Glossar Mediation

Fachbegriffe aus dem Spektrum der Mediation.

Wer sich zum ersten Mal mit dem Thema Mediation auseinandersetzt, wird häufig mit Begriffen aus dem juristischen Bereich konfrontiert. Ich möchte Sie jedoch nicht mit Fachbegriffen beeindrucken, sondern wünschen mir, dass Sie die Inhalte unserer Webseite auch verstehen. Dennoch gibt es Begriffe, bei denen ich der Meinung bin, dass ich sie zum besseren Verständnis noch einmal erläutern sollte. Ich hoffe sehr, dass Sie sich von meinem FAQ-Bereich – den ich im Übrigen kontinuierlich weiter ausbauen werde – motivieren lassen, sich noch detaillierter mit der Mediation zu befassen.

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BegriffDefinition
Interventionen

Interventionen sind Werkzeuge, Instrumente und Techniken des Mediators, die er nutzt, um die konstruktive Konfliktbearbeitung zu fördern und die Kommunikation sowie die Konfliktdynamik zu beeinflussen. Interventionen können demnach unterschiedliche Ansätze haben und auf unterschiedliche Weise in das Konfliktgeschehen eingreifen.

Genau genommen ist der Mediator selbst durch seine kommunikative Konfliktarbeit bereits eine Intervention. Zu den Interventionen gibt es bislang noch kein einheitliches und abgeschlossenes Verständnis, wobei Methodenlehre auch nur in Forschung und Ausbildung betrieben wird. Mediation ist Wissenschaft, Kunst und Handwerk zugleich. Die Tätigkeiten der Mediation können schließlich beobachtet und beschrieben werden. Mediationstätigkeiten können auch einer Würdigung oder Kritik unterzogen und wissenschaftlich diskutiert werden. Letztendlich lassen sich die Tätigkeiten wirksam wiederholen und anderen vermitteln, was sie lehrbar und erlernbar macht.

In der Mediation setzt sich eine Intervention aus der mediativen Intention sowie dem daraus folgenden Verhalten zusammen, was unbewusste oder bewusste Wirkungen auf das Konfliktsystem entfaltet. Frei nach Watzlawick kann „ein Mediator nicht intervenieren“.

Interventionsansätze und Interventionsebenen

Die verschiedenen Interventionsansätze richten sich nach den jeweiligen Mediationsstilen. Dabei werden die Grundpfeiler der Mediation, nämlich Ausgleich, Vermittlung und Transformation, in variablen Verhältnissen betrachtet und danach agiert.

Mediatoren intervenieren auf einer verbalen, nonverbalen und strukturellen Ebene. Bei verbalen Interventionen nutzt der Mediator seine Sprache, während er bei nonverbalen Interventionen eher auf die Aussagekraft seiner Gestik und Mimik setzt. Zur nonverbalen Intervention gehört bereits das Auftreten des Mediators inklusive seiner Kleidung und seines Selbstbewusstseins. Bei den verbalen Interventionen kann der Mediator aus erlernten Techniken wie Loopen, Reframen, aktivem Zuhören, Redefinieren, Reformulieren, Spiegeln oder Paraphrasieren aus dem Vollen schöpfen. Strukturelle Interventionen betreffen hingegen den Kontext des Konflikts und entfalten dort bei einer Veränderung erst ihre Wirkung. Hierzu gehört beispielsweise die Einschaltung eines Vierten wie etwa eines Gutachters oder Rechtsanwaltes.

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Synonyme - intervenieren, eingreifen, einmischen, einschreiten, einwirken, klären, schlichten, unterbrechen, vermitteln
Harvard Konzept

Das Harvard Konzept ist eine Methode, die das sachbezogene Verhandeln in den Fokus setzt. Entwickelt wurde das Verhandlungskonzept an der Harvard Universität von Prof. William Ury und Prof. Roger Fisher, was auch den Namen des Konzepts erklärt. Die beiden Professoren forschten an Verhandlungs- und Vermittlungsmethoden, um wirkungsvolle Verhandlungstechniken zu entwickeln.

