Kenntnis genommen oder grundlos abgelehnt.

In der Mediation sorgt der Mediator dafür, dass die Gefühls- oder Beziehungsebene nicht ausgeblendet wird, sondern als Basis für die Konfliktarbeit dient. Denn bei einer Verflechtung von Konflikten auf der Sachebene und Beziehungsebene ist es Medianden nicht möglich, beide Ebenen eigenständig wieder zu trennen. Es empfiehlt sich zunächst, die Probleme auf der Beziehungsebene zu lösen, bevor auf sachlicher Ebene eine Klärung herbeigeführt werden kann.

Beratung

Eine Beratung oder Konsultation ist im Allgemeinen ein unverbindliches, ratgebendes und strukturiertes Gespräch. Beratungen finden in der Regel mündlich statt, obwohl das moderne Zeitalter auch elektronisch abgewickelte Beratungen ermöglicht. Gemeinsam haben alle Beratungsarten, dass ein Ratsuchender Informationen an den Berater übermittelt, damit dieser das Wissen und seine Fachkenntnis für einen Ratschlag nutzen kann. Diesen Ratschlag kann der Ratsuchende dann verwenden, um weiter über eine Entscheidung nachzudenken. Im Gegensatz zur Belehrung oder Betreuung steht es dem Ratsuchenden frei, wie er weiter verfahren will. Ziel einer Beratung kann aber auch sein, den Ratsuchenden zu einem Handeln oder eben Unterlassen zu bewegen.

Finden Beratungsgespräche innerhalb einer Gruppe statt, wird von einer Versammlung oder einem Rat (Familienrat, Stadtrat) gesprochen. Beteiligte an einer Beratung können Personen und Organisationen sein. Der Beruf des Beraters ist nicht gesetzlich geschützt.

Beratungen können als Kommunikationsschema in vielen verschiedenen Bereichen und Situationen verstanden werden. Im Gegensatz zur Empfehlung wird bei einer Beratung nicht um einen Vorschlag zu einem bestimmten Verhalten gefragt, sondern nach einer unverbindlichen Empfehlung. Aus rechtlicher Sicht gehört eine Tatsachenerklärung inklusive der Darstellung sowie Bewertung von Alternativen zur Entscheidung zu einer Beratung. Beratungen werden unentgeltlich oder aber gegen Entgelt mit Beratungsvertrag angeboten.

Zu den bekannten Beratungsarten gehört die

  • Rechtsberatung
  • Anlageberatung
  • Ärztliche Beratung
  • Eheberatung
  • Lebensberatung
  • Schuldnerberatung
  • Steuerberatung
  • Versicherungsberatung
  • Farbberatung

Wird eine Beratung so gestaltet, dass der Berater einzelne Personen oder Gruppen methodisch durch den Prozess der Antwortfindung begleitet, wird von einem Coaching gesprochen. Die Beratung gehört zu den Interaktionsformen für den Wissenstransfer. Berater stellen Ratsuchenden Wissen bereit, um bei der Entscheidungsfindung zu helfen. Oftmals sind Beratungen also von dem Fachwissen des Beraters abhängig.

Generell muss zwischen einer professionellen Beratung und einer Mediation unterschieden werden. Mediatoren erteilen in der Regel keine Ratschläge, sondern führen die Medianden durch den Prozess des Wissenstransfers, bis sie selbst auf die Lösung ihrer Konflikte kommen.

Synonyme - Konsultation
Bedürfnis

Nach der psychologischen Definition ist ein Bedürfnis das subjektive Empfinden eines Mangels, was mit dem Wunsch kombiniert wird, dieses Defizit auszugleichen oder zu beheben. Bedürfnisse sind individuell und variieren von Mensch zu Mensch. Sie ändern sich je nach Lebenssituation oder gesellschaftlichen Einflüssen und werden von Normen und Werten geprägt. Die Motivation beim Empfinden eines Bedürfnisses hat Einfluss auf die Selbstverwirklichung und Persönlichkeitsentwicklung. Ein stark ausgeprägtes Bedürfnis ist ein Verlangen. Umgangssprachlich wird ein Bedürfnis auch als Wunsch, Anliegen oder Anspruch umschrieben.

Bedürfnisse können zunächst in Individualbedürfnisse und Kollektivbedürfnisse unterschieden werden. Ein Individualbedürfnis kann vom Menschen selbst befriedigt werden; beispielsweise bei Hunger durch Essen oder Durst durch Trinken. Für die Befriedigung von Kollektivbedürfnissen bedarf es einer ganzen Gemeinschaft, Gruppe oder der Familie. Der Zusammenhalt der Familie kann zum Beispiel das Bedürfnis nach Sicherheit befriedigen.

Ein Bedürfnis lässt sich jedoch auch nach Dringlichkeit und Rang einteilen. Zu den dringenden Bedürfnissen gehören die Grundbedürfnisse, die bei vielen Menschen gleich sind; beispielsweise nach Entspannung, Ruhe, Respekt, Gesundheit und Fürsorge. Abweichend von den Grundbedürfnissen erscheinen Existenzbedürfnisse auch in Notlagen noch realisierbar, was für Nahrung, Wohnraum, Arbeit oder Medikamente gilt. Mit Luxusbedürfnissen sehnen sich Menschen nach Luxusgütern, während Kulturbedürfnisse den Wunsch nach Kreativität, Bildung oder Ästhetik beschreiben. Da Menschen ihre Bedürfnisse nicht immer sofort befriedigen können, müssen sie eine Wahl treffen oder Prioritäten setzen. Sie werden dann gedanklich in einer Rangordnung aufgeteilt.

Der bekannteste Forscher in Bereich der Bedürfnisse war der amerikanische Psychologe Abraham Maslow, der die Maslowsche Bedürfnispyramide entwickelt hat. Wenn Menschen ein Bedürfnis haben, ist es hilfreich, dieses Bedürfnis klar zu definieren. Beispiel: Wenn sich jemand auf der Arbeit durch eine hohe Lautstärke genervt fühlt, kann der Gedanke helfen, dass spätestens am Wochenende aktiv nach Ruhe und Entspannung gesucht werden kann.  Auch bei Konflikten kann die Klärung von Bedürfnissen ein wichtiger Schritt zur Lösung sein, was in der Mediation auch unterstützt wird. Die menschliche Strategie, ein Bedürfnis erfüllt zu bekommen, bietet häufig Konfliktpotenzial. Der eigene Willen (Bedürfnis) soll auf jeden Fall durchgesetzt werden. Hier ist die Erkenntnis des Bedürfnisses der erste Schritt in Richtung Verständnis und Konfliktlösung.

Baumediation

Die Baumediation gilt heute als beliebtes außergerichtliches Streitlösungsverfahren im Bereich Planen und Bauen. Dies, zumal Baustreitigkeiten vor staatlichen Gerichten in der Regel lange dauern, nicht unerhebliche Kosten mit sich bringen und von viel internem Aufwand für die Vorbereitung des Prozesses abhängig sind. Ein Baustopp wegen eines Konflikts kostet viel Zeit und Geld.

Vermieden werden können die Nachteile eines gerichtlichen Verfahrens durch die Einleitung einer Baumediation oder auch automatisch, wenn die jeweiligen Verträge bereits eine Mediationsklausel beinhalten.

Eine Streitvermittlung bei Streitigkeiten im Bereich Planen und Bauen wird bei Konflikten durchgeführt, die beim Bauen und Planen entstehen können. Bauprojekte sind in der Regel sehr komplex und werden von einer hohen Anzahl an Beteiligten durchgeführt, was allein schon Konfliktpotenzial birgt. Des Weiteren werden Ausschreibungen und Verträge oft lücken- oder fehlerhaft formuliert und auch bei einzuhaltenden Terminen unvernünftig kalkuliert. Im Planungs- und Baubereich treffen viele Menschen mit unterschiedlichen Befindlichkeiten, Verständnissen und Ansprüchen aufeinander, was mit viel Raum für Konflikte verbunden ist.

In der Baumediation geht es dann häufig um Honorare und Vergütungen oder um Mängel am Bauprojekt und die Frage, wer dafür in die Haftung genommen werden soll. Manchmal beschäftigt sich die Mediation auch um die Auslegung der vertraglichen Formulierungen und der Leistungsbestimmungen.

Eine Baumediation kann in klassischer Weise oder als projektbegleitende Mediation umgesetzt werden, um sich anbahnende Konflikte zu vermeiden oder um Zwischenlösungen zu finden. Während der Bauphasen hat sich eine Mediation auch bewährt, um Bauzeitverlängerungen und die damit verbundenen Kosten zu reduzieren sowie um die Beziehungen zwischen allen beteiligten Schnittstellen zu verstärken.

Außergerichtliche Streitbeilegung

Über die herkömmliche Streitbeilegung vor öffentlichen oder staatlichen Gerichten hinaus gibt es fünf Alternativen zur außergerichtlichen Streitbeilegung:

  1. Verhandlung
  2. Schiedsgericht
  3. Schiedsgutachter
  4. Schlichtung
  5. Mediation

Einige der außergerichtlichen Streitbeilegungsverfahren sind freiwillig, während Landesgesetze auch die Zulässigkeit eines Klage- oder Zivilverfahrens davon abhängig machen kann, ob zuvor ein außergerichtliches Streitbeilegungsverfahren angestrengt worden ist. Diese gesetzlichen Regelungen, bei bestimmten Konfliktangelegenheiten vor Anstrengung eines Gerichtsverfahrens eine gütliche Einigung herbeizuführen, soll der Entlastung der Zivilgerichte erster Instanz dienen und die Streitschlichtung vermehrt in die gesellschaftlichen Institutionen verlagern.