Durch das Harvard Konzept werden Konfliktparteien in die Lage versetzt, konstruktiv zu verhandeln und eine friedliche Konfliktlösung herbeizuführen. Harte Verhandlung, ungleiche Machtverhältnisse, faule Kompromisse oder zu schnelles Nachgeben werden bei Verhandlungen nach dem Harvard Konzept gemieden. Es soll eine Konfliktlösung erarbeitet werden, die eine Win-Win-Situation – also eine Lösung, von der beide Parteien gleichermaßen profitieren -  gewährleistet. Zu diesem Zweck dürfen sich die Konfliktparteien nicht als „Gegner“ betrachten, sondern eher als Partner, mit dem gemeinsam nach einer fairen Lösung gesucht werden soll. Durch die Harvard Methode wird der traditionelle Kompromiss in der Verhandlung überwunden und nach Optionen mit beidseitigen Gewinnen gesucht.

Die Kernpunkte des Harvard Konzepts:

  1. Sachbezogene Diskussionen und eine strikte Trennung von Sachebene und Beziehungsebene
  2. Fokussierung auf Interessen und Zurückstellung von Positionen
  3. Suche nach Lösungsoptionen und Entwicklung von Alternativen
  4. Festlegung von objektiven Entscheidungskriterien

Siehe auch: https://www.streitvermittler-mediator.de/mediationsarten/mediation-harvard-konzept.html

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Synonyme - Harvard-Ansatz, Harvard-Prinzip, Harvard-Modell
Grundsätze der Mediation

Für die Mediation gelten insbesondere vier wichtige Grundsätze:

  • Freiwilligkeit
    Freiwilligkeit bedeutet, dass die Medianden grundsätzlich ohne jeglichen Zwang entscheiden können, ob sie eine Mediation durchführen möchten, wann dies geschehen soll und welcher Mediator sie dabei begleiten darf. Auch im Verlauf des Mediationsverfahrens muss die Freiwilligkeit als Grundsatz gewahrt bleiben. Bestandteil vieler Mediationsvereinbarungen ist daher ein Passus, dass alle Beteiligten das Verfahren zu jedem Zeitpunkt beenden können. Nur durch die Freiwilligkeit kann eine für alle Beteiligten akzeptable und auch zukünftig tragfähige Lösung kreiert werden.

  • Eigenverantwortlichkeit
    Zu den weiteren Grundsätzen der Mediation gehört, dass die Medianden die Konfliktlösung eigenverantwortlich entwickeln. Die Eigenverantwortlichkeit schließt aus, dass der Mediator Lösungsvorschläge festsetzt. Ganz im Gegenteil achtet der Mediator nur darauf, dass die Regeln des Mediationsverfahrens eingehalten werden. Seine Unterstützung auf dem Weg zur Konfliktlösung erfolgt durch die Verhandlungsführung.

  • Informiertheit
    Der Grundsatz der Informiertheit bedeutet in der Mediation, dass der Mediator seine Medianden vorab über alle relevanten Tatsachen informiert. Falls er Angaben zur Rechtslage machen kann, wird er auch hierüber unterrichten, sofern dies nicht dem Grundsatz der Neutralität des Mediators widerspricht. Durch die Informiertheit kann sichergestellt werden, dass die Medianden eine auch zukunftsorientiert ausgerichtete Konfliktlösung erarbeiten können, die später nicht wegen Unwissenheit zu einer neuen Auseinandersetzung führt.