Die Durchführung eines Schlichtungsverfahrens kann zum Beispiel bei vermögensrechtlichen Streitigkeiten vor Amtsgerichten vom Gesetzgeber vorgeschrieben werden, die einen Streitwert bis zu 750,00 € (Stand: 2019) betreffen. Gleiches gilt für bestimmte Streitigkeiten betreffend das Nachbarrecht und allgemeine Gleichbehandlungsgesetz sowie wegen Ehrverletzungen, die nicht den Bereich von Presse oder Rundfunk betreffen. Ausgenommen von diesem Erfordernis, zunächst eine außergerichtliche Streitbeilegung anzustrengen, sind Streitigkeiten in Familiensachen, Zwangsvollstreckungssagen und Angelegenheiten, denen ein Mahnverfahren vorausgegangen ist.

Im Gegensatz zu klassischen Gerichtsprozessen gelten außergerichtliche Streitbeilegungsverfahren als schneller, diskreter und kostengünstiger.

Alternative Dispute Resolution Synonyme - ADR, Alternative Dispute Resolution, Methoden zur außergerichtlichen Streitbeilegung
Allparteilichkeit

Mit der Allparteilichkeit wird die spezifische und professionelle Einstellung und Haltung von Mediatoren beschrieben. Von ihnen wird Neutralität verlangt und vorausgesetzt. Bei der Allparteilichkeit geht es darum, dass der Mediator offen und ohne Vorurteile durch das Mediationsverfahren führt. Er darf nicht voreingenommen sein und auch die Sachlage nicht bewerten oder kritisieren. Mediatoren müssen zu beiden Mediationsparteien gleich gerecht sein und ihnen die gleiche Wertschätzung entgegenbringen. Allparteilichkeit wird aus diesen Gründen auch Unparteilichkeit genannt.

Der Mediator darf kein persönliches oder auch anders gelagertes Interesse an einem bestimmten Ausgang des Mediationsverfahrens haben. Es ist seine Aufgabe, den Konflikt völlig ergebnisoffen anzugehen. Die Neutralität des Mediators darf jedoch keinesfalls mit Teilnahmslosigkeit verwechselt werden. Ganz im Gegenteil hat der Mediator die Aufgabe, die Medianden zu stärken sowie ihre Selbstbestimmung und persönlichen Ressourcen zu fördern. Die mediative Grundhaltung soll die Balance, Harmonie und Symmetrie zwischen den Medianden wiederherstellen.

Synonyme - allparteilich, wertneutral, unvoreingenommen, unparteiisch, vorurteilslos, neutral, unbefangen
Aktives Zuhören

Aktives Zuhören bedeutet in der Mediation, dass einfühlsam auf den Sprechenden eingegangen wird. Beim aktiven Zuhören versucht der Mediator zu verstehen, was seine Medianden bewegt, was sie fühlen und ausdrücken möchten. Es darf jedoch nicht der Eindruck entstehen, dass der Mediator dabei automatisch auch die Sichtweise des Sprechenden annimmt. Beim aktiven Zuhören geht es um das Verständnis für das Gesagte und für den Sprechenden, aber nicht um eine Form der Zustimmung.

Der Mediator entschlüsselt und erkundet durch das aktive Zuhören den Mitteilungs- und Gefühlsinhalt sowie die Wünsche des Sprechenden. Der Sprechende bekommt zu Recht das Gefühl, dass ihm Aufmerksamkeit, Akzeptanz und Interesse zukommt. Dies soll ihn ermutigen, mit seinen Erzählungen fortzufahren und sich für die Mediation zu öffnen. Als Werkzeug in der Mediation gewinnen die Gespräche durch aktives Zuhören an Tiefe, was das Verständnis füreinander steigert. Der Mediator achtet neben den Gesprächsinhalten auch auf die Betonung, die Stimme, die Mimik, die Körpersprache sowie auf Blickkontakte, um die sprachlichen Äußerungen richtig zu deuten.

Für den weiteren Mediationsverlauf kann es hilfreich sein, dass der Mediator zusätzlich Mediationstechniken wie Zusammenfassen, Spiegeln, Umformulieren oder Doppeln nutzt, um Verständnis zu demonstrieren, potenzielle Missverständnisse zu beseitigen und dadurch den Verlauf des Mediationsverfahrens anzuregen.