  • Vertraulichkeit
    Letztendlich stellt der Grundsatz der Vertraulichkeit sicher, dass alle in der Mediation offenbarten Details und Informationen bei einem potenziell nachfolgenden Gerichtsverfahren nicht verwendet werden und auch sonst nicht an die Öffentlichkeit geraten. Aus diesem Grund wird die Verpflichtung zur Vertraulichkeit auch erörtert und als Regel im Mediationsvertrag festgelegt. Auch der Mediator darf gegenüber Dritten keine Inhalte aus der Mediation bekanntgeben. Dies gilt auch für die ihm offenbarten Informationen von den Medianden selbst.
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Gewaltfreie Kommunikation

Bei der mit „GFK“ abgekürzten Gewaltfreien Kommunikation handelt es sich um ein von Marshall B. Rosenberg entwickeltes Handlungskonzept, das auch unter den Bezeichnungen einfühlsame oder verbindende Kommunikation, Giraffensprache oder Sprache des Herzens bekannt ist. Durch die Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg soll Menschen ermöglicht werden, in einer Art und Weise miteinander umzugehen, dass die Kommunikation zu Vertrauen und Lebensfreude führt. Das GFK Konzept kann sowohl im Alltag als auch bei der außergerichtlichen Konfliktlösung angewendet werden. Basis der Gewaltfreien Kommunikation ist die Entwicklung einer wertschätzenden Beziehung, die gemeinsame Kreativität und Kooperationen zulässt. Es geht nicht darum, Menschen zu bestimmten Handlungen zu bewegen.

Nach Studien von Marshall B. Rosenberg gehört Empathie zu den Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Kommunikation. Er geht dabei davon aus, dass die Art, wie Menschen miteinander kommunizieren, die Entwicklung von Empathie und die Erfüllung von Bedürfnissen entscheidend beeinflusst. Die Gewaltfreie Kommunikation ist daher auf Gefühle und Bedürfnisse ausgerichtet, die hinter Konflikten und Handlungen steht. Grundsätzlich wird bei der GFK davon ausgegangen, dass jeder Mensch gerne bereit ist, unter bestimmten Bedingungen etwas für einen anderen Menschen zu tun. Zu diesen Bedingungen gehören Formulierungen als Bitte und nicht als Forderung oder es zu vermeiden, an die Einhaltung einer Verpflichtung zu erinnern bzw. den jeweils anderen zu verpflichten.

Die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation

Die Gewaltfreie Kommunikation sieht im Grundmodell die folgenden vier Schritte vor:

  1. Beobachtung
    Die Beobachtung ist von einer Bewertung zu trennen, damit der andere informiert wird, worauf man sich bezieht. Es soll eine Unterlassung oder Handlung beschrieben werden, ohne sie mit eigenen Interpretationen oder Bewertungen zu behaften.

  2. Gefühl
    Bei der Beobachtung wird ein Gefühl ausgelöst, das mit bestimmten Bedürfnissen in Verbindung steht. Gemeint sind hiermit Werte und Qualitäten wie Verständnis, Sicherheit, Sinn oder Kontakte, die jeder gerne in seinem Leben hätte. Nach dem Konzept der Gewaltfreien Kommunikation sind diese Gefühle ein Indikator dafür, ob Bedürfnisse gerade erfüllt werden oder eben nicht.

  3. Bedürfnis
    Für die Gewaltfreie Kommunikation sind Bedürfnisse wichtig, um Wege zu kreativen Lösungen zu ebnen, mit denen alle Beteiligten einverstanden und zufrieden sind.

  4. Bitte
    Aus Bedürfnissen resultieren Bitten um konkrete Handlungen. Damit sich Bitten auch erfüllen, müssen sie von Wünschen unterschieden werden. Bitten beziehen sich immer auf aktuelle Handlungen im Hier und Jetzt. Wünsche betreffen die nahe oder ferne Zukunft. Bitten versprechen also eher, erfolgreich zu sein. Sie können im Gegensatz zu Wünschen auch leichter erfüllt werden. Dies umso mehr, wenn sie positiv formuliert werden.