Synonyme - aktiv zuhören
ADR

ADR ist die Abkürzung von Alternative Dispute Resolution und beschreibt alternative Methoden zur Streitbeilegung; also Alternativen zum klassischen Gerichtsverfahren. Eine einheitliche Definition zur ADR gibt es nicht, wobei häufig Methoden gemeint sind, bei denen mit Hilfe eines Dritten eine Konfliktlösung gefunden wird, die jedoch nicht immer rechtlich bindend ist. Unter ADR fallen von strukturierten Verhandlungsmethoden bis hin zu Schiedsverfahren zahlreiche außergerichtliche Beilegungsverfahren.

Zu diesen Verfahren gehört auch die Mediation sowie das Schieds- und Schlichtungsverfahren. In Deutschland befinden sich die entsprechenden Vorschriften im Mediationsgesetz, im Verbraucherstreitbeilegungsgesetz und im 10. Buch der ZPO. Mit der ADR-Richtlinie wurde eine EU-Rechtsvorschrift erlassen, die alternative Streitbeilegungsverfahren zwischen Verbrauchern und Unternehmen regelt. Durch die Richtlinie sollen Streitigkeiten über Warenverkäufe und Dienstleistungen im inländischen und grenzüberschreitenden Bereich fair, effektiv und schnell beigelegt werden können.

Siehe auch: https://www.streitvermittler-mediator.de/blog-mediation/alternative-dispute-resolution.html

Synonyme - Alternative Dispute Resolution, Methoden zur außergerichtlichen Streitbeilegung
Adjudikation

Hier vereinbaren die Parteien, dass die Feststellungen eines kurzfristig beauf­tragten Gutachters zunächst verbindlich sein sollen, eine spätere gerichtliche oder schiedsgerichtliche Überprüfung aber dadurch nicht ausgeschlossen wird. Dies kann z.B. sinnvoll sein, wenn die Parteien wegen eines laufenden Bauprojekts eine schnelle und von ihnen zu respektierende Entscheidung benötigen, damit der Fortgang des Projekts nicht behindert wird, sie sich aber der in diesem Schnellverfahren getroffenen Ent­scheidung nicht endgültig unterwerfen wollen.

Die vorläufige Bindungswirkung wird dadurch erzeugt, dass die Parteien sich vertraglich zur Beachtung des Gutachterspruchs verpflichten, bei Zuwider­handlung also schadensersatz­pflichtig werden.

Das Verfahren hat gleichzeitig eine beweissichernde Funktion, ohne den kontradiktorischen Charakter des gerichtlichen Beweissicherungsverfahrens zu tragen.

Vollstreckbare Anordnungen kann der Adjudikator nach deutschem Recht nicht treffen. Hierfür steht der einstweilige Rechtsschutz im Schiedsgerichtsverfahren zur Verfügung (§ 1041 ZPO). Die Parteien können den Adjudikator als Schiedsrichter einsetzen; viele Schiedsgerichtsordnungen sehen auch ein Eilverfahren vor.

Abschlussvereinbarung

Mit der Abschlussvereinbarung formulieren die Medianden nach der Mediation die Regelungen, die sie während der Mediationsgespräche gemeinsam erarbeitet und vereinbart haben. Dabei kann eine Abschlussvereinbarung auch beinhalten, dass die Mediation ergebnislos verlaufen ist. Sie kann jedoch auch konkrete Regelungen treffen, wie die Medianden mit dem Konflikt umgehen und wie sie ihre Beziehung in Zukunft gestalten wollen. Die Abschlussvereinbarung kann jedoch auch nur knapp formulierte Absichtserklärungen oder Leitlinien enthalten.

Wirkungen der Abschlussvereinbarung

Werden in der Abschlussvereinbarung konkrete Pflichten und Rechte eines oder auch aller Medianden geregelt, so entfaltet sie die gleiche Wirkung wie ein gewöhnlicher Vertrag zwischen zwei Privatpersonen. Ein Mediand kann demnach auch von dem anderen verlangen, dass die getroffenen Vereinbarungen eingehalten werden. Geschieht dies nicht, können die Ansprüche auch vor Gericht geltend gemacht werden.

Es besteht die Möglichkeit, eine Abschlussvereinbarung zu schließen, die die gleiche rechtliche Wirkung erzielt wie ein gerichtliches Urteil; also ein vollstreckbarer Titel. In diesem Fall kann ein Mediand, ohne vorab ein gerichtliches Verfahren bemühen zu müssen, unmittelbar die Zwangsvollstreckung aus der Abschlussvereinbarung betreiben. Zu diesem Zweck muss die Abschlussvereinbarung einen vollstreckungsfähigen Inhalt aufweisen und von einem Notar beurkundet werden.

© 2020 Frank Hartung » Ihr Mediator bei Konflikten in Familie, Erbschaft, Beruf, Wirtschaft, Nachbarschaft und Schule «  

🏠 06844 Dessau-Roßlau, Albrechtstraße 116    ☎ 0340 530 952 03