Rosenberg fasste die einzelnen Schritte der Gewaltfreien Kommunikation in etwa so zusammen: „Wenn ich A. sehe, dann fühle ich B. weil ich C. brauche. Deswegen hätte ich jetzt bitteschön gerne D.“

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Synonyme - GFK
Freiwilligkeit

Zu den Prinzipien und Standards der Mediation gehört die Freiwilligkeit. Grundsätzlich nehmen die Medianden freiwillig an einer Mediation teil. Die Freiwilligkeit wird deshalb auch bei den Grundvoraussetzungen eines Mediationsverfahrens genannt. Es ist aber auch möglich, dass ein Richter bei Gericht oder ein Gesetz in spezifischen Fällen vorschreibt, an einer Mediation teilzunehmen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Freiwilligkeit der Teilnahme für einige vielleicht zweifelhaft.

Allerdings lässt sich die Frage nach der Freiwilligkeit als Mediationsprinzip ganz leicht beantworten:
Beim Mediationsverfahren finden und vereinbaren die Medianden selbst eine Konfliktlösung. Diese Vereinbarung stellt einen Konsens dar, der im Gegensatz zum Wesen des Kompromisses immer von beiden Parteien auch gewollt ist. Hier realisiert sich also das Freiwilligkeitsprinzip, sodass sie spätestens zum Zeitpunkt der Mediationsvereinbarung als gegeben betrachtet wird.

Beim Mediationsergebnis handelt es sich um einen Vertrag, der im klassischen Fall durch das Unterbreiten eines Angebotes und dessen Annahme zustande kommt. Um ein optimal passendes Angebot zu formulieren, welches die andere Partei annehmen soll, so muss dieses auch dem jeweiligen Interesse entsprechen. Als Vertragsanbieter muss der Mediand also die Interessen des anderen kennen und umgekehrt. Dies ergibt sich aus den Mediationsgesprächen, sodass wechselseitige Angebote spätestens nach dem Austausch in der Mediationsmitte Form annehmen. In diese Richtung gelenkt und in der Kommunikation unterstützt werden beide Medianden durch den Mediator.

Es ist nicht verwerflich, wenn die Medianden durch einen äußeren Druck an der Mediation teilnehmen. Wenn es dem Mediator gelingt, sie zu motivieren und ihr Interesse an einem Konsens zu schüren, ist die erforderliche Freiwilligkeit gegeben. Gelingt dies nicht, bleibt der Konflikt in der Regel streitig und wird nach gescheiterter Mediation vor Gericht ausgetragen.

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Synonyme - freiwillig
Feindbild

Vor dem Hintergrund der Mediation ist ein Feindbild ein Hinderungsgrund, den Konflikt unstreitig zu lösen. Feindbilder hindern Medianden daran, trotz veränderter Sachlage gemeinsam nach einer außergerichtlichen Konfliktlösung zu suchen.

Ein Feindbild ist ein archaisches Bild, das in einer Konfliktsituation fast schon automatisch hervorgerufen wird. Dies geschieht, weil eine Partei das Verhalten der anderen Partei nicht verstehen und nachvollziehen kann. Die Partei versucht, eine Erklärung für dieses Verhalten zu finden, wobei ein Bild vom anderen konstruiert wird, das mit negativen und feindlichen Emotionen behaftet ist. Dies erfolgt ohne das Bewusstsein, dass damit in die Wirklichkeit der anderen Partei eingegriffen wird. Das Feindbild entsteht aufgrund von Gefühlen wie Hilflosigkeit, Enttäuschung, Empörung oder auch bei einem verletzten Gerechtigkeitsempfinden. Derjenige, der sich von der anderen Partei verletzt fühlt, ist nicht mehr zu differenziertem Denken in der Lage, sondern lässt sich von seinen Gefühlen dazu verleiten, alles nur Schwarz oder Weiß zu sehen. Nach seinem Empfinden muss er sich wappnen, um das „Böse“ zu bekämpfen.

Feindbilder verzerren die Wahrnehmung

Kreiert eine Partei in einem Konflikt ein Feindbild, wird nur noch die andere Partei für alles verantwortlich gemacht. Ein eigener Anteil an der Entstehung des Konflikts bleibt außen vor und wird noch nicht einmal in Erwägung gezogen. Die Sichtweise ist also einseitig und lässt Behauptungen aufstellen, dass die andere Partei allein die Schuld trägt, was alle eigenen Reaktionen rechtfertigt. Durch das Feindbild gelangen Emotionen, Denkweisen und Verhaltensweisen aus dem Ruder, sodass Kommunikationsversuche der anderen Partei auch nicht mehr als freundlich oder zuvorkommend wahrgenommen werden. Es herrscht Misstrauen, das ein positives Denken verbietet. Vorsichtige Annäherungen und Versöhnungsversuche werden nicht mehr erkannt, was die andere Partei wiederum kränkt und sich der Konflikt „aufschaukelt“. Das Zuschreiben von Schuld an den jeweils anderen führt zu neuen - emotionalen - Konflikten, während die Feindbilder verhindern, dass der aktuell sachliche Konflikt gelöst werden kann. Die Parteien kritisieren sich gegenseitig und leugnen ihre Anteile am Konflikt, bevor es dann zu verachtenden Mitteilungen und später zum gänzlichen Schweigen als eigentliches Beziehungsende kommt.

m im Rahmen der Mediation aus zwei Feindbildern eine gemeinsame Win-Win-Situation zu kreieren, bedient sich der Mediator verschiedener Werkzeugen. Er klammert häufig die sachlichen Konfliktbestandteile von den emotionalen Missständen aus und bringt die Medianden dazu, die jeweils andere Sichtweise zu betrachten. Die Mediation hat die Aufgabe, aus dem Verhaltensmuster, dass es „nur einen Gewinner“ geben kann, auszubrechen. Haben dies die Medianden verinnerlicht, kann nach und nach auch das Feindbild wieder abgebaut werden, was Annäherungen auf sachlicher und persönlicher Ebene ermöglicht.

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Synonyme - Feindbilder
Eskalationsstufen

Der österreichische Konfliktforscher Friedrich Glasl legte im Jahr 1980 ein Phasenmodell der Eskalation vor, das der Konfliktanalyse dient und in der Mediation dem Mediator dabei hilft, Situationen korrekt einzuschätzen. Das Modell von Glasl beschreibt Eskalation in drei Phasen mit jeweils drei Abstufungen, die als neun Eskalationsstufen bekannt wurden. Ganz bewusst nutzt Glasl dafür das Beispiel von Treppen oder Stufen, da eine Eskalation tief hinab in Regionen mit niederen Energien und unbeherrschbaren Zwängen sowie Ausuferungen führen kann.

Die Hauptphase beschreibt Glasl noch als eine Eskalationsphase, bei der beide Konfliktparteien von einer Win-Win-Situation profitieren können. In der zweiten Eskalationsphase wird eine Win-Lose-Situation beschrieben, bei der eine Partei gewinnt und die andere Partei verliert. In der dritten Eskalationsphase verlieren beide Parteien, weshalb Glasl sie mit einer Lose-Lose-Situation betitelt. Die drei Eskalationsphasen werden in neuen Eskalationsstufen unterteilt, die im Mediationsblog näher erläutert werden.

In Anlehnung an das so beschriebene Verhalten von Konfliktparteien empfiehlt Glasl je nach Eskalationsstufe folgende Strategie:

  • Stufe 1 bis 3 – Moderation
  • Stufe 3 bis 5 – Prozessbegleitung
  • Stufe 4 bis 6 – sozio-therapeutische Prozessbegleitung
  • Stufe 5 bis 7 – Mediation/Vermittlung
  • Stufe 6 bis 8 – gerichtliches Verfahren/Schiedsverfahren
  • Stufe 7 bis 9 – Machteingriff

Siehe auch https://www.streitvermittler-mediator.de/blog-mediation/eskalationsstufen-im-konfliktmanagement.html.

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Synonyme - Eskalation, Steigerung, Vergrößerung, Verstärkung
Ergebnisoffenheit

Zu den Voraussetzungen für eine Mediation gehört, dass keinerlei Vorgaben für ein vorab festgelegtes Ergebnis bestehen. Mediationen sind immer so ausgerichtet, dass mit dem jeweiligen Ergebnis in der Zukunft gelebt werden kann. Mediationsverfahren sind also zukunftsorientiert ausgerichtet, was die Ergebnisoffenheit voraussetzt.

In Gerichtsprozessen stehen die Positionen der Verfahrensbeteiligten im Fokus. Die Fronten sind oft verhärtet, sodass kaum Verhandlungsbereitschaft besteht. In der Mediation wird im Gegenzug darauf gesetzt, mit Konflikten lösungsorientiert und konstruktiv umzugehen. Dies ermöglicht den Raum für gegenseitiges Verständnis für die Bedürfnisse, Positionen und Interessen des jeweils anderen. Während es in Gerichtsverfahren immer Gewinner und Verlierer gibt, zielt die Ergebnisoffenheit der Mediation auf die Erarbeitung einer Lösung, die von allen Beteiligten als fair empfunden wird. Hier entscheidet kein Gericht oder Richter, sondern die Beteiligten selbst finden und vereinbaren eine Lösung für ihren Konflikt. Diskutiert wird also auch nicht die Frage nach der Schuld oder eben Unschuld. Ergebnisoffenheit bedeutet bei der Mediation, dass gemeinsam ein sinnvoller und realisierbarer Weg gefunden wird, wie in der Zukunft miteinander umgegangen werden kann.  

Die Ergebnisoffenheit in der Mediation ist demnach wichtig, um Strategien für die Zukunft zu entwickeln. Die Vergangenheit wird im Mediationsverfahren nur insoweit aufgearbeitet, um alte Muster und Denkweisen hinterfragen zu können. Ansonsten hilft eine ergebnisoffene Mediation dabei, den sprichwörtlichen Strich unter die Vergangenheit zu machen und eine positive Zukunft zu gestalten.

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Synonyme - ergebnisoffen
Erbschaftsmediation

Durch eine Erbschaftmediation sollen durch einen fairen Interessensausgleich Konflikte gelöst werden, die in Erbschaftsangelegenheiten auftreten können. Konfliktpotenzial bietet sich bei Familien in Erbsachen häufig im Hinblick auf die Verteilung es Erbes oder Auslegung des Testamentes, in Sachfragen und auch in Beziehungsfragen an. Erwartungen und Wünsche werden nicht angesprochen oder nicht erfüllt und in vielen Fällen treffen in Erbangelegenheiten verschiedene Generationen mit unterschiedlichen Lebensauffassungen aufeinander. 

Eine Erbschaftsmediation kann vom Erblasser selbst in Anspruch genommen werden, um ihn bei der Erarbeitung eines einvernehmlichen Konzepts für den Erbfall zu unterstützen. Dieses Konzept kann der Erblasser dann in einem Testament oder Erbvertrag festlegen. Die Durchführung einer Erbschaftsmediation ist in diesem Fall geeignet, langwierige und kostenintensive Erbschaftsstreitigkeiten bereits im Vorhinein zu vermeiden.

Zu einem Großteil wird die Erbschaftsmediation jedoch dann eingesetzt, wenn Erbengemeinschaften keine einvernehmliche Lösung in Bezug auf das Erbe finden können. In diesen Fällen können in der Mediation Modalitäten für die Verteilung des Erbes ausgearbeitet werden, bei denen die Interessen aller Beteiligten Berücksichtigung finden.

Erbstreitigkeiten finden jedoch häufig nicht nur auf einer sachlichen Ebene statt, sondern sind auch mit Emotionen wie Trauer und anderen Gefühlen verbunden. In der Erbschaftsmediation steht die Bewältigung von persönlichen Konflikten nicht im Vordergrund. Dennoch lassen sich während der Mediationsgespräche Probleme unter den Familienangehörigen klären und Missverständnisse ausräumen. Dies wird durch eine direkte Ansprache aller Beteiligten und die so angeregte Kommunikation unterstützt. Im Idealfall lassen sich durch die Erbschaftsmediation nicht nur materielle und sachliche Probleme aus der Welt schaffen, sondern auch der Familienfrieden wieder hergestellt werden.

Im Vergleich zu einer gerichtlichen Erbauseinandersetzung lassen sich derartige Konflikte durch eine Erbschaftsmediation schneller und kostengünstiger lösen. Darüber hinaus werden diese Lösungen nicht einfach per Urteil oder Gerichtsentscheidung beschlossen, sondern nach den Ansprüchen und Wünschen aller am Mediationsverfahren Beteiligten nach Maßgabe der Fairness erarbeitet.

Weitere Informationen: www.streitvermittler-mediator.de/mediationsbereich/erbauseinandersetzung.html

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Synonyme - Erbkonflikt
Emotionen

In jedem Konflikt spielen Emotionen eine wichtige Rolle. Sie sind sowohl Potenzial für den Konflikt als auch Ansatzpunkt für eine Konfliktlösung. Wenn Medianden lernen, ihre Emotionen zuzulassen und zu benennen, ebnen sie auch den Weg zur Empathie für sich selbst und die jeweils andere Partei. In der Mediation wird die Auseinandersetzung mit Emotionen begünstigt. Der Mediator macht den Medianden Mut, Emotionen an- und auszusprechen sowie diese zu bearbeiten.

Viele Mediationsverfahren legen den Fokus nur auf die Sachebene, auf der Interessen und Positionen sichtbar und verständlich aufbereitet werden. Viele Konflikte lassen sich in der Tat auf sachlicher Ebene lösen. Bei der ganzheitlichen Betrachtung kann es jedoch auch sinnvoll sein, die seelischen Funktionen der Wahrnehmung, des Denkens, des Fühlens, des Willens und des Verhaltens in die Mediation mit einzubeziehen. Ist ein Konflikt nämlich schon eskaliert, bedarf es ab einer gewissen Eskalationsstufe die Bearbeitung der Emotionen. Sind die Emotionen wegen des Konflikts nämlich bereits so stark „hochgekocht“, werden die Fähigkeiten für kreatives Handeln und Kooperationen in Mitleidenschaft gezogen.

Emotionen sind menschliche Signalgeber. Durch Gefühle werden wir beispielsweise auf Bedürfnisse und Dinge, die uns wichtig sind, hingewiesen. Unangenehme Emotionen wie Angst oder Einsamkeit werden häufig von Ersatzgefühlen überlagert. In der Mediation werden die wahren Emotionen freigelegt, damit sie ausgesprochen und zugelassen werden können, um sie danach als Ressource zu nutzen. Wenn den Gefühlen in der Mediation Raum, Beachtung und Würdigung verliehen wird, lassen sie sich auch „heilend“ be- und verarbeiten. Emotionen in Konfliktsituationen in einer gebotenen Tiefe zu bearbeiten, ist hilfreich und notwendig für eine Konfliktlösung. Die Arbeit mit den Emotionen kann als Chance betrachtet werden, die psychischen/seelischen Verletzungen wieder zu heilen und eine nachhaltige Konfliktlösung zu finden.

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Synonyme - Gefühl, Gemütsbewegung, Empfindung, Empfinden, Stimmung

© 2021 Frank Hartung » Ihr Mediator bei Konflikten in Familie, Erbschaft, Beruf, Wirtschaft, Nachbarschaft und Schule «  

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